Die von der bz – unüblicherweise – vorab zugesandten Fragen seien nicht zielführend, behauptet die Kantonspolizei Basel-Stadt. Chronologie eines medienpolitisch beispiellosen Vorgangs.
Die von der bz – unüblicherweise – vorab zugesandten Fragen seien nicht zielführend, behauptet die Kantonspolizei Basel-Stadt. Chronologie eines medienpolitisch beispiellosen Vorgangs. Die letzten zwei Jahre waren keine einfachen für die Kantonspolizei Basel-Stadt.
Ein externer Untersuchungsbericht von Staatsrechtsprofessor Markus Schefer warf hohe Wellen. Von Sexismus und Rassismus im Korps war die Rede. Der damalige Kommandant Martin Roth, der den Bericht in Auftrag gegeben hatte, musste seinen Hut nehmen und es folgten weitere personelle Wechsel. Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates nahm sich den aufgedeckten Missständen im Korps an und kam zum Schluss, dass die Polizei sich auf gutem Weg zur Besserung befinde, aber es noch viel Arbeit gebe.
Das war im Februar 2026. Der vor zwei Jahren ursprünglich ad Interim eingesetzte Kommandant Thomas Würgler äusserte sich bisher nur sehr selten öffentlich. Gerne hätte die bz deshalb mit Würgler über den Stand der Dinge im Basler Polizeikorps gesprochen – eine Zwischenbilanz gezogen und in die Zukunft geblickt. Folgende Ereignisse spielten sich daraufhin ab:hatte die bz erstmals angefragt für ein Interview mit Kommandant Thomas Würgler.
Es könne nicht per se ein Interview mit dem Kommandanten zugesagt werden, was denn die Themen seien? So lautete am selben Tag erstmals die Antwort der Medienstelle, nachdem die Anfrage telefonisch und danach schriftlich erfolgt war. Die bz nannte daraufhin grobe Themenvorschläge. Die Anfrage wurde von der Medienabteilung geprüft.
Aufgrund von Ferienabwesenheiten – auch auf der Redaktion – verzögerte sich eine erste Terminvereinbarung. Eine weitere Nachfrage erfolgte ammorgens aussehen würde? Die bz sagte zu, bot den Fotografen auf und antwortete, die Fragen und Themen würden bis am Tag davor der Medienstelle zugestellt. Die groben Fragen - in ausführlicherer Form, als das Usus ist - waren seitens bz wie angekündigt am 9.
September zugestellt worden. Amerfolgte auch die Nachfrage der bz, ob das Interview zustande komme. Es sei vergessen gegangen, es laufe gerade viel, hiess es darauf bei der Medienabteilung. Man melde sich mit neuen Terminvorschlägen.
Ein neuer Termin wurde vereinbart für denteilte die Medienstelle per Mail mit: «Wir haben das Interview ursprünglich zugesagt und die Anfrage intern positiv beurteilt. Nach eingehender Prüfung der eingereichten Fragen sind wir jedoch zum Schluss gekommen, dass ein Interview in der vorgesehenen Form nicht zielführend wäre. » Die Fragen würden aus Sicht der Polizei zeigen, «dass wesentliche Aspekte des Themas teilweise auf Annahmen beruhen, die den tatsächlichen Gegebenheiten nicht entsprechen, konkret beispielsweise die Fokussierung auf die Themen Schefer- und GPK-Bericht.
» Dazu gebe es seitens Kommandant nichts zu sagen, «weil er diese Berichte und deren Ursachen nicht verantwortet und die heutige Polizei an einem ganz anderen Ort steht. » Unter diesen Voraussetzungen bestünde ein grosser Teil des Gesprächs darin, zunächst Grundlagen und Missverständnisse zu klären. Die Ausgangslage für ein «inhaltlich gewinnbringendes Interview» sei derzeit nicht gegeben. Und weiter: «Wir verzichten daher auf die Durchführung des Interviews.
» Zu einzelnen konkreten Sachverhalten könnten schriftliche Fragen zugestellt werden.
«Wir werden diese selbstverständlich prüfen und nach Möglichkeit beantworten», so die Antwort der Medienstelle. Leben Sie nun in Basel? Was hat sich – Stand heute - seit öffentlich werden des Schefer-Berichts effektiv verändert in der Kantonspolizei Basel-Stadt? Wie stehen Sie zum vieldiskutieren Schefer-Bericht?
Hätten Sie diesen ebenfalls so in Auftrag gegeben? Kürzlich haben sie die erfolgreiche Reorganisation der Kantonspolizei BS vermeldet. 2025 sei ein Jahr des Umbruchs, heisst es. Wie sieht der genannte kulturelle Wandel konkret aus? Der Reos-Bericht zeigt auch diverse Ansätze für die Weiterführung von bereits getroffenen Massnahmen und Weiterentwicklungen auf.
Wie sehen diese aus? Der GPK-Bericht bestätigte vieles aus dem Schefer-Bericht. Wie lange wird es dauern, bis die genannten Missstände vollumfänglich behoben sind? Wie sehen Sie der Abstimmung über die Anti-Chaoten-Initiative der SVP entgegen?
Am Demo-Samstag vom 29. August ging die Kantonspolizei – wie angekündigt – härter vor als bei vergangenen Demonstrationen der Pro-Palestine-Bewegung. Ist das der neue Kurs bei Demonstrationen? Ein weiteres grosses Projekt ist die Integration der Kriminalpolizei in die Kantonspolizei.
Wie ist da der Stand der Dinge? Gemäss unseren Informationen steht bei der Kriminalpolizei ebenfalls eine grosse Pensionierungswelle an. Stimmt es, dass diese rund ein Dittel der Kripo betrifft, das dann fehlen wird? Grossrat Hochuli fordert die Verstärkung der Fachgruppe Menschenhandel.
Was können Sie dazu sagen? Die Fragen wären noch überarbeitet und ergänzt worden. Jeder Interviewpartner hat jeweils die Möglichkeit, seine Antworten vor Veröffentlichung gegenzulesen und das Recht, sich einer Antwort zu enthalten. Aus journalistischer Sicht ist das Interview die fairste Form, jemanden öffentlich zu Wort kommen zu lassen.
Weil die bz in der Vergangenheit auch immer wieder auf seriöse und abgesicherte Quellen beruhende Kritik an der Führung der Kantonspolizei geäussert hatte, wählte die Redaktion bewusst die Interview-Form. Die Kantonspolizei Basel-Stadt hatte mit einem grossen Führungs- und Strukturproblem zu kämpfen. Dies bestätigt der Bericht der Geschäftsprüfungskommission des Basler Grossen Rates. Vernichtete Protokolle, Verstoss gegen Vergabevorschriften und Entlassungen ohne Verfehlungen.
Die Geschäftsprüfungskommission des Grossen Rates stellt den folgenschweren Bericht über die Zustände bei der Basler Polizei in Frage. Im Interview spricht die Basler Justizdirektorin über die Vorwürfe der Geschäftsprüfungskommission wegen der Trennung vom Kommandanten und des Berichts Schefer. Copyright © bz Basel. Alle Rechte vorbehalten.
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