Fachkräftemangel in der Pflege: Q&A zu Ausbildung, Lohn und Kontrolle

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Fachkräftemangel in der Pflege: Q&A zu Ausbildung, Lohn und Kontrolle
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Fachkräftemangel in der Pflege: 23 Absagen für FaGe-Ausbildung, Lohnunterschiede zwischen Spital und Spitex sowie Kontrollen bei Senevita im Fokus.

In der Schweiz bleibt der Fachkräftemangel in der Pflege akut. In einem Q&A-Protokoll diskutierten Christine Müller von Müller Wegbegleitung, Brigitte Hofer vom Bundesamt für Gesundheit, Yvonne Ribi vom SBK und Anika Brunner vom Alterszentrum Breitlen über Ausbildung, Löhne und Missstände. Auslöser war die Erfahrung einer Mitte-20-Jährigen, die Ende 2025 aus dem Ausland zuzog und trotz guter Deutschkenntnisse und langjähriger medizinischer Erfahrung 23 Bewerbungen für eine FaGe-Ausbildung einreichte, aber kein einziges Vorstellungsgespräch erhielt.

Fachkräftemangel und Ausbildungskapazität

Anika Brunner erklärt den Widerspruch: Zwischen Fachkräftemangel und Ausbildungskapazität müsse unterschieden werden. Eine FaGe-Lernende sei zunächst keine zusätzliche Fachkraft, sondern benötige Berufsbildner, Begleitung und Zeit. Gerade Institutionen unter Personaldruck hätten oft zu wenig Ressourcen, um zusätzliche Lernende auszubilden. Das sei ein echtes Dilemma: Mehr Nachwuchs werde gebraucht, gleichzeitig fehlten die Fachpersonen, die ausbilden können.

Bei Personen mit ausländischem Studium rät Brunner, prüfen zu lassen, ob die FaGe-Ausbildung der richtige Weg ist. Je nach medizinischer Vorbildung kämen Anerkennung, Anrechnung von Vorleistungen oder ein anderer Ausbildungsweg für Erwachsene infrage. 23 Absagen ohne ein einziges Gespräch findet sie auffällig. Sie empfiehlt, Bewerbungsunterlagen, Aufenthalts- und Arbeitsbewilligung sowie die Anerkennung der Ausbildung mit einer Berufsberatung oder Fachstelle zu überprüfen und bei Betrieben direkt nach dem Absagegrund zu fragen.

Für Brunner zeigt das Beispiel: Gegen den Fachkräftemangel reicht es nicht, mehr Menschen für Gesundheitsberufe gewinnen zu wollen. Es brauche genügend Ausbildungsplätze, Berufsbildner und Ressourcen, damit motivierte Quereinsteigende eine Chance erhalten.

Lohnunterschiede zwischen Spital und Spitex

Eine dipl. Pflegefachfrau HF aus dem Kanton Bern berichtet von massiven Lohnunterschieden zwischen Spital und Spitex. Bei verschiedenen Spitexorganisationen seien die Grundlöhne 15 bis 20 Prozent tiefer. Sie müsste fast 100 Prozent in der Spitex arbeiten, um den Grundlohn zu erhalten, den sie mit 80 Prozent Pensum im Spital verdient. Sie fragt, warum die ambulante Pflege nicht besser entlöhnt wird, obwohl sie die stationäre Pflege entlastet, indem Patienten länger zuhause bleiben können.

Christine Müller bestätigt: Die ambulante Pflege werde zu schlecht entschädigt. Auch dass Wegzeiten nicht bezahlt werden, mache es herausfordernd, eine Spitex betriebswirtschaftlich zu führen. In einer Spitzenorganisation seien im Durchschnitt nur etwa 50 Prozent der geleisteten Stunden einer Pflegeperson verrechenbar. Deshalb müssten die Gemeinden unterstützen. Wie hoch dieser Anteil sei, unterscheide sich je nach Region. Müller fragt, was die Bevölkerung bereit sei zu tragen, da weder Steuererhöhungen noch Krankenkassenprämienanstiege gewünscht seien. Sie empfiehlt, Vor- und Nachteile stationärer versus ambulanter Pflege abzuwägen. Im ambulanten Bereich bestehe auch die Möglichkeit, freiberuflich zu arbeiten.

Kontrollen und Missstände bei Pflegeunternehmen

Ein Pflegeaktivist und Regiovertreter Nordwestschweiz UNIA Pflege, der 30 Jahre in der Pflege tätig war, kritisiert Senevita. Das börsennotierte Unternehmen in Belgien komme immer wieder wegen falscher Abrechnung und schlechter Arbeitsbedingungen in die Schlagzeilen. Der Pflegewegweiser erhöhe die Krankenkassenprämien, Nationalrat Hässig habe Motionen eingereicht. Der Aktivist fragt, wo Kontrollen und Bussen bleiben, da es ein Milliarden-Geschäft sei.

Brigitte Hofer vom BAG verweist auf den Bundesrat, der am 15. Oktober 2025 den Bericht Pflegeleistungen pflegender Angehöriger im Rahmen der OKP verabschiedet hat. Das BAG wurde beauftragt, die verantwortlichen Akteure bei der Umsetzung der empfohlenen Massnahmen zu begleiten. Eine weitere Feststellung aus der Pflege: Offene Stellen würden durch externe Fachleute auf H-Lohn-Basis besetzt, die weder das Haus noch die Patienten kennen.

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