Chronische Knappheit an Wohnimmobilien und Logistikbauten lässt steigende Preise und Mieten erwarten, trotz Druck durch das erhöhte Zinsniveau.
Steigende Zinsen belasten Europas Immobilien – ausser in SpanienIn Deutschland fehlen gemäss der Beratungsgesellschaft Ernst & Young 1,4 Mio. Wohnungen – die Frankfurter Skyline mit dem Main, der Dreikönigskirche und Hochhäusern.
BASF setzt den Verkauf ihrer Werkwohnungen wegen eines schlechteren Marktumfelds aus. Wohnimmobilien in europäischen Städten der zweiten Reihe sowie zeitgemässe Nischen trotzen dem Zinsanstieg. Nur wenige Monate nach der Ankündigung im Frühjahr setzt der Chemiekonzern BASF den Verkauf seiner Werkwohnungen aus. Zu stark habe sich das Umfeld für den Verkauf von Immobilien in den vergangenen Monaten verschlechtert.
Es ist eine Absage mit Symbolkraft, zeigt sich die Zurückhaltung am Immobilienmarkt doch nicht nur bei der Veräusserung einzelner Objekte, sondern auch an den Märkten mit indirekten Immobilienanlagen wie Immobilienaktien. Die Jahresperformance des Stoxx Europe 600 Real Estate Index, der noch im ersten Halbjahr mit einem Wertzuwachs von rund 10% den breiten Aktienmarkt hinter sich gelassen hatte, ist ins Minus gerutscht. Massgeblich verantwortlich dafür ist der heftige Zinsanstieg der vergangenen Wochen.
Ein höheres Zinsniveau belastet Immobilienwerte über den niedrigeren Gegenwartswert des langfristigen Mietertrags und wegen steigender Refinanzierungskosten. Gleichzeitig verliert die traditionell hohe Dividendenrendite des Sektors von 5% nun gegenüber Staatsanleihen an Attraktivität. Besteht die Gefahr, dass die gerade erst in Gang gekommene Erholung an den Immobilienmärkten Kontinentaleuropas wegen der rasant gestiegenen Zinsen erneut ins Stocken gerät? Angesichts rekordhoher Zinsaufschläge und demnächst bevorstehender Parlamentswahlen wird dies insbesondere in Frankreich befürchtet.
Zumindest für das Segment der Wohnimmobilien legen die Fundamentaldaten etwas anderes nahe. Die Baubeginne in Europa befinden sich auf einem Fünfzehnjahrestief. Allein in Deutschland fehlen gemäss der Beratungsgesellschaft Ernst & Young 1,4 Mio. Wohnungen.
Migration sowie die Alterung der Bevölkerung mit ihrem Wunsch nach mehr Single-Wohnungen halten die Nachfrage nach Mietwohnungen hoch. Besonders interessant sind dabei weniger klassische Eigenheime respektive Eigentumswohnungen als vielmehr Seniorenwohnungen, Unterkünfte für Studenten und Mikroapartments. Abgesehen von meist möblierten Mikroapartments in Ballungszentren mit horrenden Quadratmeterpreisen und wenigen Zentrumslagen an Shopping-Orten in Südeuropa gilt mittlerweile: Lukrativ sind nicht mehr die wenigen Toplagen, sondern Städte aus der zweiten Reihe, darunter auch viele namhafte Universitätsstädte wie Edinburgh .
Die Betreiber von KI-Rechenzentren wiederum suchen in Regionen weit abseits, die grossflächig Land und preiswerte Energie anbieten. Beim anderen wichtigen Segment der Gewerbeimmobilien, bei den Büroflächen, ist von Aufbruch zwar noch wenig zu spüren. Doch die dortige Leerstandsquote ist mittlerweile unter 6% gesunken. Egal, ob Immobilien für Büros, Logistik, Hotels, Einzelhandel oder zum Wohnen: In Spanien boomt es.
Für das laufende Jahr prognostiziert der Informationsdienst S&P Global einen Immobilienpreisanstieg von im Schnitt 9%, fast dreimal so viel wie im Rest Kontinentaleuropas. Der Preisanstieg bei Bestandsimmobilien von über 17% zum Vorjahr wird in Spaniens Grossstädten und Küstenregionen noch einmal übertroffen. Der Mangel an verfügbarem Wohnraum macht’s möglich. Dank preisgünstiger Energie und «Klein-Silicon-Valley» sind in Spanien aber auch Logistikflächen so rege gefragt wie nirgends sonst in Europa.
In Deutschland fehlen gemäss der Beratungsgesellschaft Ernst & Young 1,4 Mio. Wohnungen – die Frankfurter Skyline mit dem Main, der Dreikönigskirche und Hochhäusern.
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