Laut der Forschungsorganisation gehen in der Schweiz immer weniger Studien durch. Das könnte den frühen Zugang zu experimentellen Therapien erschweren.
Jede dritte Person in der Schweiz erkrankt im Laufe ihres Lebens an Krebs. 30 Prozent überleben die nächsten fünf Jahre nach der Diagnose nicht. Zwar konnte die Medizin die Überlebenschancen in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöhen.
Dennoch habe man aktuell wenig Grund zum Feiern, warnte Vincent Gruntz, Chef des Swiss Cancer Insituts, vor den Medien: «Die klinische Krebsforschung verliert in der Schweiz an Bedeutung. Wir müssen handeln. » Gruntz spricht für die akademische, nicht profitorientierte Krebsforschung. Diese beschäftigt sich mit Fragen, die der Industrie zu wenig profitabel erscheinen.
Gruntz sagt, die Zahl der unabhängigen Krebsstudien sei in den vergangenen sechs Jahren um 50 Prozent gefallen. Das werde für Schweizer Krebspatienten zum Problem. Denn wenn hierzulande keine Studien mehr stattfinden, verlieren Betroffene den frühen Zugang zu experimentellen Therapien. Der Niedergang betrifft nicht nur die akademische Forschung, wie der Interessenverband Interpharma betonte: Auch die Industrie mit Roche, Novartis und Co. verlagert ihre Studien zunehmend ins Ausland.
Allgemein hat sich der Wettbewerb um lukrative Pharmainvestitionen in den vergangenen Jahren intensiviert. China und die USA, aber auch Länder wie Belgien oder Dänemark buhlen derzeit um die Gelder. Dafür haben sie auch ihr Umfeld für klinische Studien verbessert. Der Krebsforscher Gruntz fragte deshalb rhetorisch: «Wollen wir uns von China abhängig machen?
» Damit dies nicht passiert, fordert er mehr Bundesmittel, schlankere Prozesse sowie Fortschritte bei der Digitalisierung. Ein Beispiel: In der Schweiz beaufsichtigen sieben Ethikkommissionen die klinischen Studien. In anderen Ländern gibt es eine zentrale Steuerung, was die Sache für die Forschung deutlich einfacher macht. Der Nutzen von klinischen Studien reiche zudem über die Entwicklung neuer Therapien hinaus, betonte Gruntz.
Dabei verwies er auf China. Dort sind 80 Prozent der Studien öffentlich finanziert. Davon profitiert auch die Pharmaindustrie, weil die Ärzte bereits Erfahrung mit den unabhängigen Studien haben. Der Anreiz für die Industrie steigt in dieser Lesart, auch ihre neuen Medikamente in diesem Markt zu testen.
Die Forderungen aus der akademischen Forschung sind nicht neu. Bereits vor fünf Jahren gab es ähnliche Warnungen. Was neu ist: Der Kampf um die globalen Pharmainvestitionen hat sich verschärft. Das nutzt nicht nur die europäische Pharmaindustrie dafür, höhere Medikamentenpreise zu fordernAuch die Wissenschaft erhofft sich nun mehr Gehör für ihr Anliegen.
Deshalb wird auch der Bericht der bundesrätlichen Arbeitsgruppe zur Schweizer Life-Science-Strategie mit Spannung erwartet. Sie beschäftigt sich nicht nur mit der kontroversen Preisfrage, sondern auch mit der Lage bei klinischen Studien. Der Bericht soll Ende Oktober vorliegen, wie zu hören ist. Europas Big-Pharma warnt vor «schleichender Agonie»: Das Ziel der Branche sind höhere Medikamentenpreise Das Lobbying der europäischen Pharmaindustrie wird immer lauter.
Ein offener Brief zeigt deutlich, wie die Konzerne die aktuelle Wirtschaftsschwäche Europas für ihre eigenen Interessen nutzt. Ein Medikament gegen ALS zeigte in einer Studie keine Wirkung. Es ist ein weiterer Flop für den Basler Pharmariesen innert kurzer Zeit. TelekomUmstrittener Deal: Warum die EU zwei Oligarchen von der Liste streicht Die russischen Milliardäre Alisher Usmanov und Michail Fridman wurden von der EU-Sanktionsliste gestrichen.
Möglich gemacht haben es Frankreich und Luxemburg. Die Ukraine und osteuropäische Länder sind empört. Copyright © Luzerner Zeitung. Alle Rechte vorbehalten.
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