Vor 25 Jahren wurde die Swissair zahlungsunfähig, tausende Passagiere strandeten weltweit. Zwei Zeitzeugen erzählen.
«Wir wollten einfach besser sein als die anderen Airlines, sicherer», sagt Ernst Frei. Er verbrachte über 14’000 Stunden in Cockpits von Swissair-Maschinen.
«Swissair stand für das Image der Schweiz und wir trugen das in die Welt hinaus», ergänzt Gabriela Good. Sie arbeitete während sechs Jahren als Flugbegleiterin für die Swissair. Ein Alfa Romeo 6C 3000 CM von Pininfarina Typ 4 Coupé Super Sport Speciale von 1959 wird auf dem Flughafen New York aus der DC6A Cargoliner ausgeladen, ca. 1959-1961. Die Airline galt nicht nur ihnen als Stolz einer Nation.
«Bei der Swissair zu arbeiten, war ein Privileg», sagt Good. Besonders geblieben ist ihr der Respekt gegenüber den Mitarbeitenden: «Mann und Frau waren gleichberechtigt. Es gab keine Lohnunterschiede», erinnert sie sich. Doch nach dem Höhenflug kam der stetige Sinkflug.
Die Liberalisierung des Flugmarktes in Europa brachte die Swissair in Schwierigkeiten. Weil die Schweiz dem EWR nicht beitrat, waren viele Routen in Europa nur noch in Kooperation mit europäischen Partnern bedienbar. Ab den 1990er-Jahren setzte die Swissair deshalb auf Wachstum, kaufte andere Fluglinien und verschuldete sich massiv. Die sogenannte «Hunter-Strategie» führte die Swissair nahe an den Kollaps.
Die Terroranschläge vom 11. September, grobe Managementfehler, zögerliche Bundesbehörden und ein im entscheidenden Moment ausbleibender Kredit von UBS-Chef Marcel Ospel führten schliesslich zur Zahlungsunfähigkeit und zum Grounding aller Swissair-Maschinen am 2. Oktober 2001.
«Das hat mir einfach den Boden unter den Füssen weggezogen», sagt Gabriela Good rückblickend. Wenige Wochen zuvor war sie an der Generalversammlung der Swissair als Hostess aufgeboten worden. Dort habe sie zwar gespürt, dass etwas im Busch sei.
«Aber ein solch abruptes Ende habe ich mir nicht vorstellen können. » Pilot Ernst Frei erfuhr in Johannesburg von der Zahlungsunfähigkeit der Gesellschaft. Nach einigem Zögern kam der Befehl, zurückzufliegen.
«Sie hatten wohl Angst, dass die Maschine beschlagnahmt würde», sagt er. Denn das Flugbenzin war noch nicht bezahlt.
«Als wir Zürich anflogen, sah ich all die Maschinen, die ineinander geparkt waren. » Das Bild habe er nie vergessen. So landete Ernst Frei die letzte Maschine der Swissair in Zürich-Kloten. Viele hielten auch nach dem Grounding zusammen.
Gabriela Good flog noch 20 Jahre für die Swiss. Ernst Frei wechselte nach einigen Crossair-Flügen als Kapitän aufs Schiff – und flogDie Swissair begleitet beide bis heute.
«Es lässt einen nie los», sagt Gabriela Good. Und Ernst Frei doppelt nach: «Also, vergessen kann man das nicht. Das ist einfach so prägend. Es ist eingebrannt auf der Festplatte.
Das kann ich nicht löschen. » Mit dem Grounding ging ein Stück Schweizer Fluggeschichte zu Ende. In den Erinnerungen der Menschen aber lebt die Swissair weiter. Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an
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