Seit über 100 Jahren faszinieren die roten Wasserfälle am Taylor-Gletscher. Jetzt haben Forschende ihre Herkunft entschlüsselt.
Das rote Wasser der Blutfälle soll Millionen von Jahren alt sein Seit über 100 Jahren faszinieren die roten Wasserfälle in der Antarktis. Nun wollen Forschende die Herkunft des Wassers entschlüsselt haben.dominiert normalerweise die Farbe Weiss.
Doch am Rand des Taylor-Gletschers bietet sich ein aussergewöhnlicher Anblick: Leuchtend rote Wasserfälle stürzen über die Klippe und ergiessen sich auf den zugefrorenen Bonneysee. Die sogenannten Blutfälle sind Forschenden zwar seit mehr als 100 Jahren bekannt, und auch die Ursache der Färbung – Eisenoxid – ist längst entschlüsselt. Doch woher dieses Wasser genau stammt und welche Mechanismen hinter dem Phänomen stecken, war lange Zeit umstritten.
An dieser Stelle finden Sie einen ergänzenden externen Inhalt. Falls Sie damit einverstanden sind, dass Cookies von externen Anbietern gesetzt und dadurch personenbezogene Daten an externe Anbieter übermittelt werden, können Sie alle Cookies zulassen und externe Inhalte direkt anzeigen. Nun liefert ein Forschungsteam um Angela Zoumplis von der University of California in San Diego entscheidende neue Erkenntnisse. In der Fachzeitschriftpublizierten die Forschenden die Ergebnisse einer gross angelegten Analyse, bei der sie 167 Proben der Blutfälle und der unmittelbaren Umgebung untersuchten.
Die Resultate stützen eine faszinierende These: Die Blutfälle werden aus einem verborgenen, uralten Salzwasserreservoir tief unter dem Gletscher gespeist. Die Forschenden gehen davon aus, dass vor Jahrmillionen – als der Meeresspiegel deutlich höher lag und die Pole weniger vereist waren – Meerwasser in ein beckenförmiges Tal im Landesinneren eindrang. Als das Klima abkühlte und der Meeresspiegel wieder sank, schob sich der gewaltige Taylor-Gletscher wie ein Deckel über dieses Tal und schloss das Meerwasser ein.
Während der sommerlichen Schmelzperiode bahnt sich dieses eingeschlossene Wasser seinen Weg an die Oberfläche und vermischt sich an den Blutfällen mit dem frischen Schmelzwasser des Gletschers. Den Beweis für diese Theorie fanden die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in den untersuchten Mikroorganismen. Durch genetische Analysen konnten sie zahlreiche Kleinstlebewesen wieDas Zusammentreffen von eisenreichem, salzigem Wasser aus der Tiefe und dem Süsswasser des Gletschers schafft einen stark schwankenden Lebensraum. Um in diesem Umfeld zu bestehen, haben die Organismen erstaunliche Anpassungsstrategien entwickelt.
Die Meereskieselalge kann beispielsweise von einem aktiven Zustand in ein Sporenstadium wechseln, in dem sie mindestens neun Monate lang überlebensfähig bleibt. Die neuen Erkenntnisse helfen nicht nur, das Rätsel der Blutfälle zu lösen, sondern zeigen auch, wie Klimaveränderungen in der Erdgeschichte heutige Ökosysteme geprägt haben. Nach Ansicht der Forschenden lassen sich daraus auch Rückschlüsse darauf ziehen, wie anfällig die Polarregionen für die künftigen Herausforderungen des Klimawandels sein könnten.
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