Hitzeschutz in Schweizer Städten: Grüne Dächer und Fassaden als Kühlung

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Hitzeschutz in Schweizer Städten: Grüne Dächer und Fassaden als Kühlung
Stadtklima, Begrünung, Hitzeschutz

Schweizer Städte setzen zunehmend auf vertikale Begrünung und Dachbegrünung, um den urbanen Hitzeinseln entgegenzuwirken. Dabei spielen neben Pflanzenwahl auch innovative Doppelnutzungen wie die Kombination von Photovoltaik und Vegetation eine wichtige Rolle.

Zwischen Beton und Asphalt staut sich die Hitze. Schweiz er Städte haben dagegen mehr Mittel zur Hand, als der erste Blick vermuten lässt. Ein Überblick. Laut Forschung hängt die kühlende Wirkung von Grünflächen stark von der Pflanzenwahl ab.

Wer im Hochsommer durch ein dicht bebautes Quartier geht, spürt den Unterschied zum Umland bereits nach kurzem Fussmarsch. Beton und Asphalt speichern die Wärme des Tages und geben sie in der Nacht nur sehr langsam wieder ab. Schweizer Städte reagieren darauf mit zusätzlichen Pflanzungen, doch der Platz am Boden ist fast überall knapp. Genau deshalb rücken Flächen in den Fokus, an die bisher kaum jemand dachte.

Vertikale Begrünung sieht man oft in der Stadt. - Depositphotos Sie sind vergleichsweise günstig, brauchen kaum Technik und kommen nach der Anwachsphase mit wenig Pflege aus. Wandgebundene Systeme arbeiten dagegen mit Pflanzgefässen, Substratmatten oder KassettenAuf Flachdächern hat sich die Begrünung längst etabliert, in Basel und Zürich sogar mit rechtlicher Verankerung. Eine dünne Substratschicht trägt Moose, Sedum und Magerwiesenarten, die längere Trockenphasen ohne zusätzliche Bewässerung überstehen.

Intensive Begrünungen ermöglichen Sträucher, kleine Bäume und begehbare Dachgärten, verlangen aber mehr Statik und Unterhalt. Immer häufiger kombinieren Bauherrschaften Photovoltaik mit Begrünung. Solche Doppelnutzungen verbinden Energieproduktion und Nachhaltigkeit auf einer und derselben Fläche, ohne zusätzlichen Boden zu beanspruchen. Der Aufbau muss allerdings früh mitgeplant werden, denn nachträglich aufgebrachte Lasten sprengen bei älteren Gebäuden oft die Tragreserven.

Wie die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft 2025 zeigt, kühlen Stadtbäume auch bei extremer Hitze weiter. Das Team hatte gemeinsam mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Lausanne Sensoren an acht Platanen im Genfer Vorort Lancy angebracht. Der Wasserfluss in den Stämmen nahm bei Temperaturen von über 39 Grad nicht ab, sondern stieg entgegen den Erwartungen sogar an. Damit widerlegt die Messreihe eine früher verbreitete Annahme.

Und zwar dass Bäume ihre Blattporen bei rund 35 Grad weitgehend schliessen.zeigt allerdings, dass nicht jede Grünfläche gleich zuverlässig kühlt. Während extremer Hitze verlor Rasen seine Kühlwirkung in 71 Prozent und Ackerfläche in 82 Prozent der untersuchten Städte, Bäume dagegen nur in 25 Prozent. In der Schweiz bleibt der Kühleffekt laut den Forschenden meist erhalten, weil die Niederschlagsmengen ausreichen, und solche Befunde fliessen zunehmend in kommunale Konzepte für Klimaanpassung und Nachhaltigkeit ein.

Vertikale Systeme ersetzen keine Parks, sondern ergänzen sie an Orten, an denen kein Boden mehr frei liegt. Entsiegelte Plätze, Baumrigolen und offene Bodenschichten speichern Regenwasser und geben es bei Hitze langsam wieder an die Luft ab. Dieses Prinzip setzen mehrere Schweizer Gemeinden bereits bei ganz gewöhnlichen Strassensanierungen um. Auch schmale Streifen zählen, denn Baumscheiben, Vorgärten und Innenhöfe verbinden bestehende Grünräume.

Sie schaffen für Insekten und Vögel Trittsteine zwischen isolierten Flächen. Wer Nachhaltigkeit auf Quartierebene denkt, plant diese Verbindungen von Anfang an mit und nicht erst nach der Bauabnahme. Ein einzelner Baum bringt Schatten, ein Netz aus Grünflächen verändert dagegen das Mikroklima eines ganzen Strassenzugs. Der grösste Fehler bei Begrünungsprojekten liegt selten in der Pflanzung, sondern im vernachlässigten Unterhalt der ersten Jahre.

Wandgebundene Systeme fallen ohne Kontrolle der Bewässerung binnen weniger Wochen aus und hinterlassen braune Fassaden. Wer Nachhaltigkeit ernst nimmt, plant Pflege, Ersatzpflanzungen und Wasserbedarf deshalb bereits in der Projektphase verbindlich ein. Viele Städte und Kantone unterstützen private Bauherrschaften mit Förderbeiträgen, weshalb sich vor jedem grösseren Umbau ein Blick auf die Website der Wohngemeinde lohnt. Graue Städte sind das Ergebnis früherer Planungsentscheide.

Fassaden, Dächer, Höfe und Strassenränder ergeben zusammen eine beträchtliche Fläche für den schrittweisen Umbau.

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