Markus Bernsteiner tritt per Ende Jahr als CEO von Stadler Rail zurück. Im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» sagt er, weshalb er nicht länger bleibt.
«Ich wollte die Schwierigkeiten lösen, bevor ich gehe» Markus Bernsteiner tritt per Ende Jahr als CEO von Stadler Rail zurück. Im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» sagt er, weshalb er nicht länger bleibt.
Die Meldung kam überraschend: Am Dienstag gab Stadler Rail bekannt, dass Markus Bernsteiner Ende dieses Jahres als CEO zurücktritt. Sein Nachfolger wird Philipp Brunner, bislang Leiter der Division Zentraleuropa. Der Führungswechsel sei von langer Hand geplant, hiess es. Bernsteiner, der in einem Monat 60 Jahre alt wird, wolle sich auf Verwaltungsratsmandate konzentrieren, so die Mitteilung.
Im Gespräch mit «Finanz und Wirtschaft» verrät der Stadler-CEO, was hinter seiner Entscheidung steckt. Herr Bernsteiner, Sie haben 27 Jahre für Stadler Rail gearbeitet, aber nur vier Jahre als CEO. Warum wollen Sie jetzt bereits zurücktreten? Bevor ich CEO von Stadler Rail wurde, habe ich die Division Schweiz geleitet.
Damals hatte ich drei Verwaltungsrats- und ein Stiftungsratsmandat. Dabei habe ich grosse Freude an strategischen Fragen entwickelt. Als ich dann im Jahr 2023 den Job als Group CEO angetreten habe, habe ich all diese Mandate abgegeben, um mich voll auf den Job als CEO zu fokussieren. Ich war vier Jahre lang voll operativ tätig, habe wirklich «gechrampft».
Jetzt freue ich mich, ab 2027 stärker strategisch tätig zu sein. Ja, es war ein bewusster Entscheid. In einem Monat werde ich 60 Jahre alt. Ich habe mich gefragt: Welchen Inhalt hat mein nächster Lebensabschnitt?
Wo möchte ich meine Zeit investieren? Bei dieser Analyse bin ich zum Schluss gekommen, dass ich meine sehr grosse und breite Erfahrung, die ich bei Stadler Rail gesammelt habe, bei anderen Unternehmen einbringen möchte, beispielsweise in einem Verwaltungsrat. Wann haben Sie Stadler Rail über diesen Entscheid informiert? Mein Arbeitgeber hat immer gewusst, dass ich in diese Richtung gehen möchte.
Wir hatten während meiner Amtszeit mit Stadler Rail aber diverse globale Verwerfungen wie Covid, Ukraine und die drei verheerenden Umweltkatastrophen zu bewältigen. Ich wollte diese Herausforderungen anpacken und die Schwierigkeiten lösen, bevor ich gehe. Wir haben jetzt eine saubere Basis gelegt. Die Massnahmen zeigen Wirkung, die Zahlen gehen in die richtige Richtung.
Das Fundament für eine höhere Profitabilität ist gelegt. Jetzt ist die Zeit da, in der ich übergeben kann. Ich kann kein Datum nennen. Diese Überlegungen reiften innerlich mit der Zeit.
Mit Stadler Rail habe ich meine Überlegungen aber immer sehr offen und transparent geteilt. Der Entscheid ist nicht erst in den letzten Monaten gefallen. Peter Spuhler ist ein starker Verwaltungsratspräsident, der früher selbst CEO war. Solche Konstellationen gelten als schwierig, weil der neue CEO manchmal nur wenig Spielraum erhält.
Wie war das bei Ihnen und Peter Spuhler? Peter Spuhler hat zusammen mit seinen engsten Mitarbeitern die Firma gross gemacht. Als ich vor 27 Jahren bei Stadler Rail angefangen habe, hatte das Unternehmen rund 110 Mitarbeiter, heute sind es über 18’000. Jeder von uns hat seinen Job gemacht.
Ich bin sehr dankbar, dass wir so lange so gut zusammenarbeiten durften. Das Duett hat super gespielt. Es «giiget» auch heute noch zwischen uns. Aber hat er Sie als CEO auch machen lassen?
Ja, er hat mich machen lassen und mir als CEO die nötigen Freiheiten gegeben. Es ging bei uns immer um die Firma Stadler und nicht um irgendwelche Animositäten oder Ego-Themen. Ich werde die Zusammenarbeit mit Peter Spuhler vermissen. Nein.
Mein Fokus liegt bis Ende Jahr ganz klar bei Stadler Rail. Ich will ordentlich an Philipp Brunner übergeben. Danach werde ich in Ruhe Mandate prüfen und sorgsam auswählen, wo meine grosse Erfahrung und Expertise benötigt wird. Diverse Gespräche über Verwaltungsratsmandate sind am Laufen.
Philipp Brunner ist 42-jährig, ich bald 60. Eine schwierige Zahl . Ich bin nicht mehr so fit wie vor 20 Jahren. Die zehn Kilometer bin ich auch schon schneller gelaufen und im Fitnessstudio habe ich schon mehr Gewicht gehoben.
Philipp Brunner kann noch voll reissen. Es ist schön, wenn man die Firma, die jetzt super aufgestellt ist, jemandem, der jung und dynamisch ist, übergeben kann. Von den Werten her unterscheiden wir uns nicht. Wir verfolgen dieselben Zielsetzungen
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