Die SBB streichen Fanzüge wegen Sachbeschädigungen – doch Fanarbeiterin Barbara Rüegger warnt vor Chaos und mehr Polizeiaufwand.
Foto: Christian PfanderLaut Fanarbeiterin Rüegger bietet das Fanzugmodell seit 20 Jahren Vorteile für Sicherheitsbehörden. Der Schweizer Fussball befindet sich in einer verzwickten Situation. Ausgangsfrage: Wie bringt man Fussballfans von A nach B?
Seit dieser Saison ist das komplizierter geworden. Wegen regelmässiger Sachbeschädigungen an ihrem RollmaterialDie Auswirkungen davon haben sich letztes Wochenende in Bern gezeigt. 800 FCZ-Fans reisten mit dem Regelzug nach Sion und sorgten amDie neue Ausgangslage betrifft auch Barbara Rüegger. Die YB-Fanarbeiterin begleitet die Fans zu den Auswärtsspielen im Extrazug. Für das Handeln der SBB hat sie wenig Verständnis.
Die SBB haben uns das schon im Mai eröffnet. Es war ein Schock. Wir können diesen Entscheid nur schwer nachvollziehen. Das Fanzugmodell bietet viele Vorteile und funktionierte bis auf wenige Vorfälle in den letzten 20 Jahren problemlos.
Dass die SBB diese Praxis nun im Alleingang geändert haben, finden wir schwierig. Die Planungssicherheit wäre nicht mehr gewährleistet. Extrazüge machen nicht nur für die Fans vieles einfacher, sondern auch für die Polizei und die Sicherheitsbehörden. Diese wissen am Spieltag jederzeit, wo die Fans sind, und können entsprechend planen.
Fallen die Extrazüge weg, steht die Polizei vor einer Blackbox. Der Sicherheitsaufwand würde steigen. Am Wochenende reisten FCZ-Fans mit dem Regelzug nach Sion – mit einem chaotischen Halt in Bern. Wie kompatibel sind Fussballfans und normale Zugreisende?
Grundsätzlich haben beide Lager kein Interesse an einer Durchmischung. Eine Familie auf einem Ausflug ist nicht happy, wenn sie neben Fussballfans reisen muss. Und die Fussballfans sind auch lieber unter sich. Kommen die beiden Gruppen zusammen, sind die Züge überfüllt.
Das will niemand. Foto: fzDas ist schwierig zu sagen. Fussballfans finden oft einen kreativen Weg, zu protestieren. Doch wenn diese Situation länger anhält, kann sich das ändern.
Den Fans muss aber bewusst sein, dass sie sich auf einem schmalen Grat befinden. Es braucht nicht viel, damit die Gesellschaft auf sie wütend ist. Für die SBB ist es angenehm, wenn die Schuld nicht bei ihnen gesucht wird. Die SBB sprechen von ungedeckten Kosten von vier Millionen Franken, die durch Fans in Extrazügen schweizweit verursacht worden seien.
Da ist es doch richtig, die Reissleine zu ziehen. Wir können nicht nachvollziehen, wie sich dieser Betrag zusammensetzt. Die Höhe ist für uns nicht erklärbar. Die SBB informieren uns jedoch nach jeder unserer Fahrten transparent über die Höhe der allfälligen Schäden.
Das stimmt, aber der letzte gröbere Vorfall liegt . Sachbeschädigungen sind bei uns sehr gering. Das hat auch damit zu tun, dass YB-Fanzüge immer wieder Vorreiterrollen eingenommen haben. Seit 2010 haben wir Projekte lanciert, die es so in der Schweiz noch nicht gab.
Wir haben Stewards, die schauen, dass die Stimmung nicht überbordet, und ein Litteringteam, das nach der Fahrt zum Beispiel im Zug angebrachte Aufkleber entfernt. Dadurch können wir viele Dinge, welche die SBB als Schäden werten, selbst beheben. Auch deshalb fühlt sich für uns das Handeln der SBB ungerecht an. Ich kann hier nur für die Berner Szene sprechen.
Als Fanarbeit haben wir einen guten Austausch mit den SBB und tragen ihre Anliegen in die Fanszene. 2010 wurde unser Engagement sogar mit dem Prix Railfair ausgezeichnet. Wie eine normale Fahrt, einfach etwas wilder. Es wird Musik gehört, gesungen und getrunken. Deshalb stellen die SBB uns auch nicht ihre schönsten Züge zur Verfügung.
Auf den längeren Fahrten sind die Fans oft kreativ. Einmal wurde in einem Waggon eine Beiz errichtet.
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