Geplante Dates, Nähe und ein stärkeres Körpergefühl können helfen, die erotische Spannung in einer langjährigen Beziehung zu bewahren. Paar- und Sexualtherapeutin Nancy Glisoni erklärt, dass mit zunehmender Lebenserfahrung das eigene Begehren often bewusster wird und die sexuelle Lust nicht automatisch nachlässt.
Geplante Sex-Dates und ein gestärktes Körpergefühl sorgen dafür, dass die Lust in einer Langzeitbeziehung nicht verloren geht. Mira berichtet, nach fünf Jahren Beziehung mehr sexuelles Verlangen zu empfinden als je zuvor – obwohl sie in früheren Beziehungen regelmässig nach eineinhalb Jahren die Lust verlor.
Paar- und Sexualtherapeutin Nancy Glisoni bestätigt: Mit zunehmender Lebenserfahrung verschiebe sich der Fokus vom Begehrtwerden hin zum eigenen Begehren. Wer glaubt, dass die sexuelle Lust von Frauen mit zunehmendem Alter automatisch abnimmt, dem würde Mira wohl widersprechen.
«Ich erlebe gerade die wohl aktivste Phase meines Lebens, wenn es um sexuelle Lust geht», sagt sie. Dabei war Sex auch in ihren 20ern Teil ihres Lebens. Mira experimentierte viel und bezeichnet sich rückblickend als sexuell «nicht gerade zurückhaltend». Doch heute empfindet sie ihre Sexualität anders.
«Ich habe häufiger Lust, denke viel an Sex und empfinde mein Verlangen heute auch viel bewusster und intensiver. »Es sei nicht mehr bloss ein «Sex wäre jetzt noch nett», sondern richtiges Begehren.
«Ich kann meinen Partner anschauen und wirklich denken: Wow, ich will diesen Mann. » Und das nach fünf Jahren Beziehung. Lust in der Langzeitbeziehung ist kein Zufall. Wer aktiv Zeit für Zweisamkeit einplant, hält die erotische Spannung am Leben.
Genau das hätte Mira früher kaum für möglich gehalten. In vergangenen Beziehungen verlor sie nach spätestens eineinhalb Jahren die sexuelle Lust auf ihren Partner.
«Irgendwann dachte ich wirklich: Das ist bei mir offenbar einfach so. » Sie habe ihren Partner weiterhin lieben können, «aber dieser erotische Teil war irgendwann fast wie abgeschaltet». Für sie gehörte das damals schlicht zum Lauf einer Beziehung: Die Verliebtheit verschwindet, der Alltag kommt und der Sex wird weniger spannend. Heute glaubt sie, dass sie Nähe und Erotik damals schlechter miteinander verbinden konnte.
«Sobald jemand sehr vertraut wurde, ging für mich ein Teil der sexuellen Spannung verloren. » Bei ihrem heutigen Partner wartete Mira deshalb anfangs regelrecht darauf, dass dieser Punkt wieder kommt. Doch er kam nicht.
«Im Gegenteil: Unsere Sexualität ist über die Jahre eher intensiver geworden. »Das kann gut sein, wenn man sich und den anderen besser kennt. Ich glaube, es hängt mehr von der Beziehung als vom Alter ab. Ich habe keine Erfahrung mit langen Beziehungen.
Verändert hat sich aber nicht nur ihre Beziehung, sondern auch Mira selbst.
«Mit 20 war ich sicherlich experimentierfreudig. » Rückblickend sei vieles aber oberflächlicher gewesen. Sie habe Erfahrungen gesammelt und Grenzen ausgetestet, sich selbst aber noch viel weniger gekannt.
«Heute weiss ich viel genauer, was mich wirklich anmacht, was mir gefällt und was eben nicht. Ich muss nichts mehr beweisen. » Sexuelle Freiheit habe für sie früher vor allem bedeutet, möglichst wenig Grenzen zu haben. Heute bedeute sie, ihre eigenen Grenzen und Wünsche zu kennen.
Obwohl ihr Körper mit 40 ihrer Einschätzung nach weniger einem gesellschaftlichen Jugendideal entspricht als mit 20, fühlt Mira sich heute sexuell wohler.
«Ich verschwende viel weniger Energie darauf, mich während des Sex von aussen zu beobachten. Wie sehe ich gerade aus? Ist dieser Winkel vorteilhaft? » Heute interessiere sie stärker, was sie empfinde.
«Ein Körper muss für mich nicht perfekt aussehen, um unglaublich sinnlich und sexuell zu sein. » Auch über ihre Bedürfnisse zu sprechen, fällt ihr heute leichter.
«Der andere Mensch kann keine Gedanken lesen. » Zu sagen, was sie mag, was sie anders möchte oder was sie nicht möchte, empfinde sie nicht mehr als peinlich, sondern als selbstverständlich. Doch Mira und ihr Partner tun auch bewusst etwas dafür, dass ihre Sexualität im Alltag nicht untergeht: Einmal pro Woche haben sie ein Date – ausdrücklich mit der Absicht, miteinander Sex zu haben.
Ein Tisch für zwei mit Blick auf die Nachtstadt – für Mira beginnt Erotik beim gemeinsamen Abendessen, lange bevor der Abend endet.
«Man plant alles Mögliche selbstverständlich im Kalender ein – Arbeit, Termine, Einkaufen, Verpflichtungen – aber ausgerechnet die Beziehung soll irgendwie von alleine zwischen all dem stattfinden. »Unromantisch findet Mira geplanten Sex überhaupt nicht.
«Vorfreude ist für mich ein riesiger Bestandteil von Lust. » Nur darauf zu warten, dass nach fünf Jahren Beziehung zufällig beide gleichzeitig Lust haben, ausgeschlafen sind und keine Verpflichtungen haben, findet sie eher «ziemlich ineffizient». In früheren Beziehungen verlor Mira spätestens nach eineinhalb Jahren die sexuelle Lust. Heute weiss sie: «Rechnungen und volle Wäschekörbe sind einfach miserable Libidobooster.
» Für ihr Date machen sich beide schick, gehen beispielsweise essen und konzentrieren sich bewusst aufeinander. Für Mira beginnt die Erotik lange vor dem eigentlichen Sex. Sie sieht, wie sich ihr Partner fertig macht, beobachtet ihn beim Essen und flirtet mit ihm.
«Dadurch entsteht Spannung. » Denn genau diese gehe im Alltag schnell verloren. «Rechnungen und volle Wäschekörbe sind einfach miserable Libidobooster. »
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