Vor dem Gipfel von Donald Trump und Xi Jinping verlängern die USA und China ihren Handelsstreit-Waffenstillstand bis zum 10. Januar. Die Märkte reagieren nervös auf steigende Anleiherenditen.
Vor dem für Donnerstag geplanten Gipfeltreffen zwischen US-Präsident Donald Trump und dem chinesischen Staatschef Xi Jinping haben die beiden Wirtschaftsmächte ihren Waffenstillstand im Handelsstreit bis zum 10. Januar verlängert. Das erklärte US-Finanzminister Scott Bessent noch vor den Gesprächen, bei denen es um die Regulierung von Künstlicher Intelligenz, den Iran-Krieg und die Spannungen um Taiwan gehen soll.
Die Verlängerung fiel kürzer aus als von US-Vertretern im Vorfeld angedeutet, bietet jedoch mehr Zeit für eine längerfristige Einigung, schrieben Analysten. An den Märkten sorgte die Nachricht für gemischte Reaktionen, da die Unsicherheit über die weiteren Beziehungen zwischen Washington und Peking bestehen bleibt.
Verlängerung des Handelsstreit-Waffenstillstands
Die Vereinbarung sieht vor, dass die bestehenden Zölle und Handelsbeschränkungen bis zum 10. Januar unverändert bleiben. In dieser Zeit sollen weitere Verhandlungen über eine umfassende Lösung geführt werden. Beobachter werten die kurze Frist als Zeichen dafür, dass die Gespräche schwierig bleiben.
Die Anleger hatten im Vorfeld auf ein deutliches Signal für eine Entspannung gehofft. Nun bleibt die Unsicherheit bestehen, was sich auch an den Finanzmärkten zeigt. Der Schweizer Leitindex SMI gab am Donnerstagnachmittag um 0,2 Prozent auf 25'352 Punkte nach, nachdem er zwischenzeitlich bis zu ein Prozent verloren und die 100-Tage-Durchschnittslinie getestet hatte.
Steigende Anleiherenditen belasten die Märkte
Für zusätzlichen Druck sorgen stark gestiegene Renditen am US-Anleihemarkt. Die Rendite 30-jähriger US-Staatsanleihen erreichte den höchsten Stand seit 2004. Steigende Renditen machen Staatsanleihen attraktiver und könnten Kapital aus Aktien abziehen.
Der VIX-Index, der die Nervosität an den Märkten misst, stieg um 8,3 Prozent. Im Handelsverlauf über Nacht kletterte die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen um weitere 10 Basispunkte. John, Präsident der New Yorker Notenbank Fed, erklärte, die Ära der expliziten, sehr direkten Forward Guidance sei vorbei, und verwies auf gestiegene Erwartungen hinsichtlich der Realzinsen.
Händler schätzen die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung in den USA im kommenden Monat inzwischen auf 71 Prozent ein. Auch robuste Konjunkturdaten stützen die Zinssorgen. Die Schweizerische Nationalbank beliess ihren Leitzins wie erwartet bei null Prozent und erhöhte ihre Inflationsprognose nur leicht.
Technologiesektor zeigt sich uneinheitlich
Der technologielastige US-Leitindex wird eine Stunde vor Handelsbeginn knapp ein Prozent tiefer bei 30'177 Punkten erwartet, nachdem er am Dienstag noch ein Rekordhoch verbucht hatte. Die Gegenbewegung im Technologiesektor zeigt sich vorbörslich bei allen Mitgliedern der sogenannten Glorreichen Sieben.
Nach dem guten Lauf der vergangenen Tage, den Fantasie für den eigenen KI-Agenten Muse ausgelöst hatte, kam es bei einem Speicherplatzanbieter zu einer Verkaufsempfehlung. Der Experte Steven Enders argumentierte, dass die Aktien zu viel vorweggenommen haben für die Chancen, die mit der KI-Strategie verbunden sind. Vor einigen Tagen hatte der Kurs das höchste Niveau seit der Frühphase des Börsengangs im Jahr 2018 erreicht.
Bei MGM Resorts gibt es vorbörslich einen Rückschlag um zehn Prozent. Der bislang mit einem Minderheitsanteil beteiligte Medienkonzern People hat seine Übernahmeofferte für die restlichen Anteile an der Hotel- und Casinokette zurückgezogen. Ein bekannter Anbieter von Flash-Speichern und Datenmanagement-Lösungen überzeugte die Anleger mit seinem mittelfristigen Umsatzausblick für das Jahr 2028, der über den Erwartungen lag.
Die Aktien des Pharmakonzerns Lonza, der am Mittwoch stark zugesetzt hatte, setzen ihre Vortagesverluste fort. Am Mittwoch hatte sich der Ständerat für eine deutliche Verschärfung der Eigenmittelvorschriften für die Grossbank ausgesprochen.
Geopolitische Spannungen und Ölpreise
Die Warnung eines iranischen Vertreters, dass die geopolitische Lage im Nahen Osten weiter eskalieren und auf noch mehr Regionen übergreifen könnte, hatte die Märkte verunsichert. Die Ölpreise bleiben weiterhin hoch und belasten die Stimmung.
Die Spannungen um Taiwan und der Iran-Krieg stehen auch im Mittelpunkt des Gipfeltreffens zwischen Trump und Xi. Beide Themen könnten die ohnehin angespannten Handelsbeziehungen weiter belasten. Investoren blicken mit Spannung auf die Ergebnisse der Gespräche.
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