Nach dem Wahlsieg der Berliner Linken steht der Neuköllner Abgeordnete Ferat Koçak wegen Kontakten ins anti-israelische Milieu in der Kritik und lässt sein Mandat ruhen.
Der Berliner Linken-Bundestagsabgeordnete Ferat Koçak lässt sein Mandat ruhen, nachdem bekannt wurde, dass er Kontakte zu dem Clanboss Issa Remmo und einem Mitglied einer Hamas-nahen Organisation hatte.
Die Wahlparty des Neuköllner Bezirksverbands der Linken nach dem Sieg bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus von Berlin am 14. September 2025 wurde von Issa Remmo und dem Aktivisten Ibrahim Ibrahim besucht. Beide sollen laut Parteiangaben keine Gästeliste gehabt haben und des Saals verwiesen worden sein.
Kontakte und Chatnachrichten
Veröffentlichte Chatnachrichten belegen, dass Koçak den Sohn von Issa Remmo bat, Wahlwerbung zu verbreiten, versehen mit Grüßen an Remmo selbst. Koçak hatte zuvor bestritten, die Remmos zu kennen. Die Parteiführung der Linken Berlin stritt zunächst jegliche Verbindungen der Gäste zur Partei ab, musste aber später einräumen, dass Koçak Mitglied ist.
Koçak erklärte, sein Mandat ruhen zu lassen, bis volle Transparenz hergestellt sei. Die langjährige Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau kritisierte ihn auf der Plattform X scharf: Sie könne nicht mehr an Naivität glauben und verwies auf eine nicht beantwortete E-Mail aus dem Sommer.
Reaktionen und Hintergründe
Die Linke steht seit längerem in der Kritik, antisemitische Tendenzen in den eigenen Reihen zu dulden, insbesondere im Neuköllner Bezirksverband. Bereits im August 2025 veranstaltete der Verband ein Sommerfest unter dem Motto Zusammen für Palästina, bei dem Ibrahim Ibrahim als Vertreter des Vereinigten Palästinensischen Nationalkomitees (VPNK) sprach. Auch Ferat Koçak war anwesend.
Issa Remmo gilt als Anführer eines Clans, der mit schweren Gewalt- und anderen Straftaten in Verbindung gebracht wird. Seine Familie kam in den 1980er Jahren aus dem Libanon nach Berlin. In einem Interview mit der Berliner Morgenpost sagte er, er fühle sich von der Linken politisch repräsentiert, würde aber keine judenfeindlichen Politiker wählen.
Ibrahim Ibrahim unterstützt laut Verfassungsschutz die Hamas-nahe Volksfront zur Befreiung Palästinas und die Hamas. In einem Facebook-Beitrag nach der Wahlparty brüstete er sich damit, dass Mitglieder und Unterstützer des VPNK in Berlin zum Erfolg der Linken beigetragen hätten.
Die Linke ist nicht die erste Partei, die wegen einer Begegnung mit Issa Remmo in Bedrängnis gerät. Im Januar 2025 nahm Remmo an einer Führung durch das Berliner Abgeordnetenhaus teil, zu der der CDU-Politiker Christian Zander eine Gruppe eingeladen hatte. Zander erklärte, er habe nichts von Remmos Teilnahme gewusst und hätte die Gruppe sonst ausgeladen.
Die Ereignisse werfen erneut ein Schlaglicht auf die innerparteilichen Probleme der Linken in Berlin und die Herausforderungen im Umgang mit extremistischen Verbindungen.
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