Matthias Steiner (21) aus Lyssach holte Gold an den Worldskills in Shanghai – millimetergenau und ohne einen einzigen Fehler.
Weltbester Sanitär: «Auch mit handwerklichen Berufen kann man Erfolg haben» Matthias Steiner aus Lyssach hat zwei Jahre auf diese Tage trainiert. An der Weltmeisterschaft in China zeigte er: Er arbeitet millimetergenau.
Zwei Jahre lang trainierte der 21-Jährige intensiv, machte kaum Ferien und opferte viel Freizeit. Häufig installieren Fachleute Sanitäranlagen allein und unbeachtet – nicht Matthias Steiner. In Shanghai stand er beim Rohrverlegen im Rampenlicht. Er kämpfte an denAls der 21-Jährige davon erzählt, ist er zurück im Elternhaus in Lyssach.
Gerade hat er ein Nickerchen gemacht. In der Nacht flog er von China in die Schweiz zurück.
«Ich bin erleichtert, ist der Wettbewerb vorbei», sagt er. Wegen des Drucks, der abfällt, und: «Damit ich wieder mal an etwas anderes denken kann. ». Noch während der Lehre qualifizierte er sich dafür.
Danach trainierte er während Übungswochen mit einem Coach, den ihm der Berufsverband zur Seite stellte. Bei seinemin Utzenstorf bereitete er sich auf den Wettkampf in Shanghai vor. Nach Feierabend und an den Wochenenden ging das Training zu Hause weiter. Er habe auf einiges verzichtet, kaum Ferien gemacht, sagt er.
«Zwischendurch traf ich trotzdem Freunde oder ging in den Ausgang. »Bereits als Kind mochte Matthias Steiner das Wetteifern. Mit seinen beiden Brüdern schaukelte er sich in kleinen Wettkämpfen hoch, in der Schule wollte er in jedem Test Klassenbester sein. Nun ist er Weltbester.
Dank seiner Massgenauigkeit: «Ich machte keinen Fehler. » Ein solcher wäre an der Weltmeisterschaft hart bestraft worden: Wäre er beim Rohrverlegen drei Millimeter danebengelegen, hätte die Jury nur die halbe Punktzahl vergeben. Wären es fünf Millimeter oder mehr gewesen, hätte das sämtliche Punkte gekostet. An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt.
Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen. Vier Tage lang musste Steiner sein Können beweisen. Er bog Rohre, lötete und presste sie zusammen. Anschliessend verlegte er sie für einen Waschtisch und ein Urinal, sodass sauberes Wasser zufliessen und schmutziges Wasser abfliessen konnte.
Einmal ging es darum, möglichst ökonomisch Elemente zu verbinden – also mit wenig Material, auf kleinem Raum. An diesen Tagen arbeitete er jeweils sechs Stunden mit eingeplanten Zvieri- und Znünipausen.
«Da gab mir mein Chef, der angereist war, jeweils Tipps mit. »Die Arbeit von Sanitärinstallateurinnen und -installateuren sieht man meist nicht, sie wird zugemauert und mit Platten überdeckt. In Shanghai richteten sich nun viele Augenpaare auf sein Werk: «Die Jury, die Gäste, aber auch mein Coach, meine Familie, mein Chef und seine Frau waren da. » Diese habe er während des Arbeitens jedoch nur zweimal kurz im Augenwinkel wahrgenommen.
Wie er den Fokus behält, lernte er unter anderem von einem Mentalcoach.
«Beim ersten Showtraining war ich schon nervös», sagt Steiner – während der Meisterschaft dank der Routine jedoch nicht mehr. Ob sein Sieg den Beruf des Sanitärinstallateurs wieder beliebter machen wird, ist schwer abzuschätzen.
«Aber vielleicht zeigt es manchen, dass man auch mit handwerklichen Berufen Welterfolg haben kann. »In Shanghai haben ihn die riesigen Dimensionen beeindruckt. Die 360’000 Quadratmeter Ausstellungsfläche. Die Eröffnungsfeier mit Tänzerinnen und Tänzern, Gesangseinlagen und neusten Robotern.
Und wie gut alles organisiert war. Steiner zieht nicht nur neues Können aus dieser Zeit, er knüpfte auch Freundschaften mit Mitgliedern des Swiss-Skills-Nationalteams. Darunter waren etwa eine Floristin, ein Karosseriespengler oder eine Bekleidungsgestalterin. Nach der Hochleistung in Shanghai ging er mit ihnen in Hongkong feiern.
«Manche waren zwar nicht so glücklich mit ihrem Resultat, konnten das beim ‹Feschtä› jedoch verdrängen und trotzdem stolz auf ihre Leistung sein. » Blickt Matthias Steiner auf die letzten zwei Jahre, bilanziert er: «Ich würde es wieder gleich, aber kein zweites Mal machen. » Jetzt freut er sich erst mal auf die Ferien – auch wenn es erst an Weihnachten so weit ist.schreibt mal über Verhütung bei Männern, mal über Nagelstudios, oft über Migration, Mental Health und gesellschaftspolitische Themen.
Sie ist Redaktorin im Ressort Region Bern. Ihre Ausbildung zur Journalistin machte sie am MAZ. Studiert hat sie Geschichte und Sozialanthropologie in Luzern und in Lille.
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