Die Klimabewegung fordert mit der Aktion Keine 50-Grad-Sommer drastische Emissionssenkungen und Hitzeschutz. Nach Demos in Lausanne und Genf folgen weitere in Deutschschweizer Städten.
In der Schweiz finden derzeit Demonstrationen unter dem Titel Keine 50-Grad-Sommer statt. Am vergangenen Wochenende gingen in Lausanne und Genf Tausende Menschen auf die Straße, auch in St. Gallen wurde demonstriert. Am Freitag sollen Demonstrationen in den großen Deutschschweizer Städten folgen. Die Aktion wird von über 170 Organisationen unterstützt, darunter Umweltverbände, linke Parteien wie die Grüne Partei und die SP, Gewerkschaften und die Bewegung Klimastreik.
Forderungen der Klimabewegung
Die Bewegung fordert, dass die Klimakrise mit höchster Priorität behandelt wird. Die Treibhausgasemissionen sollen drastisch reduziert werden, was eine grundlegende Umstellung des Wirtschaftssystems bedinge. Zudem werden Hitzeschutzmaßnahmen gefordert. Das Manifest der Aktion betont die Dringlichkeit und ruft zu schnellem Handeln auf.
Die Aktion entstand mitten im Hitzesommer durch einen Aufruf der linken Westschweizer Partei solidaritéS. Mitinitiatorin Laurène Descamps erklärt, dass viele Organisationen schnell reagiert hätten. Sie spricht von einer Aufbruchstimmung in der Bewegung.
50 Grad im Sommer: Realistisch?
Der Name der Aktion Keine 50-Grad-Sommer enthält eine Behauptung: Der Schweiz könnten bis Mitte des Jahrhunderts Temperaturen um 50 Grad drohen, heißt es im Manifest. Klimaforscher Erich Fischer von der ETH Zürich hält das für übertrieben, aber weniger maßlos als es scheine. Laut aktueller Forschung seien in der Schweiz schon heute im Extremfall Höchsttemperaturen bis 44 Grad möglich. Fischer betont, dass es sich um ein theoretisches Worst-Case-Szenario handele, bei einer extrem heftigen und trockenen Hitzewelle mit lang anhaltendem Hochdruckgebiet. Mit dem Klimawandel könnte dieser Wert noch um 2 bis 3 Grad steigen. Dann seien eher 46 bis 47 Grad zu erwarten, so Fischer.
Geschichte der Klimabewegung
Im Wahljahr 2019 erreichte die Klimabewegung ihren Zenit. Die Klimastreiks der schwedischen Schülerin Greta Thunberg hatten 2018 eine europäische Bewegung ausgelöst, die auch in die Schweiz schwappte. Am 28. September 2019 demonstrierten rund 100.000 Menschen in Bern. Knapp einen Monat später erzielte die Grüne Partei bei den eidgenössischen Wahlen einen historischen Sitzgewinn.
Während der Corona-Pandemie blieb es lange still um die Klimabewegung. Descamps beschreibt, dass viele ermüdet gewesen seien. Später hätten andere Krisen das Thema Klima überlagert. Der Politikwissenschaftler Georg Lutz von der Universität Lausanne sieht darin den normalen Verlauf von Bewegungen: Zuerst gebe es eine starke Mobilisierung, dann merke man, dass Veränderungen nicht schnell gehen und mühsame institutionelle Prozesse erfordern. Das schrecke viele ab.
Pläne und Chancen für eine Klimawahl 2.0
Mitorganisatorin Laurène Descamps sagt, es starte mit einem Demoaufruf, aber es ende nicht damit. Auch im September 2027, kurz vor den eidgenössischen Wahlen, plant das Kollektiv Demonstrationen. Sie erhoffe sich eine Wiederholung der Klimawahl 2019 und wünsche sich, dass soziale und ökologische Rechte in den Vordergrund rücken.
Der Politikwissenschaftler Georg Lutz sieht mit den aktuellen Demonstrationen neuen Schwung in der Klimabewegung. Im Hitzesommer hätten viele die Klimaerwärmung direkt wahrgenommen. Lutz bezweifelt jedoch, dass die Mobilisierung so groß wie 2019 sein wird und sich die damalige Klimawahl wiederholt. Externe Ereignisse wie Kriege und Krisen hätten in den letzten Jahren die Themenlage dominiert. Es sei relativ schwierig, als Bewegung die Themenkonjunktur zu beeinflussen, so Lutz.
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