Fifa-Präsident Gianni Infantino bietet Reformen und eine externe Governance-Prüfung an. Europas Top-Ligen erhöhen den Druck, einen Rücktritt fordert er nicht.
Fifa -Präsident Gianni Infantino hat auf die anhaltende Kritik an seinem Führungsstil reagiert und seinen Gegnern erstmals Gespräche über mögliche Reformen im Fussball-Weltverband angeboten. Der Schweizer kündigte in einem Brief an die Chefs der 211 Mitgliedsverbände und die Mitglieder des Fifa -Councils eine unabhängige externe Überprüfung der Fifa -Governance sowie Konsultationen über eine Stärkung der Entscheidungsprozesse an, einschliesslich der Rolle des Präsidenten. Zuvor hatten die vier einflussreichsten Ligen Europas den Weltverband und Infantino scharf attackiert.
Top-Ligen attackieren Infantino
Die Bundesliga, La Liga, die Serie A und die Premier League warfen dem Präsidenten in einem zweiseitigen Brief ein grundlegendes Führungsproblem vor. Die langjährigen Grundlagen des Fussballs seien bedroht, weil der Fifa-Präsident ausbeuterische Ideen aktiv gefördert habe, anstatt sie zu verhindern.
Den Brief unterzeichneten die Ligabosse Marc Lenz für Deutschland, Javier Tebas für Spanien, Luigi De Siervo für Italien und Richard Masters für England. Das Schreiben wurde am Vormittag veröffentlicht. Zum Rücktritt forderten sie Infantino explizit nicht auf.
Die Ligavertreter betonten, jetzt sei der Moment gekommen, nicht nur zu entscheiden, wer die Fifa führen wird, sondern auch, wie sie geführt werden soll. Die Ligen spielten dabei eine entscheidende Rolle und wollten sicherstellen, dass die Stimme jeder Liga gehört wird.
Externe Prüfung der Fifa-Governance
Infantino schrieb in seinem Brief auf Englisch an die Fussball-Funktionäre weltweit, er werde den Fifa-Rat fragen, ob er eine unabhängige externe Untersuchung des derzeitigen Governance-Systems für grosse strategische Projekte in Auftrag geben möchte. Zudem schlug er eine direkte, strukturierte und zeitlich begrenzte Konsultation mit Konföderationen, Mitgliedsverbänden und relevanten Interessengruppen vor.
Dabei solle diskutiert werden, wie die Entscheidungsprozesse der Fifa weiter verbessert werden können. Konkret bietet Infantino an, darüber zu sprechen, wie die Fifa-Institutionen früher in grosse Projekte einbezogen werden und welche Rolle der Fifa-Präsident künftig haben soll.
Der 56-Jährige machte gleichzeitig klar, dass er die Fifa weiter anführen will. Von einem Verzicht auf eine Kandidatur für eine vierte Amtszeit beim Kongress im März 2027 ist nicht die Rede. Diesen fordern seine Kritiker um Uefa-Präsident Aleksandar Ceferin.
Druck durch WM-Vermarktung und DFB
Infantino steht seit einem Vorstoss zur Vermarktung der WM-Rechte durch externe Investoren im Sommer massiv unter Druck. Auch sein Führungsstil wird von Teilen der Fussball-Welt scharf kritisiert.
Auch der Deutsche Fussball-Bund um DFB-Chef Bernd Neuendorf, der auch im Fifa-Council sitzt, hat sich klar gegen Infantino positioniert. Eine Reaktion der Infantino-Gegner auf den Brief gab es bislang nicht.
Vorschläge, die bis zur Sitzung des Fifa-Rates am 15. Oktober eingehen, können dort bereits berücksichtigt werden. Seinen Gegnern reichte Infantino durch das Schreiben symbolisch die Hand.
Er schrieb, die Behandlung eines Verbands werde nicht von seiner Position zu einem Vorschlag oder einer institutionellen Angelegenheit abhängen. Er stehe weiterhin jedem zur Verfügung. Jeder Mitgliedsverband habe das Recht, gehört zu werden. Einigkeit sei keine Voraussetzung für Dialog, und Meinungsverschiedenheiten sollten niemals den gegenseitigen Respekt verhindern.
Infantino betonte, er bleibe voll und ganz dazu verpflichtet, die Fifa zu führen, und sei zuversichtlich, was gemeinsam erreicht werden könne. Die Verantwortung sei grösser als jeder einzelne Vorschlag oder jede Meinungsverschiedenheit. Sie bestehe darin, die Unabhängigkeit der Fifa zu schützen, ihre Institutionen zu stärken und sicherzustellen, dass der Fortschritt des Fussballs dem gesamten Fussball zugutekommt, überall auf der Welt.
Uefa und Concacaf setzen Fifa weiter unter Druck
Die europäische Fussball-Union Uefa und der nordamerikanische Dachverband Concacaf haben im Machtkampf gegen den Weltverband Fifa und dessen Präsidenten Gianni Infantino einen weiteren Schritt vollzogen. Die genauen Inhalte dieses Schrittes blieben in der vorliegenden Berichterstattung offen.
Der Machtkampf im internationalen Fussball dauert damit an. Die vier grossen Ligen Europas haben ihre Position deutlich gemacht, während Infantino Reformen anbietet, aber an seiner Kandidatur für eine vierte Amtszeit festhält.
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