Der 24-Jährige ist nach Stationen beim HSC und bei Kriens-Luzern zurück in Aarau. Dort soll er als Nummer 1 wieder Selbstvertrauen und Spielpraxis sammeln.
Jannis Scheidiger entwickelte sich beim HSC Suhr Aarau zum Nationalkeeper. Der verdiente Wechsel zu Kriens - Luzern führte zuerst zur Enttäuschung, dann zum Meistertitel. Weshalb er nun aber trotzdem wieder zurück beim HSC ist.
Er ist zurück: Jannis Scheidiger steht in der aktuellen Saison wieder für den HSC im Tor – obschon er mit Kriens-Luzern Schweizer Meister wurde. Wir schreiben den 17. April 2025, als sich der HSC Suhr Aarau im Playoff-Viertelfinal gegen GC Amicitia Zürich mit zwei Toren in den letzten 20 Sekunden der zweiten Verlängerung dramatisch ins Penaltyschiessen rettet. Nach je drei Schützen führt der HSC 32:30.
Zu diesem Zeitpunkt hat Jannis Scheidiger im HSC-Tor bereits zwei Versuche von GC pariert, ehe er mit seinem dritten Save den Einzug in die Playoff-Halbfinals sichert – und sich zum Helden krönt. Ein historischer Moment für den Aargauer Handballklub, ebenso historisch und magisch für den damals 22‑Jährigen.
«Nach der Entscheidung habe ich unzählige Emotionen durchlebt», schildert Scheidiger, «von Freude zu Erleichterung und weiter zu ganz viel Stolz». Es war so etwas wie «der perfekte Abschied» nach vier Jahren beim Klub. Denn im darauffolgenden Sommer wechselte der talentierte Torhüter nach der verlorenen Halbfinal-Serie gegen Schaffhausen zum HC Kriens-Luzern. Etwas mehr als ein Jahr später, steht Scheidiger wieder da, wo sich im Jahr zuvor «ein Kreis geschlossen hatte».
Obwohl die Rückkehr als Schritt zurück gewichtet werden kann, ist sie das für Scheidiger nicht: «Eine weitere Saison auf der Bank in Luzern wäre am Ende der Schritt zurück gewesen. Für mich ist die Leihe zum HSC mehr ein persönlicher Schritt vorwärts, als einer rückwärts. »Nun ist er also zurück bei dem Verein, bei dem seine NLA-Karriere begonnen hatte. 2021 wechselte der Basler als 19-Jähriger von Birsfelden nach Aarau.
Über vier Jahre hinweg entwickelte sich der 1,93 Meter grosse Hüne zum Stammtorwart. Dazu verhalf ihm vor allem etwas: «Das Vertrauen in uns junge Spieler, das hat mir in meiner Entwicklung damals extrem geholfen. » Vertrauen, das ihm bereits in seinem ersten Jahr zu Genüge entgegengebracht wurde. Ursprünglich als Nummer 3 eingeplant, stand der Basler aufgrund unerwarteter Ausfälle der vor ihm postierten Keeper bereits im ersten Jahr im Playoff-Rampenlicht.
So begann seine HSC-Zeit mit einer Playoff-Halbfinal-Serie und endete vier Jahre später gleichermassen wieder mit einer solchen – das war also «der Kreis, der sich geschlossen hatte». Scheidiger etablierte sich in Aarau nicht nur in der höchsten Liga, sondern wurde auch zum Schweizer Nationalspieler. Im Januar 2023 debütierte er gegen Japan, mittlerweile stehen 23 Länderspiele sowie EM- und WM-Erfahrungen zu Buche.war Scheidigers verdienter Lohn für einen steilen Aufstieg. Ein Aufstieg, der da aber erstmals ins Stocken geriet.
«Ich habe meine Leistung nicht gebracht, mein Kontrahent dagegen schon», zeigt sich der 24-Jährige selbstkritisch. So sah er sich plötzlich als Nummer 2 auf der Bank Platz nehmend. Auf der Suche nach Spielzeit eröffnete sich nach dem definitiven Ligaerhalt des HSC die Möglichkeit, Kriens-Luzern per Leihe zu verlassen und in Aarau einen Neustart zu lancieren – eine Möglichkeit, die für alle Parteien als optimale Lösung angesehen wurde. Die Klarheit über das nächste Jahr beflügelte Scheidiger.
Zum Ende der Saison 2025/26 wurde er bei Kriens-Luzern in den Playoff-Finals gebraucht. Scheidiger spielte befreit auf und gewann mit den Innerschweizern den Meistertitel: «Die geklärte Zukunft gab mir viel Sicherheit. Wenn ich heute die Medaille anschaue, weiss ich, dass ich meinen Teil zum Gewinn beigetragen habe. » Kam der Entscheid zum Wechsel also doch zu früh?
Nein!
«Die letzten Auftritte machten nicht die ganze Saison wett, deshalb war der Wechsel trotz Einsätzen und Meistertitel richtig. » Einzig die verpasste Möglichkeit, Champions League zu spielen, wurmt ihn: «Aber ich bin noch jung, das war bestimmt nicht meine letzte Chance. »Heute ist Scheidiger beim HSC die klare Nummer 1 und bietet seinen Vorderleuten den sicheren Rückhalt.
«Ich bin hier, um als Leader die Mannschaft von hinten raus zu führen. » Ebenfalls soll der Betriebsökonomie- und Sportmanagement-Student in Aarau wieder Selbstvertrauen tanken und «den Spass am Handball wiedererwecken». Trotz des durchzogenen Saisonstarts mit vier Niederlagen aus sieben Spielen zeigt sich Scheidiger optimistisch: «Es sind Floskeln, aber diese Saison kann im Mittelfeld wirklich jeder jeden schlagen. Wenn es uns gelingt, konstant unsere Leistung abzurufen, können wir uns nach oben orientieren.
» Als Einordnung: Nach sieben Spieltagen hat sich das Spitzenduo Kriens-Luzern und Schaffhausen vorn abgesetzt. Dahinter trennt nur ein mickriger Punkt Platz 3 von Platz 9. Mit einem Sieg gegen den BSV Bern könnte bereits am Samstag der nächste Schritt nach oben gemacht werden. Nach einem harten Kampf gewinnt der HSC Suhr Aarau gegen Wacker Thun mit 28:27.
Mehrere Akteure holen sich ein gutes Zeugnis ab – allen voran Torhüter Jannis Scheidiger. Der 21-Jährige wagt den nächsten Karriereschritt und schliesst sich dem HC Kriens-Luzern an. Der Wechsel findet aber erst im Sommer 2025 statt. Mit grossen Vorschusslorbeeren verabschiedete sich Jannis Scheidiger vor der aktuellen Saison zum Top-Team Kriens-Luzern.
Doch in der Innerschweiz lief es nicht nach Plan. Weshalb es jetzt zu einer Rückkehr kommt. Copyright © Aargauer Zeitung. Alle Rechte vorbehalten.
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