Die geplante Hightechzone in Würenlingen scheitert nicht mit dem Nein des Stimmvolks. Die Entwicklungsgesellschaft wurde neu besetzt und unter dem Namen Hightech-Zone Aargau AG weitergeführt. Vor einer möglichen Erschliessung ab 2029 stehen weitere Planungs- und Abstimmungsschritte.
Die Hightechzone in Würenlingen wird nach der Niederlage an der Urne neu aufgestellt. Das Vorhaben ist damit nicht beendet, doch die weitere Planung muss gründlicher vorbereitet und politisch breiter abgesichert werden.
Auslöser der Neuausrichtung ist das Nein des Würenlinger Stimmvolks im März zur Beteiligung der Gemeinde an der bisherigen Entwicklungsgesellschaft und zu einem verzinslichen Darlehen von 200'000 Franken. Die Abstimmungsentcheide zeigen, dass die Bevölkerung die Tragweite des Projekts ernst nimmt und mehr Transparenz über Nutzen, Finanzierung und langfristige Folgen erwartet. Die geplante Hightechzone soll im Gebiet Hochstross Ost entstehen, unmittelbar angrenzend an das bestehende Gewerbegebiet sowie in der Nähe des Paul Scherrer Instituts und des Parks Innovaare.
Ziele der Hightechzone und neue Arbeitsplätze
Dort sollen Unternehmen angesiedelt werden, deren Tätigkeit eng mit Forschung, Entwicklung und moderner Produktion verbunden ist. Mit der Kombination aus wissenschaftlicher Infrastruktur, Unterstützung für Start-ups und vorhandenen Industrieflächen will Würenlingen ein starkes Umfeld für innovative Branchen schaffen. Das angestrebte Ziel reicht weit über eine gewöhnliche Erweiterung eines Gewerbegebiets hinaus: Die Hightechzone soll bis zu 1200 neue Arbeitsplätze ermöglichen und Würenlingen als wichtigen Standort für Forschung und Hightech-Industrie im Aargau festigen. Die politische Führung der Entwicklungsgesellschaft hat sich bereits verändert.
Gemeindeammann Patrick Zimmermann von der FDP legte nach dem Abstimmungsergebnis sein Amt als Präsident des Verwaltungsrats nieder und schied auch aus diesem Gremium aus. An seine Stelle tritt Ständerat Thierry Burkart, ebenfalls FDP. Weitere Mitglieder des neu zusammengesetzten Verwaltungsrats sind Markus Bill, Samuel Egger, Enzo Granella, Patrick Hüppi, Alexander Makarenko und Joelle Zimmerli. Die Gemeinde betont, dass die Gesellschaft nun in veränderter Zusammensetzung weiterarbeiten und die kommenden Planungsschritte gemeinsam mit Kanton, Gemeinde und Bevölkerung abstimmen wird.
Die Entwicklungsgesellschaft bündelt die Interessen der rund zehn Grundeigentümer, die im Projektgebiet beteiligt sind. Zur Gruppe gehören neben privaten Eigentümerinnen und Eigentümern auch die Gemeinde Würenlingen. Alle profitieren gemäss dem geplanten Verteilungsmodell von den Flächen, die innerhalb der Hightechzone tatsächlich genutzt werden, und zwar im Verhältnis ihres jeweiligen Anteils. Der ursprüngliche Ansatz sah vor, dass sich die Gemeinde anfangs mit 55'000 Franken beteiligt und der Gemeinde ein Darlehen von 200'000 Franken für die ersten Umsetzungsschritte gewährt wird.
Neuer Name und veränderte Finanzierung
Diese Grundlage wurde durch die Urnenentscheide verändert. Die weitere Finanzierung und die Verantwortlichkeiten müssen deshalb neu geprüft werden, bevor verbindliche Projekte gestartet werden können. Die Gesellschaft firmiert neu unter dem Namen Hightech-Zone Aargau AG. Dieser Name soll verdeutlichen, dass das Vorhaben nicht nur für Würenlingen von Bedeutung ist, sondern eine überregional und kantonale Funktion erfüllen könnte.
Die Gemeinde beschreibt die geplante Ansiedlung als zukunftsorientierten Produktionsstandort für Hightech-Unternehmen mit nationaler und internationaler Ausrichtung. Besonders hervorgehoben wird die Nähe zum Paul Scherrer Institut als bedeutendem Forschungszentrum und zum Park Innovaare als Ort zur Förderung von Start-ups. Diese unmittelbare Nachbarschaft könnte Unternehmen zugutekommen, die wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in Produkte und neue Geschäftsmodelle überführen wollen. Zugleich soll die Hightechzone ein zentraler Baustein der Hightech-Strategie des Kantons Aargau und des Schweizerischen Innovationsparks sein.
Vor einer möglichen Erschliessung des Gebiets stehen noch mehrere entscheidende Planungsschritte an. Der Entwicklungsschwerpunkt Unteres Aaretal-PSI ist bereits seit 2015 im Richtplan verankert. Als nächster Schritt sollen Kanton und Gemeinde die Nutzungsplanung überarbeiten. Danach ist eine Mitwirkung vorgesehen, in der die betroffenen Stellen und die Öffentlichkeit eingebunden werden.
Zeitplan für die Umsetzung und Bauordnung
Die Gemeindeversammlung könnte voraussichtlich im Juni 2027 über eine notwendige Änderung der Bau- und Nutzungsordnung abstimmen. Zu diesem Zeitpunkt sollen auch klarer festgelegt sein, welche Unternehmen oder Nutzungsformen in die Hightechzone passen und wie die Fläche konkret genutzt werden soll. Ein Nein gegen diese Änderung würde das Projekt nach aktuellem Verständnis beendet. Würde die Anpassung der Planung angenommen, könnte die Erschliessung des Gebiets ab 2029 beginnen und Baugesuche eingereicht werden.
Die Umsetzung ist nicht als ein einziges grosses Bauvorhaben geplant, sondern soll in mehreren Etappen erfolgen. Erste realisierte Projekte werden frühestens 2030 erwartet. Ob sich genügend Unternehmen finden lassen, ob die erwarteten Arbeitsplätze tatsächlich entstehen und welchen Nutzen die Zone für die regionale Wirtschaft hat, wird sich erst im Laufe der Umsetzung zeigen. Die politischen und gesellschaftlichen Diskussionen über den Bedarf, die Kosten, die Transparenz und die langfristige Entwicklung von Würenlingen bleiben deshalb bestehen.
Die neue Aufstellung der Gesellschaft soll nun eine fundiertere Entscheidungsgrundlage schaffen und das Projekt langsamer, kontrollierter und stärker an den Bedürfnissen der Bevölkerung ausrichten.
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