In den USA scheiterte eine Hinrichtung spektakulär: Zwei Dosen Todesstrafe, und die Verurteilte lebt noch.
Viele US-Bundesstaaten haben einen Plan B in der Hinterhand, wenn das Vollstrecken der Todesstrafe nicht wie vorgesehen funktioniert. Doch auch der wirkt nicht immer – so wie zuletzt in Tennessee.
Die 27 US-Bundesstaaten mit Todesstrafe unterscheiden sich stark in ihren Notfallplänen. Idaho verfügt über besonders detaillierte Protokolle, inklusive bis zu drei voller Medikamentendosen.nicht wirkt. Doch auch der schlug in dieser Woche fehl, auch eine zweite Injektion tötete Pike nicht. Warum genau, das ist noch nicht geklärt.
Nach Angaben ihrer Anwälte könnte es aber vermutlich darauf zurückzuführen sein, dass das verabreichte Gift nicht oder nur zum Teil über die Vene in ihren Blutkreislauf gelangte. In den Vorgaben von Tennessee sind vorgesehen, dass eine zweite Dosis Pentobarbital verabreicht werden kann, wenn der oder die Verurteilte fünf Minuten nach der ersten Dosis noch am Leben ist. Weil Pike aber auch danach noch lebte, wurde die Hinrichtung abgebrochen. In 27 US-Bundesstaaten gibt es die Todesstrafe.
Nach Angaben der Organisation Death Penalty Information Center sind die Unterschiede in den einzelnen Staaten beträchtlich, wenn es um das Wie der Vollstreckung geht. Einige verfügen über umfassende Notfallpläne, andere nicht. Tennessee wird im Mittelfeld eingeordnet. In Alabama sieht das Protokoll drei Wirkstoffe vor.
Eine zusätzliche Dosis des ersten Wirkstoffs, eines Sedativums, kann verabreicht werden, falls der Häftling nach der ersten Dosis nicht bewusstlos ist. Es gibt jedoch keine zusätzlichen Anweisungen dafür, was zu tun ist, wenn der oder die Verurteilte nach der ersten Dosis der beiden folgenden Stoffe noch am Leben ist. Idaho hingegen verfügt über Notfallmassgaben für nahezu jeden Schritt des Hinrichtungsprozesses.
Dazu zählen Ersatz-Infusionsstellen, die Möglichkeit zur Verabreichung eines Infusionskatheters und sogar bis zu drei volle Dosen aus insgesamt vier zugelassenen Medikamentencocktails für die tödliche Injektion. Kürzlich erklärte der Bundesstaat Tod durch Erschiessen zur ersten Wahl seiner Hinrichtungsmethoden. Und auch wenn die Todesstrafe dort noch nicht so vollstreckt wurde, gibt es einen Plan B dafür: Die Gefängnisleitung kann innerhalb von zwei Minuten eine zweite Schusssalve anordnen.
Weil Hinrichtungen nicht nach Plan liefen, musste die Vollstreckung der Todesstrafe schon in einer Reihe von Fällen abgebrochen werden. In Idaho etwa gelang es 2024 auch in acht Versuchen nicht, dem Todeskandidaten einen funktionierenden intravenösen Zugang zu legen. 2014 wurde aus Arizona ein besonders tragischer Verlauf bekannt: Dem Todeskandidaten wurde die Medikamentenkombination 15 Mal verabreicht. Das Sterben zog sich über fast zwei Stunden hin. Vieles dringt nicht an die Öffentlichkeit.
Wer die Vollzugsbeamten sind, ist unter Verschluss, auch Details zur Beschaffung der Injektionslösungen werden nicht publiziert. In einigen Bundesstaaten bleibt auch das, was in der Hinrichtungskammer geschieht, im Verborgenen. Die meisten Staaten hingegen lassen einige wenige Medienvertreter zu, die im Namen der Öffentlichkeit die Hinrichtungen verfolgen können. Nur Indiana und Wyoming verbieten Pressevertretern ausdrücklich, anwesend zu sein.
In Wyoming allerdings wurde laut Death Penalty Information Center seit 1992 die Todesstrafe nicht mehr vollstreckt. Und aktuell sitzt dort auch niemand in der Todeszelle. In Tennessee, als Christa Pike nach der ersten Injektion noch lebte, schloss das Exekutionsteam die Vorhänge für die Beobachter, bevor die zweite Dosis verabreicht wurde. Als die Vorhänge wieder geöffnet wurden, gab Pike Schnarchgeräusche von sich und war eindeutig noch am Leben, wie die AP-Reporterin Kim Chandler berichtete, eine Vertreterin im Beobachterteam.
Fast zwei Stunden nach Beginn des Exekutionsversuchs wurden die Medienvertreter hinausgeleitet – und Pike ins Spital gebracht. Dort wurde sie nach Angaben ihrer Anwälte künstlich beatmet.
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