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Die Verschwundenen: Tausende IDs auf Assads Flughafen gefunden

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Die Verschwundenen: Tausende IDs auf Assads Flughafen gefunden
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In Assad Unterdrückungsapparat sind Menschen systematisch verschwunden. In und um Damaskus zeigt sich, was das wirklich heisst.

Sie kommen von überall her nach Damaskus. Syrer und Syrerinnen hoffen zu erfahren, was mit ihren Kindern, Geschwistern, Eltern, Verwandten, Freunden und Geliebten passiert ist. Selbst wenn sie keine Antworten finden: Viele scheinen sich versichern zu wollen, dass das Ausmass der systematischen Tötungen ans Licht kommt, schonungslos wie der Assad-Apparat selbst.

Mindestens 80’000 Syrerinnen und Syrer gelten seit 2011 als vermisst, andere Schätzungen gehen von über 130’000 aus. Seit dem Sturz erhielten einige der Verschwundenen zumindest ihre Identität zurück: Unzählige Fotos auf Suchplakaten hängen von Damaskus' Strassen und Plätzen. Bis vor einem Monat wäre das noch undenkbar gewesen. Wer unter Assad so ein Plakat aufhängte, wäre wohl selbst verschwunden. «Wir haben von hier einige 100 Personen befreit» Auch rund um die syrische Hauptstadt sind die Verschwundenen nun aufgetaucht. «Wir haben von hier einige Hundert Personen befreit», sagt Abu Ahmed, der HTS-Kommandant, dessen Männer den Zugang zum Luftwaffenstützpunkt al Mezzeh am westlichen Stadtrand bewachen. Hinter einem Wachhaus hat sich eine Menschentraube gebildet: Bärtige mit den rot-weissen Kufiyas der Region Deir Ez Zor, Rasierte in traditionellen Farwa-Wintermänteln, Frauen ohne und in bunten, schwarzen oder den für Damaskus typisch hellen, doppelschichtigen Kopftüchern. Tausende kleine Gesichter, ein Bus-Abo aus Turin Alle durchforsten Ordner, Listen und Kisten voller Pässe, die aus den Gefängnisbüros zum Wachhaus gebracht worden waren. Auf einem Randstein stapeln sich ID-Karten über Meter in kleinen Haufen. Tausende kleine Gesichter überall verstreut. 20 Minuten stösst auf Berge von syrischen, libanesischen und saudischen IDs. Auch zwei Ausweise britisch-syrischer Staatsbürger sind darunter, einige blaue Londoner Metro-Oyster-Cards und Tesco-Karten stechen heraus, dem britischen Pendant zur Cumulus-Karte. Dazu ein weiss-blaues Flughafen-Bus-Abo aus dem Piemont: «Biglietto Aeroporto di Torino». «Ich suche meinen Vater und meine Schwester», sagt Nawaf Akram aus Deir Ez Zor. «Vor einem Monat haben wir von einem Vermittler Hinweise bekommen, dass sie auf dem Flughafen Mezzeh im Gefängnis beim Geheimdienst der Luftwaffe sind.» 20'000 Dollar pro gefangener Person Für weitere Informationen zu Schwester und Vater habe der «Vermittler» 40’000 US-Dollar verlangt, 20’000 pro Person. «Auf dieser Basis» hätten sie zwar zu verhandeln begonnen, aber noch nichts gezahlt. «Nun geschah der Umsturz. Wir sind seit dem ersten Tag hier und haben überall gesucht, in Moscheen, Spitälern, den Gefängnissen. Wir haben nichts erfahren. Wir wissen bis heute nichts.» «Es sind nicht nur wir hier, es sind alle in Syrien» Lynn aus Damaskus sucht ihren Bruder, 23 Jahre alt, als er 2011 auf dem Weg zur Universität verschwand. «Er war kein Aktivist», sagt Lynn, «er interessierte sich nur für sein Ingenieurstudium.» Sie sei mit ihrer Mutter gleich zum Sednaja-Gefängnis gefahren, ohne auf Hinweise zu stossen. Jetzt versuche sie, in Mezzeh Informationen darüber zu finden, was mit ihrem einzigen Bruder passiert ist. «Es sind nicht nur wir hier, es sind alle Menschen hier in Syrien», sagt sie. Lynn weist auf die unsäglichen Ausweis-Berge. «Und hier drunter sind auch viele Frauen und Mädchen.» Mehr Massengräber entdeckt Das Regime bemühte sich darum, das Ausmass seiner Gräueltaten zu verschleiern. Wie systematisch das geschah, zeigen jetzt die Massengräber, die seit Assads Sturz rund in und um Damaskus entdeckt werden. Allein in der Steppe von Qutaifa nördlich von Damaskus sollen zwischen 100’000 und 150’000 Tote verscharrt worden sein, jeweils in staatlichen Tiefkühllastern herangekarrt. Auch Lynn hat davon gehört. Sie sagt, sie habe keine Hoffnung mehr, dass ihr Bruder noch am Leben ist.

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