Für Stimmberechtigte im Ausland gilt E-Voting als Hoffnungsträger, bleibt aber umstritten.
Über 300 Schweizerinnen und Schweizer leben in Shanghai, rund 200 von ihnen sind in der Schweiz zum Abstimmen registriert. Allerdings erhalte ein grosser Teil das Stimmcouvert nicht rechtzeitig, damit es noch für den Rückversand reicht, sagt Daniel Heusser.
Er ist Delegierter für Schweizer Bürger in China im Auslandschweizerrat und ärgert sich: «De facto werden sehr viele Schweizer Bürger im Ausland ihres Stimmrechts beraubt, weil sie die Unterlagen zu spät oder gar nicht bekommen. » Darum hat Heusser eine Petition beim Schweizerischen Konsulat in Shanghai eingereicht. Die Schweiz solle sich dafür einsetzen, die Abstimmungsunterlagen schneller zuzustellen und E-Voting voranzutreiben. Von den 838’600 Schweizer Staatsangehörigen im Ausland ist knapp die Hälfte in einem Nachbarland der Schweiz niedergelassen.
Während der Versand des Stimmcouverts innerhalb der EU und der EFTA meist funktioniert, stösst die Abstimmungslogistik in weiter entfernten Ländern häufig an Grenzen. Für den Versand von der Schweiz zu den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern im Ausland und zurück sind nur fünf Wochen vorgesehen. In vielen Fällen reicht dieses Zeitfenster jedoch nicht aus, sodass die Stimmunterlagen verspätet eintreffen oder nicht rechtzeitig zurückgeschickt werden können. Ruf nach E-Voting So auch in Peru, wo über 2200 stimmberechtigte Schweizerinnen und Schweizer leben.
Hier kommen die Stimmcouverts sogar in der Hauptstadt Lima mehrheitlich zu spät, wie Frédéric Balet sagt, der Peru-Delegierte im Auslandschweizerrat. Er lebt seit sieben Jahren im südamerikanischen Land und erhält die Abstimmungsunterlagen in nur drei von zehn Fällen in nützlicher Frist. Das Thema stehe beim Auslandschweizerrat weit oben auf der Agenda. Und entsprechend auch der Wunsch nach einer breiten Einführung von E-Voting, dass die Teilnahme aus dem Ausland vereinfachen würde.
Mehrere Kantone testen E-Voting Derzeit haben sechs Kantone die Bewilligung des Bundesrats, das E-Voting-System der Schweizerischen Post einzusetzen. Mehrere Kantone haben entsprechende Pilotprojekte gestartet oder wieder aufgenommen. E-Voting in sechs Kantonen Box aufklappen Box zuklappen In den Kantonen St. Gallen und Thurgau ist das E-Voting-System der Schweizerischen Post seit 2023 im Einsatz, in Graubünden seit 2024. Im Kanton Luzern läuft seit diesem September ein Pilotprojekt für die nächsten zwei Jahre.
Neuenburg nimmt das E-Voting im kommenden November wieder auf. Auch Basel-Stadt hat eine Zulassung für elektronisches Abstimmen, setzt aber aufgrund einer Panne im März 2026 vorerst bis Ende Jahr aus. Auf der E‑Voting-Informationsplattform der Kantone gibt es weitere Informationen dazu, wer jeweils für die elektronische Stimmabgabe zugelassen ist. Bereits seit 2004 sammeln Bund und Kantone Erfahrung mit E‑Voting.
Mehrere Systeme wurden jedoch wegen Sicherheitslücken und Problemen beim Stimmgeheimnis bis 2019 eingestellt. Risiko Vertrauensverlust Während Auslandsschweizerinnen und -schweizer für eine breite Einführung des E-Votings plädieren, warnt der Verein «digitale Gesellschaft» vor möglichen Risiken. Diese liegen laut Anwalt Simon Schlauri unter anderem in der fehlenden Überprüfbarkeit. Beim Papiersystem seien Stimmauszählungen transparent und dezentral, weil Bürgerinnen und Bürger die Zählung vor Ort kontrollieren können.
Beim E-Voting hingegen müsse man einer zentralen technischen Infrastruktur vertrauen, die für die Öffentlichkeit kaum überprüfbar sei, was das Vertrauen in demokratische Abstimmungen gefährden könnte. Eine bessere Lösung für Auslandschweizer sieht der Verein darin, Abstimmungsunterlagen per Diplomatenpost an die jeweilige Botschaft zu versenden und von dort auch wieder zurückzuholen. Abstimmungsdossier Box aufklappen Box zuklappen Hier finden Sie News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 27. September 2026.
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