Mit neuem Trainerstaff und vielen jungen Spielerinnen bleibt der Start schwierig. Co-Präsident Willy Wenger spricht trotzdem von Geduld und klarer Entwicklung.
Die FC Aarau Frauen sind mit einem neuen Trainerstaff und einem stark verjüngten Team in die Saison gestartet. Trotz ausbleibender Resultate halten die Verantwortlichen am eingeschlagenen Weg fest – und verfolgen dabei einen klaren Plan.
Neue Saison, neuer Trainerstaff und viele neue Spielerinnen im Team – doch wie bereits in der vergangenen Saison gibt es mit Blick auf die Tabelle Sorgenfalten bei den FC Aarau Frauen. Nur ein Punkt steht nach sieben Runden auf dem Konto. Zum Vergleich: Vor einem Jahr waren es zum selben Zeitpunkt deren zwei.
Läuten also beim Super-League-Schlusslicht, das sich nach der vergangenen Saison von Trainer und Feuerwehrmann Jürgen Seeberger getrennt und mit Eduardo Barrera ein neues Kapitel aufgeschlagen hat, die Alarmglocken? Darauf hat Co-Präsident Willy Wenger eine klare Antwort: «Nein, wir glauben an den neuen Weg, den wir eingeschlagen haben, und wir geben dem neuen Trainerstaff Zeit, um die Ideen umzusetzen. » Dennoch macht die Vereinsführung deutlich: «Mit den Resultaten sind wir aktuell nicht zufrieden.
» Die Punktausbeute lässt vermuten, dass sich die Aarauerinnen in den letzten Monaten kaum weiterentwickelt haben. Doch diese Analyse wäre zu einfach. Unter Trainer Eduardo Barrera spielen die FCA-Frauen neuerdings einen mutigen, ballorientierten Fussball, kombiniert mit frechem Pressing. Eigentlich ein Spielstil, der ein gewisses Mass an individueller Qualität und Erfahrung verlangt.
Der Aargauer Super-League-Klub, der in den vergangenen Jahren meist auf Rang 8 landete und damit jeweils knapp die Playoffs erreichte, verlor in diesem Sommer durch zahlreiche Abgänge jedoch einiges an Routine und füllte das Kader mehrheitlich mit Nachwuchsspielerinnen aus den eigenen Reihen und von anderen Klubs auf. Sieben der neun Neuzugänge kamen direkt aus der U20-Stufe. Will heissen: mutiger Fussball, aber ein unerfahrenes Team. Das führte bislang dazu, dass Barreras Equipe viel Lehrgeld bezahlen musste.
Individuelle Fehler im Aufbauspiel wurden eiskalt bestraft. Bestes Beispiel dafür ist die 0:8-Heimklatsche gegen den FCZ, als die Aarauerinnen innerhalb von 15 Minuten sechs Gegentore kassierten. Der neue Trainer ordnet ein: «So etwas ist bitter. Wir konnten zwei Drittel des Spiels gegen einen sehr guten Gegner mithalten und stehen am Ende trotzdem mit einer bösen Klatsche da.
Dabei haben wir nur für kurze Zeit den Faden verloren. Aber wir lernen aus solchen Erfahrungen. » So stellt sich aber auch die Frage: Ist der Wechsel der Spielkultur beim FCA nicht einfach blauäugig? Edi Barrera sieht das anders: «Wir können mit unserem ballorientierten Spielstil jeden Gegner unter Druck setzen.
Wenn es uns gelingt, die individuellen Fehler zu reduzieren, dann bin ich überzeugt, dass sich der Mut in der Rückrunde bezahlt machen wird. » Der 53-jährige Trainer, der im Frühling noch beim Männerteam des FC Baden an der Seitenlinie stand, ist also mit einem klaren Plan nach Aarau gekommen. Dabei hat er nicht nur seinen Assistenten Daniel Sousa mitgebracht, sondern auch Jürg «Gügs» Widmer, der inzwischen als Technischer Leiter mitwirkt.
Die Vision von Barrera und Widmer: ein klares Konzept, das in den einzelnen Nachwuchsstufen bis hin zum Super-League-Team von allen Trainern umgesetzt wird.
«Die Spielerinnen lernen im Nachwuchs, das Spiel mit dem Ball zu gestalten. Dann kann es nicht sein, dass sie in die Super League kommen und nur noch lange Bälle schlagen müssen. So kann sich niemand entwickeln. Genau da wollen wir nun den Hebel ansetzen», sagt Barrera.
Zur Wahrheit gehört aber auch: Die FC Aarau Frauen, auch bekannt als «Red Boots», sind gezwungen, stark auf den eigenen Nachwuchs zu setzen. Mit einem überschaubaren Budget, das im Männerfussball wohl lediglich für Amateurfussball in der 1. Liga reichen würde, und einer Infrastruktur im Aarauer Schachen, die in jeder Hinsicht zu wünschen übrig lässt, sind Transfers von renommierten Spielerinnen kaum zu realisieren.
Vor ein paar Wochen lagen zwar zwei unterschriftsreife Verträge für Routiniers aus dem Ausland vor, unterzeichnet wurden sie allerdings nie. Wie zu hören ist, soll die Infrastruktur das Killerkriterium gewesen sein. Ohnehin stellt sich bei den FCA-Frauen die Frage, wo Investitionen ins Fanionteam am meisten Sinn ergeben. Unterschiedsspielerinnen wie beispielsweise Vanesa Hoti können nur mit entsprechenden Anreizen angelockt und gehalten werden.
Co-Präsident Wenger ist sich sicher: «Wir brauchen in jeder Linie eine individuelle Verstärkung, damit wir uns in der Liga halten können. Nur mit Nachwuchstalenten geht es nicht. » Unterschiedsspielerinnen verursachen Kosten. Kosten, die womöglich Investitionen an anderen Orten verhindern.
Denn auch bei den Basics mangelt es. Beispiele: Die Trikots der Spielerinnen sind bereits seit mehreren Saisons im Einsatz. Auswärtsreisen müssen oft mit dem Privatauto absolviert werden.
Zudem fehlt Personal, das sich um Bereiche wie Physiotherapie, Material und Ernährung kümmert. Und dann ist da noch das Thema Nachwuchsstruktur. Die FCA-Frauen standen zwar in der vergangenen Saison mit ihrer U20 im Halbfinal und haben sich über die Jahre einen guten Ruf erarbeitet. Doch das volle Potenzial des Kantons wird noch längst nicht ausgeschöpft.
So fehlt derzeit der Anschluss an den östlichen Teil des Kantons, ein Stützpunkt für junge Talente ist dort nicht vorhanden. Auch hier müsste der Verein seine Strukturen weiter ausbauen, um die Nachwuchsarbeit nachhaltiger aufzustellen. Es warten also viele Baustellen auf Cheftrainer Barrera und Widmer, der vor allem im Nachwuchsbereich frischen Wind hineinbringen will. Gelingt Barrera mit diesem unerfahrenen – und vergleichsweise kostengünstigen – Team der Klassenerhalt und die Playoff-Teilnahme, wäre dies ein erster grosser Schritt in eine nachhaltigere Zukunft.
Während die Women’s Super League Talente fördern soll, dominieren bei den Topklubs ausländische Profis. Für Schweizer Talente bleibt kaum Platz. Mit ein Grund dafür ist das Regelwerk. Die Red Boots bieten YB im Schachen lange die Stirn, müssen sich aber am Schluss mit 1:2 geschlagen geben.
Die Enttäuschung ist gross – vor allem auch, weil zwei Aarauerinnen ein besonderes Jubiläum mit dem Klub feierten. Die Red Boots geraten im Cup gegen den Zweitligisten aus Genf früh in Rückstand. Danach drehen die überlegenen Aarauerinnen die Partie und gewinnen 5:1. Der Erfolg kommt vor einem wichtigen Meisterschaftsspiel zur richtigen Zeit.
Copyright © Aargauer Zeitung. Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Aargauer Zeitung ist nicht gestattet.
Fussball Red Boots Aarau FC Aarau Christian Boss Kanton Aargau Aarau
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Schlossmühle Aarau: Hier sind die Bilder zum 50-Jahre-Jubiläum50 Jahre Schlossmühle Aarau: Das wurde kürzlich mit einem Festakt und einem spannenden Programm für die Besuchenden gebührend gefeiert.
Weiterlesen »
Aarau: Einwohner wollen weniger Parkplätze und mehr Grün in der LaurenzenvorstadtAarauer Einwohnende wollen an der Laurenzenvorstadt Parkplätze aufheben lassen. Das Anliegen ist bei der Stadt eingereicht worden.
Weiterlesen »
HSC Suhr Aarau holt sich mit Scheidiger den Rückhalt zurückDer 24-Jährige ist nach Stationen beim HSC und bei Kriens-Luzern zurück in Aarau. Dort soll er als Nummer 1 wieder Selbstvertrauen und Spielpraxis sammeln.
Weiterlesen »
YB: Zesiger und Jenz sind wieder fit – Conte gibt Debüt in AarauYB bezwingt den FC Aarau in einem Testspiel 2:1, Virginius und Lauper treffen. Zwei Verteidiger feiern ihr Comeback – ein Stürmer gar das langersehnte Debüt.
Weiterlesen »
