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Kirchenpflege in Zollikon-Zumikon komplett abgewählt

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Kirchenpflege in Zollikon-Zumikon komplett abgewählt
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Die katholische Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon hat ihren Präsidenten Vedran Zrno und die gesamte Kirchenpflege abgewählt. Hintergrund sind Unregelmässigkeiten bei der Auftragsvergabe über 200.000 Franken, die die Rechnungsprüfungskommission festgestellt hatte. Der frühere Präsident spricht von einem inszenierten Plan.

Stadler-Rail-Finanzchef stürzt gesamte Kirchenpflege und wird Präsident Die Mitglieder der katholischen Kirche Zollikon und Zumikon wählen die komplette Kirchenpflege ab – wegen Unregelmässigkeiten bei der Auftragsvergabe .

Der abgesetzte Präsident spricht von einem «inszenierten Plan» und erhebt seinerseits schwere Vorwürfe. Die Rechnungsprüfungskommission stellte Unregelmässigkeiten bei der Auftragsvergabe über 200’000 Franken fest. Um eine rasche Änderung zu erzielen, kandidierte der oberste Rechnungsprüfer selber als Präsident der Kirchenpflege. Der abgewählte Präsident Zrno bezeichnet das Vorgehen als inszenierten Plan gegen seine Kirchenpflege.

Die Kirchgemeindeversammlung der Katholischen Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon hat ihren Präsidenten und die Kirchenpflege in corpore abgewählt. An deren Stelle wählten die 224 Stimmberechtigten ein komplett neues Gremium, mit Raphael Widmer als Präsident. Das zeigen die Abstimmungsergebnisse der Kirchgemeindeversammlung. Die bisherigen Mitglieder um Präsident Vedran Zrno sind damit ab Juli ihren Posten los.

Dabei hatten sich mit Ausnahme von Finanzvorstand Pius Baumann alle um eine weitere Amtszeit beworben. Am Anfang stand die Rechnungsprüfungskommission . Sie stellte nach eigener Aussage Ungereimtheiten bei der Auftragsvergabe durch die Kirchenpflege fest. Zur Jahresrechnung 2025 der Katholischen Kirchgemeinde schrieb die RPK, sie habe bei zwei Sachbereichsprüfungen Unregelmässigkeiten bezüglich der Vergabe von Aufträgen festgestellt.geht näher auf die von der RPK an der Kirchgemeindeversammlung vorgebrachten Vorwürfe ein.

So seien etwa Malerarbeiten an eine Malerfirma aus Zumikon vergeben worden, an der ein Kirchenpflegemitglied beteiligt sei. Das Auftragsvolumen über die letzten vier Jahre soll sich auf über 200’000 Franken belaufen haben. Bei der Buchhaltung sei es ausserdem zu Interessenskonflikten gekommen, dazu seien für Buchhaltungsleistungen keine Gegenofferten eingeholt worden. Die RPK habe bei verschiedenen Projekten fehlende Transparenz im Offertenverfahren und mögliche Interessenskonflikte festgestellt.

Er ist am Montag zum neuen Präsidenten der Kirchenpflege gewählt worden. Er sagt, die RPK habe der Kirchenpflege ihre Bedenken kommuniziert und mitgeteilt, was sie aus ihrer Sicht ändern müsse. Passiert sei aber nichts.

«Die RPK hat nach Gesetz nicht die Kompetenz, die von ihr gemachten Empfehlungen durchzusetzen», erklärt Widmer. Sein Gremium habe folglich im April eine Aufsichtsbeschwerde bei der Aufsichtskommission der katholischen Kirche im Kanton Zürich eingereicht. Die Rechnungsprüfungskommission habe der Kirchenpflege im Vorfeld den Gang zur Aufsichtskommission angekündigt, sollte sich bei der Vergabepraxis nichts ändern, so Widmer. Passiert sei seitens Kirchenpflege trotzdem weiterhin nichts.

Da sich die amtierende Kirchenpflege aus Widmers Sicht nicht bewegte, habe er sich selbst mit einem eigenen Team zur Wahl gestellt.

«Die schnellste Art, die nötigen Änderungen durchzusetzen, war, selbst zu kandidieren, statt Monate auf die Verfügung der Aufsichtskommission zu warten», sagt Widmer. Vor der Kirchgemeindeversammlung am Montag publizierte Widmer einen offenen Brief im «Zolliker Zumiker Boten». Er liess darin das bisherige Geschehen aus seiner Sicht Revue passieren und führte seine Beweggründe für die Kandidatur aus.

«Die Aufsichtskommission der Kantonalkirche hat uns mitgeteilt, dass die Aufsichtsbeschwerde bis zum Wahltermin vom 1. Juni 2026 noch nicht fertig behandelt sein wird, und dass die einzige Möglichkeit, die Situation zu ändern, durch eine nicht Wiederwahl der amtierenden Kirchenpflege erfolgen müsse», heisst es da. Den Gang an die Presse finde er selbst «ein bisschen unschön», sagt Widmer.

«Ich habe das nicht gerne gemacht, aber es war der einzig mögliche Weg. » Er betont, dass die Kirchgemeinde insgesamt «sehr gut» funktioniere, auch die Kirchgemeindeversammlung sei sachlich verlaufen. Der bisherige Präsident der Kirchenpflege, Vedran Zrno, widerspricht den Anschuldigungen der RPK – und geht selbst in die Offensive.

«Wir sind überzeugt, die Geschäfte der Kirchgemeinde stets sorgfältig, transparent und verantwortungsvoll erledigt zu haben», schreibt er auf Anfrage. Bei der Abwägung zwischen «der Erfüllung qualitativer Ansprüche, der Einhaltung wirtschaftlicher Leitplanken sowie dem Bedarf nach zuverlässigen und termingerechten Ausführungen» sei stets das Wohl der Kirchgemeinde im Zentrum gestanden. Den Zeitpunkt der öffentlichen RPK-Kritik findet Zrno verdächtig. Sie habe «jahrelang die Jahresrechnungen, deren Prüfungen nicht nur stichprobenweise, sondern vollumfänglich erfolgten» genehmigt, schreibt der nicht wieder gewählte Präsident.

Über Jahre habe es keinerlei Beanstandungen gegeben.

«Erst kurz vor Ende der Legislatur erhob sie schwere Vorwürfe bei einer zusätzlichen Sachbereichsprüfung. Dies legt nahe, dass die RPK offensichtlich instrumentalisiert wurde – es wirft Fragen zum Zeitpunkt der Kritik und zu politischen Motiven auf. »Zrno wird konkret: «Die erfolgte Eingabe einer Aufsichtsbeschwerde durch die RPK und deren mediale Begleitung ist aus unserer Sicht äusserst vorpreschend und erscheint als Teil eines inszenierten Plans von RPK-Präsident Raphael Widmer und Pfarrer Pascal Marquard zur Auswechslung der bisherigen Kirchenpflege», schreibt er.

Denn die Kirchenpflege habe «fragwürdige Airbnb-Vermietungen des Pfarrers untersucht und pflichtgemäss gemeldet». Dazu sei Widmer im Jahr 2025 gleichzeitig als Stiftungsratsmitglied und als Revisor in der St. Michaels-Stiftung tätig gewesen, was ebenfalls innerkirchlichen Stellen gemeldet worden sei. Pfarrer Marquard steht der Stiftung vor. Die Airbnb-Vermietungen waren laut «Zolliker Zumiker Boten» ebenfalls Thema an der Kirchgemeindeversammlung vom Montag.

Eine anonyme schriftliche Anfrage wollte demnach wissen, weshalb über Jahre ein Airbnb-Zimmer im Pfarrhaus betrieben worden sei und an wen die daraus resultierenden Einnahmen gingen. Die Antwort der noch von Zrno präsidierten Kirchenpflege an der Versammlung: Die Abklärungen liefen noch. Raphael Widmer weist den Vorwurf eines politisch motivierten Vorgehens zurück. Die RPK habe eine vertiefte Prüfung der Bücher vorgenommen, als Ende letzten Jahres eine neuen Treuhandfirma unter Vertrag genommen worden sei.

Im Zuge dessen seien die kritisierten Ungereimtheiten zutage getreteten. Die Airbnb-Vermietungen indes fielen nicht in die Hoheit der RPK, es handle sich bei der Wohnung um Privaträume. Seine Doppelrolle bei der St. Michaels-Stiftung sei zudem den relevanten Stellen bekannt, sagt Widmer. Er sei im Oktober vom Bischof von Chur zum Sitftungsratsmitglied ernannt worden.

Zuvor sei er viele Jahre der Revisor der Stiftung gewesen. Weil er im Revisionsjahr 2025 nicht am operativen Geschäft der Stiftung beteiligt gewesen sei, habe man Anfang Jahr entschieden, dass er letztmalig die Revision für das Jahr 2025 vornehmen könne. Das sei entsprechend protokolliert und an das zuständige Bistum Chur gemeldet worden. Das Bistum entscheide derzeit noch, ob eine zweite Revision aufgrund von Widmers Doppelrolle nötig sei.

Die neue Kirchenpflege um Raphael Widmer übernimmt Anfang Juli die Führung der Katholischen Kirchgemeinde Zollikon-Zumikon. Um das Vertrauen in die Führung wiederherzustellen, wolle er als Sofortmassnahme die von seiner RPK gemachten Empfehlungen umsetzten – noch bevor die offizielle Verfügung der Aufsichtskommission der kantonalen Kirche komme.

Zudem solle jedes Ressort Legislaturziele definieren und diese transparent ausweisen.

«Wir möchten auch eine gute Beziehung zum Seelsorgeteam aufbauen, also zum Pfarrer und den Mitarbeitenden», sagt Widmer. «Die Kirche hat unter der Führung des jetzigen Pfarrers gut funktioniert. »ist die Katholische Kirchgemeinde zudem in ein grosses Bauprojekt involviert, an dem auch die Politische Gemeinde Zumikon und die Reformierte Kirchgemeinde beteiligt sind. «Da werde ich als Präsident stark den Daumen draufhalten», sagt Widmer.

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