Christa Pike überlebte zwei Giftspritzen und liegt bewusstlos am Beatmungsgerät – nun zieht der Fall Konsequenzen nach sich.
Foto: Justizvollzugsbehörde von Tennessee Der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee tritt nach dem gescheiterten Hinrichtungsversuch zurück. Der beteiligte Arzt war bereits im Mai an einem weiteren gescheiterten Hinrichtungsversuch beteiligt.
Der Fall befeuert eine breite Debatte über die Giftspritze als Hinrichtungsmethode. Nach der gescheiterten Hinrichtung der US-Amerikanerin Christa Pike mit einer Giftspritze tritt der Leiter der Strafvollzugsbehörde von Tennessee zurück. Gouverneur Bill Lee gab am Samstag bekannt, dass Frank Strada sein Amt noch in diesem Monat niederlegen werde. Strada erklärte, sein Rückzug sei «im besten Interesse der Bevölkerung von Tennessee».
Pike sollte am Mittwoch hingerichtet werden, überlebte jedoch zwei Giftspritzen. Nach Angaben ihrer Anwälte war die 50-Jährige zuletzt weiterhin bewusstlos und an ein Beatmungsgerät angeschlossen.. Stradas Rücktritt folgt auf Tage wachsender Kritik an der Qualifikation und Ausbildung des beteiligten Personals. US-Medien warfen Fragen sowohl zu Stradas Rolle als auch zu dem an der Hinrichtung beteiligten Arzt auf.
Gouverneur Lee ordnete zudem eine unabhängige Untersuchung an. Der zuständige Arzt war nach Berichten unter anderem der «New York Times» und des lokalen Fernsehsenders WSMV auch an einem anderen gescheiterten Hinrichtungsversuch in Tennessee beteiligt. Im Mai hatten Mitarbeitende bei einem anderen verurteilten Straftäter zwar zunächst einen intravenösen Zugang gelegt, scheiterten aber an einem vorgeschriebenen zweiten. Auch dem Arzt gelang es anschliessend nicht, einen zentralen Venenkatheter zu legen.
Die Hinrichtung wurde abgebrochen. Schon damals gab es Zweifel an seiner Erfahrung mit solchen Eingriffen. In einer eidesstattlichen Aussage erklärte der Allgemeinmediziner, er habe im Laufe seiner Karriere etwa ein Dutzend oder mehr zentrale Zugänge gelegt – zuletzt allerdings ungefähr 2013. Bei einem früheren Eingriff sei ein Führungsdraht versehentlich in einer Halsschlagader gelandet.
Ein von Pikes Verteidigung beauftragter Anästhesiologe kam vor ihrer Hinrichtung zum Schluss, dass er nicht über die kontinuierliche praktische Erfahrung verfüge, die medizinische Einrichtungen üblicherweise für solche Eingriffe verlangen. Pikes Anwälte vermuten, dass zumindest ein Teil des genutzten Pentobarbitals nicht in die Blutbahn gelangte. Bei Pike ist bislang allerdings nicht geklärt, ob der Arzt selbst für die problematischen intravenösen Zugänge verantwortlich war.
Bereits 2022 kam eine vom Staat Tennessee veranlasste unabhängige Untersuchung zu dem Ergebnis, dass die damals mit Hinrichtungen betraute Person keine formale medizinische Ausbildung hatte. Sie hatte ihre Aufgabe vor allem während der Arbeit gelernt. Auch die Ausbildung des Teams für die intravenösen Zugänge steht in der Kritik. Seit 2025 wird bei monatlichen Probehinrichtungen kein intravenöser Zugang mehr gelegt, vorgesehen ist aber weiterhin eine jährliche externe Schulung.
Kritik richtet sich zudem gegen den zurücktretenden Behördenleiter Strada selbst, der für die Zusammenstellung der Hinrichtungsteams mitverantwortlich war und deren Training und Einsatz überwachte. Bevor er 2023 nach Tennessee wechselte, war er in leitender Position im Strafvollzug von Arizona für Hinrichtungen mitverantwortlich. Bei allen drei dort 2022 vollstreckten Todesurteilen gab es Schwierigkeiten beim Legen der intravenösen Zugänge, wie unter anderem die «New York Times» und der «Guardian» berichten.
Nach dem Regierungswechsel in Arizona benannte die neue Leitung des Strafvollzugs 2023 nach Prüfung mehrere «kritische Probleme» für die Durchführung von Hinrichtungen, darunter unzureichendes Wissen und Fachkenntnis.eine Debatte über die Giftspritze . Pikes Anwälte hatten noch vor ihrer Hinrichtung vor Schwierigkeiten beim Zugang zu ihren Venen gewarnt. In ihrem Verfahren gegen das Hinrichtungsprotokoll schlugen sie unter anderem eine andere Form der intravenösen Verabreichung mit entsprechend qualifiziertem Personal sowie Hängen als Alternative vor.
Tennessee hielt dagegen, dass eine Hinrichtung durch Hängen gesetzlich nicht vorgesehen und praktisch nicht verfügbar sei.
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