Wer auf dem Biohof Fondli in Dietikon Gemüse will, muss mitanpacken. Hier bewirtschaften 600 Mitglieder gemeinsam 20 Hektaren Land und tragen zusammen, was Boden und Wetter hergeben.
Auf dem Biohof Fondli in Dietikon betreibt Ortoloco solidarische Landwirtschaft. In Genf gehört die in den Siebzigern gegründete Kooperative Les Jardins de Cocagne zu den ersten Konzepten von gemeinschaftlich getragener Landwirtschaft in Europa.
Wer von Dietikon Richtung Spreitenbach fährt, vorbei an Industriegebäuden, Wohnblocks und Beautysalons, merkt irgendwann: Zürich ist plötzlich in weiter Ferne. Statt dem Rauschen der Hauptstrasse hört man jetzt das Zwitschern der Spatzen. Hier, am Rande der Stadt und doch mitten im Grünen, liegt der Biohof Fondli. Was von weitem aussieht wie jeder andere Bauernhof in der Gegend, ist eher eine kleine landwirtschaftliche Revolution.
Ortoloco ist ein Gegenentwurf zum anonymen Konsum. Anders als in der herkömmlichen Landwirtschaft wird der Biohof als solidarische Landwirtschaft betrieben: Rund 600 Mitglieder beteiligen sich aktiv am Anbau ihrer eigenen Lebensmittel. Säen, ernten, verteilen – alles wird gemeinschaftlich organisiert. Abgepackt wird jeweils dienstags und donnerstags.
An diesem Dienstag füllen Maya und drei weitere Mitglieder gemeinsam Kartoffeln, Sellerie, Frühlingszwiebeln, Rhabarber und Salat in 124 bunte Taschen. Bevor es losgeht, wird die Ernte gewogen. So bekommt jeder gleich viel.
«Das Gemüse schmeckt frischer und knackiger», sagt Maya, die seit über zwölf Jahren Mitglied bei Ortoloco ist.an. Rosa Gonzalez ist eine der fünf fest angestellten Fachkräfte des Hof- und Gartenteams. Zusammen mit über 600 Mitgliedern bewirtschaften sie 20 Hektaren landwirtschaftliche Nutzfläche mit Ackerland, Weiden, einem Gemüse- und Obstgarten sowie einer Hektare Wald.
«Die Radieschenernte fällt in dieser Saison besonders gut aus», freut sie sich. Das Wetter war schön und die Nächte kühl. Das ist den kleinen, roten Knollen gut bekommen.
«Dieses Jahr haben die Schnecken unsere Radieschen verschont. Das ist aber oft Glückssache», weiss Rosa. Wenn die Ernte schlecht ausfällt, steht dem Betrieb dank der genossenschaftlichen Struktur trotzdem dasselbe Budget zur Verfügung.
«In anderen landwirtschaftlichen Betrieben tragen die Bäuerinnen das Risiko allein», sagt Tina Siegenthaler, eines der Gründungsmitglieder. Bei Ortoloco schultern alle gemeinsam, was der Boden und das Wetter hergibt. Ortoloco verfolgt den Anspruch, sozial, ökologisch und finanziell nachhaltig zu wirtschaften. Der biologische Anbau von Gemüse, Obst und Ackerkulturen ist bewusst vielfältig gehalten.
Das erfordert deutlich mehr Handarbeit als konventionelle Landwirtschaft. Auch die Mitglieder kennen das aus eigener Erfahrung: Die Mitarbeit auf dem Hof ist ein untrennbarer Teil des Konzepts und eröffnet einen ganz anderen Bezug zu den Lebensmitteln auf dem Teller. Foto: Stephanie GrubenmannAuch die Hühner werden von allen gemeinsam betreut. Ein Hofabo mit Gemüse und Obst kostet 90 Franken im Monat – auf den ersten Blick nicht wenig.
Doch der Vergleich mit dem Supermarkt hinkt, wie Tina Siegenthaler erklärt: «Es ist nicht ganz fair, die einzelnen Taschen herunterzubrechen. In unserem Budget stecken zum Beispiel auch das Sommerfest, das wir uns einfach gönnen, und die Genossenschaftsstruktur, also Dinge, die dafür sorgen, dass das hier überhaupt funktioniert. » Korrekt wäre also statt Preis eher Betriebsbeitrag. Wer dennoch vergleicht, landet in etwa bei einem Biowarenkorb aus dem Coop.
Mit dem Unterschied, dass man hier weiss, wer die Radieschen gepflanzt hat.
«Zusammen arbeiten, lernen und feiern ist bei Ortoloco ein genauso wichtiger Aspekt», sagt Tina Siegenthaler. Mit solidarischer Landwirtschaft ist Ortoloco noch nicht fertig.
«Wir wollen unabhängiger und ökologischer werden. Das heisst dort, wo es sinnvoll ist, Strukturen zu relokalisieren», sagt die studierte Umweltingenieurin. Getreide etwa wird heute noch an eine zentrale Sammelstelle abgegeben, und Ortoloco erhält das Äquivalent zurück. Auch Lagergemüse wie und Wurzelgemüse werden noch zugekauft.
Tina Siegenthaler sagt: «Oft vergisst man, dass es auch anders gehen kann. »Auch in der Westschweiz wächst das Konzept der solidarischen Landwirtschaft auf fruchtbarem Boden. Das schon seit den späten 70ern. In Genf gehört die Kooperative, auf Deutsch «Die Schlaraffenlandgärten», zu den ersten Konzepten von gemeinschaftlich getragener Landwirtschaft in Europa.
Die damaligen Ziele von Les Jardins de Cocagne sind bis heute unverändert geblieben. Es geht um faire Löhne, lebendige Böden, vergessene Sorten und die Frage, wer eigentlich entscheidet, was auf dem Teller landet.
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