Eine Untersuchung von SRF Investigativ zeigt, dass zehn von 27 getesteten Energydrinks den gesetzlichen Koffeingrenzwert von 160 Milligramm pro halben Liter überschreiten. Besonders betroffen sind Importprodukte aus Online-Shops. Ein Betroffener berichtet von Sucht und gesundheitlichen Folgen.
Es ist bereits der zweite Energydrink, den Nicolas heute in der Hand hält. Reiseproviant erklärt er lachend. Der 29-jährige Schweiz er trinkt täglich etwa drei grosse Dosen des Wachmachers.
Bei einem Treffen hat er seine Lieblingsgeschmacksrichtung dabei: einen Monster Energy Mango Loco. Es habe einmal eine Zeit gegeben, da habe ich sechs Liter am Tag getrunken erzählt Nicolas. Er nennt sich selbst süchtig. Energydrinks sind koffeinhaltige Getränke, die typischerweise Zucker, Taurin, Vitamine und Kohlensäure enthalten.
In den sozialen Medien werben Hersteller und Influencer mit dem Versprechen von Energie und Leistungssteigerung. Doch die Wachmacher aus der Dose haben auch mögliche Nebenwirkungen wie Herzrasen, Schlafstörungen und Nervosität. Die Zielgruppe der Energydrinks sind vor allem Jugendliche. Eine europäische Studie mit über 52.000 Teilnehmenden aus 16 Ländern zeigt, dass Jugendliche den grössten Konsumentenanteil stellen.
In der Schweiz trinkt jeder fünfte Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren mindestens einen Energydrink pro Woche, so eine Erhebung des Bundes. Die Ladenregale sind gefüllt mit bunten Energys aus aller Welt. Doch das beigemischte Koffein kann in hohen Mengen gefährlich werden. In der Schweiz ist der Koffeingehalt auf 160 Milligramm pro halben Liter begrenzt, was einer Tagesration entspricht.
Das ist etwas weniger als in zwei Tassen Kaffee. Nicolas trank an Spitzentagen das Zwölffache dieser Menge. Laut Bundesamt für Zoll- und Grenzsicherheit wurden letztes Jahr über 40 Millionen Liter Energydrinks in die Schweiz importiert. Recherchen von SRF Investigativ zeigen nun, dass im Handel etliche Getränke den gesetzlichen Grenzwert überschreiten.
Die Reporter kauften in Schaffhausen, Zürich, Burgdorf und Lyssach sowie in Schweizer Onlineshops Energydrinks aus aller Welt. Der Fokus lag auf Importwaren, da ausserhalb der EU teilweise höhere Koffeinmengen erlaubt sind. Von 27 ins Labor geschickten Proben überschritten zehn den Grenzwert. Diese Produkte deklarierten bereits auf der Dose einen zu hohen Gehalt - die Laboranalyse bestätigte die Überschreitung.
Die Energydrinks mit zu viel Koffein stammten aus Onlineshops und spezialisierten Getränkehandlungen; bei Grossverteilern fanden sich keine Verstösse. Ein besonders krasser Fall: Der Monster Energy Killer Brew Loca Moca deklariert 300 Milligramm Koffein, das Labor mass jedoch über 338 Milligramm. Das Produkt enthält mehr Koffein als angegeben, was gegen das Bundesgesetz gegen den unlauteren Wettbewerb verstösst, erklärt Pascal Pichonnaz, Professor für Privatrecht an der Universität Freiburg und ehemaliger Präsident der Eidgenössischen Kommission für Konsumentenfragen.
Er betont: Diese zehn Energydrinks dürfen so nicht im Handel sein. Das Lebensmittelrecht erlaubt eine Ausnahme für Sportlergetränke mit bis zu 200 Milligramm Koffein, allerdings müssen diese klar als solche deklariert werden. Auf den Dosen der SRF-Stichprobe standen Begriffe wie Performance oder functional Drink, die laut dem Experten nicht ausreichen. Nicolas, der selbst süchtig ist, warnt andere: Man will der Erste sein und so lange durchmachen wie möglich.
Er habe sich hyperaktiv gefühlt und an Schweissausbrüchen gelitten. Die Risiken des übermässigen Konsums sind ernst zu nehmen, und die Behörden sollten die Einhaltung der Grenzwerte strenger kontrollieren
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