«Gewisse Niederschlags- und Temperaturmuster kehren sich in El-Niño-Jahren um», sagt SRF-Meteorologe Gaudenz Flury. Es wird also Orte auf der Erde geben, an denen es aussergewöhnlich nass wird und solche, die mit extremer Trockenheit und hohen Temperaturen kämpfen müssen.
Worum geht es? Der diesjährige starke «El Niño» und die damit verbundene Rekordhitze sowie schwere Dürren und schwindende Wasservorräte könnten laut einem Forschungsbericht bis Ende Februar 2027 weltweit zu fast einer halben Million zusätzlichen Todesfällen führen.
Die Warnung des Climate Impact Lab der Universität Chicago besagt, dass zwischen Juni 2026 und Ende Februar 2027 bis zu 451'000 zusätzliche hitzebedingte Todesfälle auf «El Niño» zurückzuführen sein könnten – im Vergleich zu den in einem typischen Jahr zu erwartenden hitzebedingten Todesfällen. Warum man von einem Super-El-Niño spricht Box aufklappen Box zuklappen Erklärung von Gaudenz Flury, SRF Meteo: «El Niño» ist ein natürliches Klimaphänomen, das alle zwei bis sieben Jahre vorkommt.
Die Passatwinde im tropischen Pazifik zwischen Australien und Südamerika blasen normalerweise das warme Oberflächenwasser von Südamerika Richtung Australien. Wenn jetzt diese Passatwinde schwächer werden, dann bleibt das warme Oberflächenwasser vor Südamerika liegen und verhindert darum, dass kühles Wasser von unten wieder aufsteigen kann.
«El Niño» wird deswegen über die Abweichung der Meeresoberflächentemperatur in dieser Region definiert. Ab 0.5 Grad Abweichung spricht man schon von einem «El Niño». Bei zwei Grad Abweichung spricht man von einem sehr starken «El Niño». Wie stark treibt der aktuelle Super-El-Niño die Temperaturen in die Höhe?
«‹El Niño› ist ein natürliches Klimaphänomen, das alle zwei bis sieben Jahre vorkommt», sagt Meteorologe Gaudenz Flury. Gemäss Flury kann «El Niño» wie ein Verstärker für die ohnehin spürbaren Folgen des Klimawandels, etwa extreme Regenfälle oder Dürren wirken. Die Forschenden vom Climate Impact Lab geben in ihrem Bericht an, dass die globalen Landtemperaturen während dieses El-Niño-Ereignisses um etwa 1.2 Grad Celsius höher ausfallen könnten, was zu 44 Prozent mehr extrem heissen Tagen führen würde als in einem normalen Jahr.
Welche Regionen sind am stärksten betroffen? Die Ergebnisse zeigten, so Michael Greenstone, Mitbegründer der Forschungsgruppe und Mitautor der Studie, dass Hitze an Orten am gefährlichsten sei, die ohnehin schon heiss und weniger wohlhabend seien.
«Wenn man sich ohnehin schon an einem heissen Ort befindet, sind diese zusätzlichen paar Grad viel gefährlicher», sagt Greenstone. Wohlhabendere Orte verfügten in der Regel über einen besseren Zugang zu Klimaanlagen, einer zuverlässigen Wasserversorgung und funktionierenden Gesundheitssystemen. Was können wir aus dem aktuellen Super-El-Niño lernen? Dem Bericht zufolge könnten diese Temperaturanstiege Bedingungen widerspiegeln, die durch den Klimawandel in etwa 20 Jahren zur Normalität werden könnten.
Wie wurde gemessen? Box aufklappen Box zuklappen Die Studie verglich saisonale Temperaturprognosen mit lokalen Schätzungen darauf, wie sich hohe Temperaturen auf die Sterblichkeit in mehr als 24'000 Regionen weltweit auswirken. Die Forscher schätzten die zusätzlichen hitzebedingten Todesfälle, indem sie die zu erwartenden Todesfälle bei durch«El Niño» bedingten hohen Temperaturen mit den zu erwartenden Todesfällen verglichen, wenn die Temperaturen auf dem Niveau der letzten drei Jahrzehnte geblieben wären.
Die prognostizierten Todesfälle beziehen sich auf den gesamten El-Niño-Zeitraum von Juni 2026 bis Ende Februar 2027. Deshalb könnte dieses El-Niño-Phänomen einen Vorgeschmack darauf geben, was uns bevorsteht, wenn sich der Planet weiter erwärmt, heisst es in dem Bericht. Es sei zudem eine Gelegenheit für Entscheidungsträger, «genau zu erkennen, wo jetzt Sofortmassnahmen ergriffen werden können, um Zehntausende Menschenleben zu retten», so die Forschenden. Was kann man tun?
Laut dem Bericht gibt es empfohlene Massnahmen, die Regierungen ergreifen können. Dazu gehören Hitzewarnsysteme, Kühlzentren, Trinkwasserstationen, Schutzmassnahmen für im Freien arbeitende Menschen, erweiterte Spitalkapazitäten sowie gezielte Hilfsangebote für ältere Menschen und andere gefährdete Gruppen. Die Autoren fordern zudem eine sogenannte vorausschauende Finanzierung, damit Regierungen bereits vor dem Eintreten gefährlicher Hitzespitzen Ressourcen bereitstellen können.
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