Das Norwegische Nobelkomitee verkündet am 9. Oktober den diesjährigen Friedensnobelpreis aus 287 Kandidaten. Neben der Internationalen Raumstation, dem Internationalen Strafgerichtshof, der Chirurgin Sara al-Sakka und Julia Nawalnaja gelten auch Aktivisten und Initiativen aus Sudan und der Ukraine als mögliche Preisträger. Die Würde der Raumfahrtbehörden würde erstmals eine Einrichtung im Weltall ehren. Zugleich sorgt die erneute Nominierung von US-Präsident Donald Trump für kontroverse Debatten.
Friedensnobelpreis könnte laut Experten erstmals ins Weltall gehen Am 9. Oktober gibt das Nobelkomitee die Wahl aus 287 Kandidaten bekannt. Neben der ISS gelten der Internationale Strafgerichtshof, Chirurgin Sara al-Sakka und Julia Nawalnaja als aussichtsreich.
US-Präsident Trump wurde erneut nominiert, gilt aber als höchst kontroverse Wahl. Unter den Kandidatinnen finden sich auch Chirurgin Sara al-Sakka und Julia Nawalnaja. Unter den Favoriten für den diesjährigen Friedensnobelpreis befindet sich ein wahrhaft abgehobener Kandidat. Die Rede ist nicht von irgendeinem Staatschef, sondern vonAus Sicht von einigen Experten wäre die Wahl nicht abwegig.
Es gibt allerdings auch irdische Anwärter mit guten Chancen – darunter Aktivisten und Initiativen in Ländern wie Sudan oder der Ukraine sowie zwei führende internationale Gerichte. Am 9. Oktober wird das Norwegische Nobelkomitee verkünden, wer dieses Jahr den Preis erhält, der zu den renommiertesten Auszeichnungen der Welt gehört. Insgesamt sind 287 Vorschläge eingereicht worden, bei gut einem Viertel davon handelt es sich um Organisationen.
Als wichtige Kriterien bei der Auswahl gelten die Beiträge der Kandidaten zu dauerhaften Friedenslösungen und zur Förderung von internationaler Brüderlichkeit. Schon oft wurden Menschen oder Institutionen geehrt, die sich weit abseits des Rampenlichts beharrlich für diese Ziele einsetzen. Das Peace Research Institute Oslo veröffentlicht jährlich eine Favoritenliste, die bei Spekulationen als wichtige Referenz herangezogen wird.
Haakon Gjerløw, der kommissarische Leiter des Instituts, bezeichnet die ISS – oder, genau genommen, die daran beteiligten Raumfahrtbehörden – als ein seltenes Symbol für globale Kooperation in einer Zeit, in der der Multilateralismus zerfalle und sich viele Länder verstärkt enger gefassten nationalen Interessen zuwenden würden. Donald Trump taucht auf dieser Liste nicht auf. Der US-Präsident macht kein Geheimnis daraus, dass er den Friedensnobelpreis gerne bekommen würde. Er wurde zwar erneut nominiert.
Aber eine Vergabe des Preises an ihn wäre noch mehr als in früheren Jahren eine kontroverse Entscheidung, nachdem er – gemeinsam mit Israel – im Februar einen Krieg gegen den Iran gestartet hat, der noch immer andauert. Auch derAuf der Liste des Osloer Instituts stehen neben der ISS der ukrainische Kinderrechtsaktivist Mykola Kuleba und die Organisation Save the Children, die sudanesische Nothilfeorganisation Emergency Response Rooms, die für Pressefreiheit eintretende Organisation Committee to Protect Journalists sowie der Internationale Gerichtshof und der Internationale Strafgerichtshof.
Der Internationale Strafgerichtshof hat in jüngerer Vergangenheit von vielen Seiten Lob für mutige Entscheidungen bekommen – etwa für seine Haftbefehle gegen den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu. Die Regierung von Trump dagegen kritisiert den Gerichtshof immer wieder scharf. US-Aussenminister Marco Rubio kündigte im Juli an, «die Bedrohung zu beseitigen», die vom IStGH für die Souveränität der USA ausgehe.
Die umstrittene Rolle von Trump in der Weltpolitik sowie im Umgang mit internationalen Institutionen hatte auch die Vergabe des Friedensnobelpreises im vergangenen Jahr nachträglich überschattet. Gjerløw sagt, dass die Herausforderung des Nobelkomitees dadurch grösser geworden sei, dass die Preisträgerin von 2025, dieDie weltpolitische Lage lässt den Einsatz von Menschen und Organisationen, die für Frieden eintreten, derweil wichtiger denn je erscheinen.
Denn es gibt aktuell so viele Kriege und Konflikte wie schon lange nicht mehr – im Sudan und in der Ukraine ebenso wie im Jemen und im Iran und in anderen Teilen des Nahen Ostens. Aus Sicht von Shawn Davies, einem Forscher des Uppsala Conflict Data Program, gibt es «zunehmende internationale Spannungen und Veränderungen in der globalen Sicherheitsordnung», die mit einer Aushöhlung der Bereitschaft der USA, internationale Regeln durchzusetzen, in Verbindung ständen.
Washington sei nicht mehr der Garant der Nachkriegsordnung, sondern in einigen Fällen sogar der Akteur, der diese verletze, sagt Davies. Dass ausgerechnet Trump den Friedensnobelpreis bekommen könnte, würden aktuell wohl nicht einmal mehr dessen eigene Anhänger glauben, fügt der Experte hinzu. Jody Williams, die 1997 gemeinsam mit der Internationalen Kampagne für das Verbot von Landminen den Friedensnobelpreis erhielt, sagt, sie hoffe auf eine Fortsetzung des Trends hin zu mehr Auszeichnungen für Frauen.
In der 125 Jahre langen Geschichte des Preises waren bisher nur 20 der 112 individuellen Preisträger weiblich. In den zurückliegenden 15 Jahren dagegen wurden acht Frauen und nur sechs Männer ausgezeichnet. Zu den Frauen, denen in diesem Jahr Chancen eingeräumt werden, zählen etwa Sara al-Sakka, eine Chirurgin aus dem Gazastreifen, und die Russin Julia Nawalnaja, Kreml-Kritikerin und Witwe von Alexej Nawalny.
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