Jürgen Klopp priorisiert Entwicklung über Sieg im Nations-League-Auftakt

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Jürgen Klopp priorisiert Entwicklung über Sieg im Nations-League-Auftakt
Jürgen Klopp, DFB-Nationalmannschaft, Niederlande

Neuer DFB-Bundestrainer Jürgen Klopp sieht bei der 1:1-Remis gegen die Niederlande mehr Lernpotenzial als ein kritisches Ergebnis. Trotz der Führung durch Felix Nmecha und der späten Einigung von Cody Gakpo lobte Klopp die Intensität der Mannschaft und betonte, dass die taktischen Abläufe und das Gegenpressing im Fokus der Analyse stehen. Für Klopp war der Auftritt in der Johan Cruyff Arena wichtiger als das reine Resultat, da der Erlernen des neuen Systems noch Zeit benötigt.

Glückwünsche für das 1:1 in den Niederlande n wollte Jürgen Klopp nicht annehmen. Das Resultat versucht der neue Bundestrainer in den Hintergrund zu schieben. Lernkurven sind ihm noch wichtiger.

Jürgen Klopp legte das Trikot von Hollands Kapitän Virgil van Dijk als Souvenir hinter seinen schwarzen Stuhl. Dann zog der neue Bundestrainer eine Debüt-Bilanz, die drei Monate nach dem WM-Debakel in Nordamerika Hoffnung macht: «Die Intensität, die Bereitschaft, die Leidenschaft» – all das habe ihm als neuem DFB-Chefcoach beim 1:1 der Fussball-Nationalmannschaft in den Niederlanden richtig gut gefallen. Zwar wäre nach der Führung durch Felix Nmecha durchaus ein Sieg drin gewesen.

Doch auch wenn DFB-Kapitän Joshua Kimmich nach dem späten Gegentor von Klopps ehemaligen Liverpool-Schüler Cody Gakpo von einer gefühlten Niederlage zum Auftakt der Nations League sprach – der Auftritt, die Herangehensweise in der Johan Cruyff Arena, zählten für Klopp mehr als das reine Resultat.

«Viel wichtiger sind natürlich für mich, als jetzt irgendwie ein 1:0 über die Zeit zu bringen, die ganzen anderen Informationen, die wir bekommen haben. Mit denen arbeiten wir jetzt», kündigte der 59-Jährige eine intensive Analyse des wilden und mitunter giftigen Nachbarschaftsduells mit dem Oranje-Team an. Zwei Tage Vorbereitung reichen nicht, um Klopp-Fussball zu lernen.

«Wir konnten nur an der Oberfläche kratzen», sagte der Bundestrainer. Und doch fühlte er sich nach seinem Crashkurs bestätigt.

«Ich habe vieles gesehen. Gegenpressing-Situationen, ich würde gerne viel mehr sehen, aber es waren trotzdem welche dabei. » Klopp fühlte sich wie beim Fremdsprachenstudium: «Die Abläufe können noch nicht natürlich sein. Es ist erlernt.

Und wie jeder feststellt beim Erlernen: Da gibt's den Moment, wo du mal kurz weisst, was du alles für Vokabeln morgens gelernt hast, dann weisst du vielleicht mittags noch was. Aber am nächsten Tag wäre es auch nicht schlecht, wenn du noch mal draufguckst. »Klopp ist ein Meister der bildhaften Vergleiche. Und ein Meister darin, auch dort Gutes zu finden, wo andere einen Makel sehen.

«Habe ich den Eindruck, dass wir auch nur Richtung Perfektion unterwegs waren? Das war man nicht», sagte er. Das wäre aber auch gar nicht gut gewesen, meint er. Denn: «Das Schlimmste, was hätte passieren können von allen negativen Signalen, wäre gewesen, wenn wir heute das beste Spiel in unserer gemeinsamen Zeit absolviert hätten.

Weil dann wären alle anderen schlechter geworden. » Klopp wollte es also als Vorteil verstanden wissen, dass noch reichlich Luft nach oben ist. Klopp kann auch schwärmen. Und das tat er, als es um die Leistung der drei Debütanten ging.

Da war Philipp Treu, der als rechter Aussenverteidiger einen hervorragenden Eindruck über 90 Minuten hinterliess und die Hoffnung bestätigte, dass Kimmich jetzt vielleicht im Zentrum bleiben kann.

«Aussergewöhnlich» habe Treu gespielt, sagte Klopp. Der redegewandte Freiburger revanchierte sich: «Das ist mal gut zu hören, dass mal jemand die Augen aufmacht und nach Freiburg geguckt hat. » Klopp habe ihn «auf dem Schirm» und «Bock auf mich», befand Treu. Auch sein Club-Kollege Yannick Engelhardt, der spät als Joker kam, wurde von Klopp gelobt.

Und Younes Ebnoutalib? Ach ja, den Angreifer fand der Bundestrainer als Havertz-Ersatz so gut, dass er fast vergass, dass auch der Frankfurter ein Debütant war. Chance genutzt. Schmerzhaft im doppelten Sinne war das frühe Aus für Jamal Musiala noch vor dem Anpfiff und von Kai Havertz nach 30 Minuten.

Ein MRT soll Aufschluss über die Schwere der Verletzungen beider Offensivspieler geben. Weitere Einsätze in den noch ausstehenden drei Spielen sind unwahrscheinlich. Havertz könnte durch Jonathan Burkardt oder Nick Woltemade ersetzt werden, die eigentlich erst in der kommenden Woche mit dem zweiten Teilkader zum Einsatz kommen sollten. Doch auch hier überraschte Klopp.

Für Musiala sei es nach seinen jüngsten Zusammenbrüchen gut, dass er auch mal eine typische Fussballerverletzung habe – ersehnte Normalität statt aussergewöhnlicher Nervenerkrankung und Absencen. Aber natürlich hätte auch Klopp Musiala gern schnell wieder auf dem Platz. Für Spaniens Trainer Xavi war Marc-André ter Stegen der Garant für den deutschen Punktgewinn. Schliesslich sei Holland in der zweiten Halbzeit viel besser gewesen und habe entsprechende Torchancen gehabt.

«Die Spanier. Sie haben immer recht, ja, Weltmeister und so weiter», wollte sich Klopp mokieren. Und dennoch stimmte er bei der Torwart-Bewertung zu.

«Wir haben schon mitbekommen, dass er die eine oder andere Hand oder den Fuss dran hatte. War eine sehr, sehr gute Leistung. Absolut top. »In einer «Parallelwelt» würde ein Punkt in Holland immer gut klingen, sagte Klopp über die Lage in der Gruppe 2 der A-Liga mit Griechenland und Serbien als weiteren Gegnern.

Doch jetzt fühle es sich an wie zwei verlorene Punkte. Überhaupt müsse er bei aller reflektierten Start-Analyse auch auf Resultate schauen.

«Wir sind in einem Ergebnissport. Und wir sollten die nächsten 500 Spiele nicht unentschieden spielen. » Der erste Sieg seiner Amtszeit soll am Sonntag in Augsburg gegen Griechenland gelingen.

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