Ernst Bürki erinnert sich an seine Anfänge im Zürcher Kino Roxy in den 1960er Jahren. Trotz technologischer Veränderungen in seinem Beruf ist seine Begeisterung für das Filmgeschäft ungebrochen geblieben.
In den Sechzigerjahren begann er im legendären Kino «Roxy», das damals ein Kino für italienische Immigrant*innen war. Obwohl sich in den 50 Jahren vieles in seinem Beruf verändert hat, blieb seine Leidenschaft fürs Kino unverändert.
Wie bist du zum Kino gekommen? Ernst Bürki: Während meiner Lehre als Schlosser begann ich, am Wochenende im Kino «Roxy» zu arbeiten, dem heutigen«Metropol» am Stauffacher in Zürich. Zuerst als Platzanweiser, später war ich auch am Billettschalter, machte Popcorn und verkaufte Snacks. Nach vier Jahren als Schlosser wurde eine Stelle als Filmvorführer frei.
Ich liess mich zum Operateur ausbilden und bin dem Kino seither treu geblieben. Das «Roxy» war ein reines Italo-Kino und ein wichtiger Treffpunkt für italienische Immigranten. Es liefen «Maciste»-Filme, Italo-Western, Dramen und Komödien. Das lief unfassbar gut.
Wir hatten einen Saal mit 870 Plätzen, der besonders an den Wochenenden oft ausverkauft war. Vier Vorstellungen hintereinander. Es war immer ein riesiger Rummel. Die Leute kamen und gingen, auch während der Vorstellungen.
Manchmal ging es auch wild zu und her. Während der Pausen haben sich die Männer oft bessere Plätze geangelt, die zuvor besetzt waren. Es kam zu Auseinandersetzungen und Raufereien. Wenn es dann zu bunt wurde, haben wir einfach die Türen zum Hof geöffnet, dann haben sie dort weitergemacht.
Wir haben versucht, uns rauszuhalten, aber manchmal kassierten wir auch mal ein Veilchen. Das gehörte irgendwie dazu. 1932 bis 1975 hiess das Kino am Stauffacher «Roxy». Es verfügte über ein Schiebedach sowie die erste automatische Klimaanlage der Schweiz. Hier im Jahr 1951 während des ersten Züri Fäschts.
Der Eintritt war sehr günstig: 2 Franken 80 Rappen. Dafür haben sie dann jeweils am Kiosk noch grosszügig zugegriffen. Für Leute aus der Mittelschicht war das Kino sehr erschwinglich. Das «Roxy» wurde umgebaut und hiess danach «Ritz».
Aus dem einen grossen Saal wurden deren zwei. Anstatt der italienischen Filme wurden dann vorwiegend US-amerikanische gezeigt.1945 geboren begann Ernst Bürki in den Sechzigerjahren als Platzanweiser im Kino «Roxy» – dem heutigen «Metropol» – am Stauffacher in Zürich. Wenig später liess er sich zum Operateur ausbilden und übte diesen Beruf sein Leben lang aus. Seit der Familienvater vor 15 Jahren pensioniert wurde, arbeitet er weiterhin regelmässig in den Kinos von blue Cinema in Zürich, im Speziellen bei Vorab-Vorführungen für Medienschaffende.
Mancher Laie denkt wahrscheinlich, Filmoperateur sei ein absoluter Traumberuf: Man kann gemütlich herumsitzen und den ganzen Tag Filme schauen. Das war definitiv nicht der Fall. Früher gab es ja diese 35-Millimeter-Filme. Da musste man immer wieder die Filmrollen wechseln und die nächsten Rollen vorbereiten.
Eine Rolle reichte etwa für 20 Minuten Film. Bei einem zweistündigen Film musste man also fünf- bis sechsmal wechseln. Die waren jeweils zusätzlich in Metallgehäusen verpackt. So kam man pro Rolle locker auf 45 Kilogramm, die wir auch ins Kino und wieder rausschleppen mussten.
Die Treppe hoch in den zweiten Stock. Und teilweise hatten wir zehn verschiedene Filme an Lager. Genau. Bis in den Siebzigerjahren die ersten Xenon-Lampen kamen, gab es die sogenannten Kohlebogenlampen, die man auch während der Vorführung nachjustieren musste.
Die wurden durch mit Messing versehene Kohlestifte betrieben, die bis zu 3000 Grad heiss wurden. Man musste die Projektoren also immer im Blick haben. Deshalb konnte man nicht oft auf die Leinwand schauen. Und wie war es in Sachen Zuschauer*innen?
Konntest du da manchmal filmspezifische Sachen beobachten? Küssende Paare in Liebesfilmen? Gab es tatsächlich auch ein paar Mal. Anfang der Neunzigerjahre hat man deswegen dann auch Defibrillatoren in den Kinos eingeführt.
Um diese zu bedienen, mussten wir eine zusätzliche Nothelfer-Ausbildung machen. Gestorben ist aber zum Glück nie jemand. Ja, besonders bei politisch aufgeladenen Themen. Einmal wurde vor dem Kino protestiert und wir mussten den Film absetzen.
Diese Entwicklungen waren immer ein Thema. Und natürlich haben wir auch den Zuschauerschwund bemerkt. Aber am Ende ist es heute ähnlich wie früher: Ein paar starke Filme machen den Grossteil des Jahresumsatzes aus. Früher waren es vielleicht zehn solche Filme und heute sind es noch weniger, sechs oder sieben.
Nein, auf keinen Fall. Wenn ich einen Film schauen will, dann gehe ich dafür ins Kino. Das war schon immer so und wird auch so bleiben. Ich gehe immer noch ein paar Mal im Jahr Filme schauen.
Und wenn ich gehe, habe ich immer den Plausch. Ich durfte immer wieder neue Sachen dazulernen und bekam diese Evolution immer hautnah mit. Von den schweren Filmrollen mit den Kohlebogenprojektoren bis zu den heutigen volldigitalen Computerservern mit komplexen Audiosystemen war es eine lange Reise. Das hat mich auch im Alltag auf entsprechende Änderungen gut vorbereitet.
Wehmut auf keinen Fall. Man musste ja ständig dieselben Arbeitsschritte machen. Immer wieder diese Filme präzise einfädeln. Mir hat es mehr Spass gemacht, immer wieder mal etwas Neues zu lernen.
Gibt es denn nichts, was früher besser war? Ein Geruch, den du heute vermisst, oder das Geräusch der alten Maschinen? Nicht so konkret. Früher war man einfach viel öfter und länger in den Kabinen bei den Filmprojektoren, das ist heute kaum mehr der Fall.
Was den Geruch betrifft: Früher habe ich an einem Tag in diesen Kabinen noch drei Päckchen Zigaretten geraucht. Das kann man sich heute nicht mehr vorstellen. Das stimmt. Aber es ist nicht so, dass heute mit den vollautomatischen Computersystemen gar nichts mehr passieren kann.
Es ist dann einfach nicht mehr ganz so schlimm. Ja, das schon. Aber den Beruf des Operateurs, den ich gelernt habe, gibt es heute eigentlich gar nicht mehr. Um die heutigen vollautomatischen Systeme zu bedienen, braucht man nur noch Anwenderkenntnisse.
Das führt dazu, dass die Leute teilweise aufgeschmissen sind, wenn diese Systeme mal nicht funktionieren. Eigentlich könnte man die ganzen Abläufe mit Ton, Licht und Film auch manuell abspielen, aber die meisten Leute wissen nicht, wie das geht.
«Flammendes Inferno» mit Steve McQueen, Paul Newman und vielen weiteren. Ein spektakulärer Katastrophenfilm aus dem Jahr 1974 über einen Brand in einem Wolkenkratzer. Und zu guter Letzt möchte ich jetzt von dir als Kino-Experte wissen: Welche sind tatsächlich die besten Plätze im Kino?blue Cinema gehört wie blue News zur blue-GruppeWeniger Gott, mehr Zombies – So kühn ist Nolans Version des ältesten «Bestsellers» der WeltFehler gefunden?
Kino Geschichte Zürich Roxy Metropol Ernst Bürki Italienische Immigranten
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
UBS-Übernahmegerüchte verschärfen die Debatte über Schweizer Bankenstandort und KapitalanforderungenDie aktuellen Fusions- und Übernahmegerüchte um die UBS sind ernst zu nehmen, da Aktionäre und Management ein Interesse an einem Verkauf haben könnten. Entscheidend ist die vom Ständerat beschlossene Erhöhung der Kapitalanforderungen für Auslandseinheiten der UBS auf 90 Prozent. Eine übernahme könnte den Konzern international ausrichten und Rendite sowie Aktionärswert steigern, würde aber voraussichtlich Schweizer KMU-Kredite, Hypotheken und Bankdienstleistungen schwächen und dem Wirtschaftsstandort Schweiz schaden. Für Grossunternehmen bleibt die Standortfrage daher langfristig relevant.
Weiterlesen »
Portugal gewinnt in Dänemark und Trainer Jesus verteidigt seine PersonalentscheidungPortugal gewinnt die Nations-League-Partie in Dänemark mit 4:2. Trainer Jorge Jesus bekräftigt, dass die Regeln für alle Spieler gleich gelten, und glaubt nicht, dass der Abflug von Cristiano Ronaldo die Mannschaft spaltet. Der 41-jährige Superstar flog nach einer Nichtberücksichtigung vorerst nach Madrid zurück.
Weiterlesen »
Hero Fest öffnet in Bern seine ToreMehrere zehntausend Fans von Gaming, Cosplay und Popkultur werden bis Sonntag zum Hero Fest 2026 in Bern erwartet. Das dreitägige Festival auf dem Gelände der Bernexpo gilt als führendes Schweizer Event seiner Art.
Weiterlesen »
«Naza» neu im Kino: Warum der Film die israelische Gesellschaft spaltetDer Film handelt von der israelischen Kriegsführung in Gaza. Am Filmfestival von Venedig erhielt er den Spezialpreis, in Israel wird er heftig kritisiert, die Filmemacher werden bedroht. Jetzt kommt «Naza» in die Schweizer Kinos, SRF-Auslandredaktorin Anna Trechsel ordnet ein.
Weiterlesen »
