Ein Auftritt der UNO-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete sorgt für Kritik. Der Fall wirft Fragen zur Glaubwürdigkeit der Institution auf.
Der Fall der UNO-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete zeigt exemplarisch: Die Krise unserer Zeit ist in grossen Teilen eine Krise des Spitzenpersonals. Francesca Albanese ist UNO-Sonderberichterstatterin für die palästinensischen Gebiete.
Man dürfte deshalb erwarten, dass sie ein gewisses historisches Grundwissen besitzt. Doch Albanese erklärte diese Woche, Antisemitismus richte sich nicht nur gegen Juden, sondern gegen «semitische Völker» allgemein. Die Juden seien vor dem Zweiten Weltkrieg nur etwas zufällig die grösste Gruppe von Semiten, also Menschen aus dem Nahen Osten, in Europa gewesen – so habe sich der Hass der Nazis auf sie konzentriert. Albanese implizierte, dass Hitler und seine Horden die Vernichtung der Muslime ebenso vorantreiben wollten.
Sie hätten die Juden auf dem Weg in die Gaskammern sogar als «Muselmänner», Muslime, bezeichnet. Natürlich ist das Unsinn, und Albanese musste sich rasch entschuldigen mit dem Verweis, sie habe den Lagerbegriff «Muselmann» missverstanden. Doch das ist mehr als eine peinliche Bildungslücke. Albanese steht exemplarisch für ein politisches Milieu, das Spitzenämter besetzen will, ohne über die dafür angebrachte Kompetenz zu verfügen.
Wissenslücken macht man in diesen Kreisen mit Ideologie wett. Denn was Francesca Albanese offenbar besser kennt als Fakten zum Zweiten Weltkrieg, ist die Logik des Kulturkampfs. Albanese hat die Thesen von postmodernen Denkern wie Michel Foucault verstanden, der weiss, dass Sprache Macht ist. So erklärt sich ihr Versuch, den Begriff «Antisemitismus» neu zu definieren, sodass er in die eigene politische Erzählung passt.
Mit dieser Methode gesellt sich Albanese in eine illustre Gesellschaft von Demagogen wie Donald Trump, der auch ständig versucht, die Wirklichkeit mit Sprache zu manipulieren. KI heisst jetzt Superintelligenz, dasDass eine solche Figur heute weiterhin ein wichtiges UNO-Mandat bekleiden kann, ist ein Menetekel für die Welt. Im zunehmenden Chaos bräuchte es stärkere Institutionen als die UNO, um die Zivilisation zu verteidigen. Stattdessen werden sie von erschreckend ahnungslosem Führungspersonal auch noch von innen her niedergerissen.
Denn wie soll man der UNO noch glauben, wenn selbst ihre eigene Sonderberichterstatterin historische Fakten verdreht? Netanyahu will Regisseure ausbürgern, andere fordern die Todesstrafe – dieser Film wühlt Israel auf Der Film «Naza» zeigt Israels Kriegsführung im Gazastreifen. Nun geraten die Oscar-prämierten Filmemacher ins Visier der Regierung und der extremen Rechten. Erneut sorgen Genozid-Vorwürfe am Berliner Filmfestival für Aufregung.
Tricia Tuttle, die Direktorin, scheint von der Situation überfordert zu sein. Ob sie im Amt bleibt, ist noch unklar. Vereinte Nationen Copyright © Aargauer Zeitung. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Aargauer Zeitung ist nicht gestattet.
Gesellschaft Francesca Albanese Vereinte Nationen
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Hacker wirft FIFA-Präsident Infantino vor, Unregelmässigkeiten bei Manchester City gekannt zu habenNach dem Schuldspruch gegen Manchester City behauptet der Hacker Rui Pinto, dass FIFA-Präsident Gianni Infantino bereits seit 2014 von den Unregelmässigkeiten des Klubs Kenntnis hatte. Pinto wirft Infantino vor, dieses Wissen nicht genutzt und seine Macht missbraucht zu haben, was ihn zu einem Krebsgeschwür für den Fussball mache. Die Vorwürfe werden aktuell als unbewiesene Behauptungen eingeschätzt.
Weiterlesen »
Idee von personalisierbaren Autokennzeichen sorgt für LacherAus personalisierten Wunschnummernschildern für Autos wird in der Schweiz vorerst nichts. Der Ständerat hat eine entsprechende Motion abgelehnt. So weit, so unspektakulär. Die Debatte dazu sorgte aber für einige Lacher.
Weiterlesen »
Menschenrechte: UNO-Hochkommissar glaubt an Kraft der VeränderungDie UNO soll weltweit die Menschenrechte schützen. Doch nur ein kleiner Teil ihres Budgets fliesst in diesen Bereich. UNO-Hochkommissar Volker Türk sagt denn auch, das knappe Geld schwäche die Menschenrechtskommission. Er betont aber auch, die nötige Arbeit werde weiterhin geleistet.
Weiterlesen »
UNO-Menschenrechtschef Türk: Menschenrechte sind nicht selbstverständlichVolker Türk, UNO-Hochkommissar für Menschenrechte, warnt vor wachsender Aussichtslosigkeit und Kriegsmentalität. Er betont die konkrete Wirkung der Menschenrechte in Krisenzeiten und lobt die Schweiz als wichtigen Unterstützer multilateraler Organisationen trotz globaler Finanzprobleme.
Weiterlesen »
