Franz von Assisi: Seine Botschaft ist 800 Jahre nach seinem Tod aktueller denn je

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Franz von Assisi: Seine Botschaft ist 800 Jahre nach seinem Tod aktueller denn je
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Kapuziner Niklaus Kuster erklärt, warum der heilige Franziskus auch heute noch Gläubige, Politiker und Aktivistinnen und Aktivisten bewegt. Sein Leben und Wirken bietet Orientierung in Zeiten von Krieg, Hetze und gesellschaftlicher Spaltung.

Vom Playboy zum Heilige n: Was uns Franz von Assisi heute noch zu sagen hatVor 800 Jahren starb Franz von Assisi, und bis heute berufen sich Gläubige, Politiker und Aktivisten auf ihn.

Kapuziner Niklaus Kuster erklärt, warum der Heilige in Zeiten von Krieg und Hetze aktueller ist denn je. Vor 800 Jahren starb Franz von Assisi, und noch heute berufen sich Päpste, Politiker und Umweltbewegte auf ihn. Der Kapuziner Niklaus Kuster erklärt, was der Heilige uns in Zeiten von Krieg, Hetze und Spaltung zu sagen hat. Und jungen Männern, die Influencern wie Andrew Tate folgen, würde Franziskus sagen: Das wahre Glück findet sich auf Augenhöhe.

Partylöwe, Kriegsgefangener, Aussteiger und schliesslich einer der berühmtesten Heiligen der Welt: Vor 800 Jahren starb Franz von Assisi. Seinen Namen kennt fast jeder. Doch warum dieser Mann aus dem Mittelalter bis heute Gläubige wie unreligiöse Aktivist*innen bewegt, wissen die wenigsten. Dabei liest sich sein Leben wie ein Coming-of-Age-Drehbuch: 1181 kommt Franziskus als Sohn eines reichen Tuchhändlers in Assisi zur Welt.

Der junge Mann feiert, gibt das Geld mit vollen Händen aus und träumt von Ruhm, ein Playboy des Mittelalters. Dann zieht er in den Krieg gegen die Nachbarstadt Perugia, gerät in Gefangenschaft und kehrt krank und desillusioniert zurück. Es folgt der radikale Bruch. Vor den Augen des Bischofs legt Franziskus alle Kleider ab, sagt sich vom Vermögen seines Vaters los und wählt ein Leben in radikaler Armut.

Ausgerechnet das fasziniert junge Männer und Frauen aus gutem Hause. 1210 pilgert er mit zwölf Gefährten nach Rom und bittet den Papst, seine Gemeinschaft anzuerkennen. Wenige Jahre später ist aus dem kleinen Grüppchen eine Massenbewegung geworden. Sein Bann wirkt bis heute. 2013 wählte Jorge Mario Bergoglio als erster Papst überhaupt den Namen Franziskus. Und auch die Politik reisst sich um den Heiligen, von links bis rechts.

Die Rechtsregierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat den heutigen 4. Oktober eigens zum landesweiten Feiertag erklärt. Was aber hat uns Franziskus heute wirklich zu sagen? Wir haben bei Bruder Niklaus Kuster nachgefragt.

Der Schweizer Kapuziner gilt als einer der profiliertesten Kenner des Heiligen und hat zum 800. Todestag ein Buch über dessen Vermächtnis veröffentlicht. Bruder Niklaus, dieses Frühjahr standen Hunderttausende in Assisi an, um erstmals die Gebeine des Heiligen zu sehen. Was suchen die Menschen bei ihm?

Was jene 350'000 Pilgerinnen und Touristen suchten, die letzten Februar und März in die Grabeskirche strömten? Die Reaktionen spiegeln eine Vielfalt von Motiven und Emotionen, die von Neugierde bis zu Ehrfurcht und ergriffener Verehrung reichen. Nicht wenige, die den Hype über die Medien mitbekamen, waren irritiert und fragten sich, ob da ein Hauch mittelalterlichen Reliquienkults aufflammt. Ich war damals mit Ärztinnen und Ärzten in Assisi – und wir gingen nicht hin.

Denn Franz spricht durch sein Leben prophetisch ins Heute, nicht durch das, was von seinem Körper übrig bleibt. In seinem Buch geht Niklaus Kuster der Frage nach, warum Franz von Assisi seit acht Jahrhunderten so viele Menschen inspiriert und bis heute aktuell geblieben ist. Im Mittelpunkt stehen dabei die Schriften aus Franz' letzten Lebensjahren. Kuster stellt diese Texte vor und bringt sie mit den Herausforderungen unserer Gegenwart ins Gespräch.

Was sagt dieses Leben jemandem, der morgens Nachrichten über Kriege liest, von der Ukraine über Gaza bis zum Sudan, und sich ohnmächtig fühlt? Auch Franziskus erlebte Krieg und lebte in unruhigen Zeiten. Franziskus’ Friedensmissionen begannen in Italien kleinräumig und schlugen immer mutigere Brücken.

Er und seine Brüder verbanden zunächst Stadt und Land in Assisi, dann zerstrittene Parteien in mehreren Städten und verfeindete Rivalenstädte. 1217 reisten erste Expeditionen über das Mittelmeer nach Frankreich, Spanien, Tunesien und Syrien – in alle vier Himmelsrichtungen.

«Friede allen Menschen», an Weihnachten als Wunsch Gottes verkündet, liess die Brüder ihre Horizonte weiten und initiativ werden. Die Botschaft für uns? Nicht wegschauen, die Realität der Welt sehen – und Brücken bauen, im Kleinen wie im Grossen. Das beginnt schon im eigenen Alltag: mit meinem Einkaufsverhalten, meiner Wachheit für mein Gegenüber und meiner politischen Mitverantwortung an der Urne.

Brücken bauen ist schwierig in einer Zeit, in der in den sozialen Medien Empörung belohnt wird und Rassismus und Hetze salonfähig werden. Wie ging Franziskus mit solchen Reflexen um? Seine Offenheit für die islamische Welt zeigt ihn erstaunlich immun gegen die Hetze und das Kriegstreiben seiner eigenen Kirche im Fünften Kreuzzug. Was ihn leitete, waren das Vorbild Jesu und die Bergpredigt: «Selig die Gewaltlosen, die Friedfertigen, die Sanftmütigen.

» Franz entdeckte in seinem Wanderleben und in seinen Begegnungen, dass Gottes Geist überall wirkt und dass er Menschen unterschiedlichster Kultur und Religion zu Geschwistern macht – nicht nur Getaufte, sondern alle, denen Gott der himmlische Vater ist. Niemand kann Gott gefallen, der achtlos oder verächtlich an Menschen vorbeigeht. Gottesfreundschaft und Menschenliebe sind untrennbar verbunden. Mitten in diesem Kreuzzug ging Franziskus unbewaffnet zum vermeintlichen Feind, dem Sultan von Ägypten.

Heute scheinen manche Gräben unüberwindbar, etwa die Brandmauer gegenüber Rechtsextremen oder der Umgang mit Kriegsverbrechern. Kannte auch Franziskus Grenzen beim Brückenbauen? Franz hat den ersten grossen Bruch in seinem Leben vermutlich nie mehr überwinden können: den Bruch mit seinem Vater! Zu jedem gelungenen Brückenbau gehören zwei Seiten.

Verweigert sich die Gegenseite, gibt es keine Verbindung und keine verbindenden Schritte. Parteien, die ihr Profil durch Abgrenzung und Verteufelung der anderen schärfen, sind destruktiv und tragen nicht zu einer menschlicheren, friedlicheren und gerechteren Welt bei. Parteien, die auf Abgrenzung setzen, gewinnen derzeit in ganz Europa Wahlen. Und fast alle berufen sich auf Franziskus: Italien hat seinen Todestag mit breiter Mehrheit wieder zum Feiertag erklärt, auch mit Stimmen rechter Parteien.

Auch Umweltbewegungen feiern ihn als Ökoheiligen. Darf man Franziskus so vereinnahmen? Ich möchte mit einem Gedicht aus Assisi antworten. Es beginnt bei der Vereinnahmung durch die eigenen Brüder:Viele Farben tragen die Leute heute in deinem Namen …«Die Fussspuren Jesu,war mir das Mass, nicht Normen und nicht der Schein.

»Bevor er «Minderbruder» wurde, träumte der junge Franziskus von Ruhm und Ansehen. Heute versprechen Influencer der sogenannten Manosphere wie Andrew Tate jungen Männern Status und Dominanz – auch gegenüber Frauen. Was würde Franziskus einem jungen Mann sagen, der solchen Influencern folgt?

«Ich weiss aus eigener Erfahrung, was dich lockt! Doch Erfolg, Ansehen und Einfluss sind fragil. Dein Weg wird dich früher oder später ernüchtern, und er macht einsam. Das wahre Glück findet sich auf Augenhöhe.

Mein Herz erwachte in der Begegnung mit Menschen, die in unserer Gesellschaft ganz unten stehen und um ihre Existenz kämpfen. Ihnen verdanke ich eine Liebe, die Kreise zieht, immer tiefer und immer weiter. »Ich bin in diesen Wochen unermüdlich unterwegs und treffe an Vorträgen und Feiern Hunderte von Menschen.

In dieses Engagement hinein höre ich einen Wunsch und eine Bitte, die Franz in einem Rundbrief brüderlich an die «Lenker der Völker» und alle Menschen auf Erden richtet: «Ich wünsche euch Lebensfülle und Frieden und bitte euch in Ehrfurcht: Lasst nicht zu, dass ihr durch alltägliche Sorgen und alle Geschäfte, die euch beanspruchen, die Mitte verliert und Gott vergesst! »Der andere Papst – Franziskus ist tot

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