Island: Walfang vor dem Aus, 93 Finnwale getötet

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Island: Walfang vor dem Aus, 93 Finnwale getötet
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In Island könnten 93 Finnwale diesen Sommer die letzten sein, da die Regierung ein Walfangverbot prüft. Tierschützer fordern ein Ende, Walfänger Loftsson droht mit Klage.

In Island könnten in diesem Sommer 93 Finnwale die letzten sein, die kommerziell gejagt werden. Die isländische Regierung hat angekündigt, im Februar eine Gesetzesrevision vorzulegen, die den Walfang beenden könnte. Tierschützerin Valgerður Árnadóttir kämpft seit Jahren gegen den kommerziellen Walfang und kritisiert die Praxis als nicht tierschutzkonform. Vor der Küste Reykjavik s erleben Touristen bei Walbeobachtungstouren die Tiere in freier Wildbahn, während am alten Hafen von Reykjavik der letzte Walfänger Island s, Kristján Loftsson, mit seiner Firma Hvalur hf. weiterhin Finnwale jagt.

Walfang und Walbeobachtung nebeneinander

Die Koexistenz von Walfang und Walbeobachtung in Island ist einzigartig. Während Touristen an Bord von Whalewatching-Booten die majestätischen Meeressäuger beobachten, können sie Zeuge eines frisch getöteten Wals werden, der an der Seite eines Walfangschiffs hängt. Diese Gegensätze prägen die Diskussion um den kommerziellen Walfang. Die Tierschützerin Valgerður Árnadóttir argumentiert, dass bei der Jagd die Tierschutzgesetze nicht eingehalten werden. Das Gesetz verlange, dass das Tier sofort stirbt, aber die Realität sehe anders aus. Berichte zeigten, dass in mehr als der Hälfte der Fälle mehr als ein Schuss nötig sei, um ein Tier zu töten, und die Tiere bis zu zwei Stunden leiden. Die Präsidentin der Organisation Hvalavinir Vernd Hafsins betont, es sei unmöglich, Wale human zu töten.

Tradition und wirtschaftliche Realität

Verfechter des Walfangs berufen sich oft auf eine Tradition, doch Walfleisch ist heute nirgends im Supermarkt zu finden, sondern vor allem in touristischen Restaurants, die meist Zwergwalfleisch aus Norwegen anbieten. Historisch waren hauptsächlich Walfänger aus anderen Nationen in Island aktiv, und bis ins 20. Jahrhundert gab es keinen breiten inländischen Walfang. Seit 1948 steht Kristján Loftssons Firma Hvalur hf. praktisch alleine für die Jagd der großen Finnwale. Die Unterstützung für den Walfang hat in Umfragen stark abgenommen, von 85 Prozent im Jahr 2013 auf rund 30 Prozent heute. Besonders bei jungen Menschen und Frauen ist die Ablehnung groß. Für Árnadóttir ist der Walfang unverständlich, da es für das Fleisch der in Island gejagten Finnwale kaum noch einen Absatzmarkt gibt, weder im In- noch im Ausland.

Der letzte Walfänger und seine Pläne

Am alten Hafen von Reykjavik treffen wir Kristján Loftsson, den letzten Walfänger Islands. Er ist Geschäftsführer der Walfangfirma Hvalur hf., die noch mit zwei Schiffen Walfang betreibt. Loftsson sagt, sie seien auf Finnwale ausgerichtet, und im Nordatlantik bei Island sei der Bestand groß genug. Er wolle ihn nutzen und daraus Güter produzieren, es sei einfach ein Business. Auf seinen Schiffen arbeiteten Profis, die ihr Bestes für die schnelle Tötung der Wale täten, wie es das Gesetz verlange. Der über 80-jährige Multimillionär gilt in Island als äußerst einflussreich. Für Kritiker ist das der Hauptgrund, warum er den Walfang aufrechterhalten kann. Loftsson bestätigt gegenüber SRF Absatzprobleme: Der Hauptmarkt sei Japan, aber der Handel sei schwierig momentan, man verdiene kaum daran. Deshalb wolle er die Verarbeitung umstellen und ein hämoglobinreiches Pulver aus dem Walfleisch machen, da es weltweit einen großen Eisenmangel gebe und ein Markt vorhanden sein müsse. Für Árnadóttir ist das eine Ausrede. Loftsson habe bereits versucht, das nicht verkaufte Walfleisch als Tierfutter loszuwerden. Eisen aus Walfleisch zu produzieren, mache keinen Sinn, das gäbe nur etwa 20 kg Eisen aus einem etwa 70 Tonnen schweren Finnwal.

Mögliches Verbot und rechtliche Drohungen

Nun könnte die isländische Regierung dem Walfang ein Ende bereiten. Das zuständige Industrieministerium hat angekündigt, im Februar eine entsprechende Gesetzesrevision vorzulegen. Noch muss diese durchs Parlament. Walfänger Loftsson droht bereits damit, die Regierung im Falle eines Verbots zu verklagen. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet, da sie nicht nur den Walfang, sondern auch die wirtschaftlichen Interessen und den Tierschutz in Island betrifft.

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