Quantencomputer könnten bestimmte Aufgaben künftig wesentlich schneller lösen als klassische Superrechner und damit especially die Energieversorgung, medizinische Forschung und künstliche Intelligenz revolutionieren. Deutschland und Europa gelten im Quantencomputing bislang als gut aufgestellt. Die Bundesregierung fördert deshalb den Quantum Computing Competition mit 640 Millionen Euro. Bis 2030 sollen mindestens zwei industriell nutzbare Quantencomputer entwickelt werden, wobei unterschiedliche technische Ansätze noch im Wettbewerb stehen.
Quantencomputer könnten die Welt nach Einschätzung von Experten grundlegender verändern als KI. Anders als bei anderen Technologien ist Europa hier nicht abgehängt worden. Quelle: Bloomberg Die nächste technische Revolution kommt recht unscheinbar daher: Ein schwarzer Kasten von der Grösse eines Kühlschranks, der an einer Steckdose hängt.
In seinem Inneren arbeitet jedoch ein mit Diamantchips ausgerüsteter Quantencomputer des Leipziger Startups SaxonQ, der in einigen Jahren traditionelle Hochleistungsrechner in puncto Geschwindigkeit in den Schatten stellen könnte.
«Wir zeigen, dass die Technologie schon bald in der Energieversorgung, der medizinischen Forschung, bei Künstlicher Intelligenz und vielen anderen Industrien den entscheidenden Vorteil bringen wird», sagt SaxonQ-Mitgeschäftsführer Frank Schlichting. Quantencomputer könnten die Welt nach Einschätzung von Experten grundlegender verändern als KI, weil sie bestimmte Aufgaben um ein Vielfaches schneller erledigen als bisherige Superrechner. Anders als bei anderen Technologien seien Deutschland und Europa hier nicht abgehängt, betont Leon Koch, Mitgründer und Chef der Münchener Firma Peak Quantum.
«Deshalb ist es jetzt wichtig, am Ball zu bleiben. » Um dies zu unterstützen, hat die Bundesregierung den Entwicklerwettbewerb Quantum Computing Competition ins Leben gerufen. Dort bewerben sich Unternehmen und Forschungseinrichtungen um insgesamt 640 Millionen Euro an Fördergeldern. Sie sollen bis 2030 mindestens zwei industriell nutzbare Quantencomputer auf Spitzenniveau entwickeln.
Die Technologie steckt allerdings noch in den Kinderschuhen. Zudem ist unklar, welcher der verschiedenen Ansätze sich durchsetzen wird. Während SaxonQ auf Diamantchips setzt, vertrauen andere Entwickler auf supraleitende Prozessoren. Diese werden auf etwa minus 273 Grad Celsius heruntergekühlt, damit Strom widerstandslos fliessen kann.
Eine weitere Gruppe manipuliert elektrisch geladene Atome in einer «Ionenfalle» mit Lasern oder Mikrowellen, um sogenannte Qubits zu erzeugen. Diese bilden die kleinste Recheneinheit eines Quantencomputers. Anders als Bits in herkömmlichen Rechnern nehmen Qubits nicht nur die Zustände Null oder Eins an, sondern theoretisch unendlich viele Zwischenzustände. Dadurch können mehrere Rechenschritte gleichzeitig abgearbeitet werden.
Ausserdem benötigen die Anlagen deutlich weniger Strom als ein herkömmlicher Server. Je nach technischem Ansatz liefert bereits eine Haushaltssteckdose ausreichend Energie. Quantencomputer sind jedoch nicht für alle Aufgaben gleich gut geeignet. Ihre Stärken spielen sie unter anderem bei der Ver- und Entschlüsselung von Daten, der Berechnung optimaler Routen für Speditionen oder bestimmten KI-Anwendungen aus.
Daher werden Quantencomputer und traditionelle Hochleistungsrechner sich künftig wohl den Platz in Rechenzentren teilen. Allerdings reagieren Quantencomputer extrem empfindlich auf äussere Einflüsse. Der Aufwand für die Fehlerkorrektur steigt daher mit jedem zusätzlichen Qubit exponentiell. Komplexe Algorithmen verschärfen das Problem.
«Störungen sind sozusagen der Endgegner des Quantenrechnens», erläutert Jens Eisert, Professor am Dahlem Center for Complex Quantum Systems der Freien Universität Berlin. Daher sind die hohen Qubit-Zahlen, mit denen Konzerne wie Google und IBM auftrumpfen, nur bedingt aussagekräftig. Weil ein Grossteil von ihnen für die Fehlerkorrektur benötigt wird, bleiben bislang für die eigentlichen Berechnungen nur eine Handvoll fehlerkorrigierter, «logischer» Qubits übrig, zu wenige für den kommerziellen Einsatz. Hierfür gilt eine dreistellige Zahl logischer Qubits als Minimum.
Einige Forscher versuchen, die Fehlerkorrektur mithilfe von KI zu verbessern. Peak Quantum, das aus einer Forschungsgruppe des Walter-Meissner-Instituts hervorgegangen ist, setzt dagegen auf speziell bearbeitete Materialien und verändertes Chip-Design, um die Fehleranfälligkeit zu verringern.
«Das Rennen um Quantencomputer ist offen», betont Jan Leisse, Mitgründer und Vorstandschef des Startups EleQtron. «Es sind viele Player im Spiel, aber der grosse Durchbruch ist noch keinem gelungen. » Das Siegener Unternehmen setzt bei der Konstruktion seiner Ionenfallen-Quantencomputer auf handelsübliche Bauteile aus der Elektronikindustrie. Das soll eine Serienproduktion erleichtern.
Bei diesem technologischen Wettbewerb lieferten sich die USA, China und Europa ein Kopf-an-Kopf-Rennen, sagt Alexander Glätzle, Mitgründer und Chef von PlanQC. Die Quantenrechner dieser Firma, einer Ausgründung des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik, arbeiten ebenfalls bei Raumtemperatur.
«Wir haben gute Chancen, weiterhin zur Weltspitze zu gehören - dank führender Forschungsinstitute, einer hohen Dichte an Talenten im Bereich Quantentechnologie und gezielter öffentlicher Förderprogramme. » Darüber hinaus gebe es in Europa eine Vielzahl hochspezialisierter Zulieferbetriebe. Eine Hürde auf dem Weg vom vielversprechenden Prototyp zum marktreifen Quantencomputer «Made in Europe» sei jedoch der Mangel an finanziellen Mitteln, erläutert Jan Goetz, Mitgründer und Chef von IQM. In der Anfangsphase finde ein Startup noch vergleichsweise einfach Wagniskapitalgeber.
Ab einer bestimmten Unternehmensgrösse werde es jedoch schwierig, weil es in Europa kaum Fonds gebe, die 100 oder 200 Millionen Euro auf einmal investierten. Zudem fehle es an Grosskonzernen wie Google oder IBM, die Milliarden in neue Technologien pumpen könnten. IQM habe sich daher dazu entschlossen, neben Helsinki auch in New York an die Börse zu gehen, um Zugang zu US-Kapital zu erhalten. Das deutsch-finnische Unternehmen ist nach eigenen Aussagen Weltmarktführer der Quantencomputerbranche mit bislang 27 verkauften Systemen. Ähnlich wie die Konkurrenzprodukte stehen die IQM-Rechner bislang meist in Forschungseinrichtungen.
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