David Anderegg hat den Nachwuchs des Schwingklubs Aarau über 25 Jahre lang geprägt und zu einer der erfolgreichsten Talentschmieden der Region gemacht.
Mehr als ein Vierteljahrhundert lang hat David Anderegg den Nachwuchs des Schwingklubs Aarau geprägt. Mit viel Herzblut, Disziplin und einem feinen Gespür für junge Talente formte der 67-jährige Suhrer aus einer kleinen Gruppe von vier Jungschwingern eine der erfolgreichsten Nachwuchs abteilungen im Aargau.
Haben etwas Tolles aufgebaut: David Anderegg und sein Trainerteam betreuen 38 Jungschwinger, neun davon haben sich für das Training abgemeldet. David Anderegg prägte über 25 Jahre lang den Nachwuchs des Schwingklubs Aarau als Hauptleiter und Technischer Leiter. Aus einer kleinen Gruppe von vier oder fünf Buben formte er eine Abteilung mit rund 35 Jungschwingern. Mehrere seiner Schützlinge wurden später erfolgreiche Aktivschwinger, zwei schafften es sogar zu den Eidgenossen.
Wenn David Anderegg im Schwingkeller steht, dann spüren die Jungschwinger sofort: Jetzt wird gearbeitet.
«Immer Vollgas, pläuschle kann man Zuhause wieder», lautet seit Jahren die Devise des Suhrers. Und genau mit dieser Mischung aus Konsequenz, Begeisterung und Menschlichkeit hat der heute 67-Jährige den Nachwuchs des Schwingklubs Aarau zu einer der erfolgreichsten Talentschmieden der Region gemacht. Seit über 25 Jahren ist Anderegg Hauptleiter der Jungschwingerabteilung und Technischer Leiter des Nachwuchses beim Schwingklub Aarau. Als er das Amt übernahm, trainierten gerade einmal vier oder fünf Buben regelmässig.
Heute sind es rund 35 Jungschwinger zwischen sechs und 15 Jahren, die Woche für Woche ins Training kommen und an Wettkämpfen teilnehmen. Eine Entwicklung, die eng mit dem Namen David Anderegg verbunden ist.
«Diese Jungen zu begleiten und zu formen macht grosse Freude», sagt er. Dabei gehe es ihm nie nur um sportliche Resultate.
«Schwingen ist die beste Lebensschule», ist «Däfu» Anderegg überzeugt. Dass er überhaupt Trainer wurde, verdankt er ausgerechnet seinem Sohn. Anfang der 90er-Jahre hatte der ehemalige Kranzschwinger seine Schwingerhosen eigentlich bereits an den Nagel gehängt. Rund 20 Jahre lang war er als Aktiver auf den Schwingplätzen unterwegs gewesen.
Doch dann sah sein kleiner Sohn David am Fernsehen ein Eidgenössisches Schwingfest – und war begeistert.
«Das will ich auch», soll er damals zum Vater gesagt haben. Also begleitete David Anderegg seinen Sohn ins Training und an Nachwuchsfeste. Dort wurde er vom damaligen Präsidenten und vom Juniorenobmann motiviert, selbst Verantwortung zu übernehmen. Mit grossem Engagement organisierte Anderegg fortan Trainings, betreute Jungschwingertage und formte junge Talente.
Trainiert wird im Winter im Schwingkeller in Aarau, im Sommer auf dem Aussenschwingplatz im Wallenland in Oberentfelden. Unterstützung erhält er heute von Urs Meyer, Hannes Bäni, Christian Meyer und weiteren Helfern. Manuela Studinger, Tochter von David, unterstützt das Team in den administrativen Aufgaben. Die Resultate liessen nicht lange auf sich warten.
Immer wieder gehörten die Aarauer Jungschwinger zu den erfolgreichsten Nachwuchsabteilungen im Verband. Ein besonderer Höhepunkt bleibt für Anderegg ein kantonaler Jungschwingertag, an dem die Aarauer in sämtlichen Kategorien die Sieger stellten.
«So etwas erlebt man nur ganz selten», sagt er rückblickend. Dass der Aarauer Nachwuchs heute weit über die Kantonsgrenzen hinaus einen ausgezeichneten Ruf geniesst, ist auch sein Verdienst. Praktisch alle heutigen Aktivschwinger des Schwingklubs Aarau gingen durch die Schule von David Anderegg senior. Mit Tobias Widmer und Tim Roth schafften es sogar zwei seiner ehemaligen Schützlinge zu den «ganz Bösen» und wurden Eidgenossen.
Auch Namen wie Kaj Hügli, Oliver Hermann, Jan Roth, Tiago Vieira, Giulio Russo und Robin Studinger stehen sinnbildlich für die erfolgreiche Nachwuchsarbeit in Aarau.
«Der Schwingsport boomt, das bekommen auch wir im Nachwuchsbereich zu spüren», sagt Anderegg. Trotz aller Erfolge beobachtet er gewisse Entwicklungen kritisch.
«Es ist zu viel Geld im Spiel», kritisiert der Nachwuchsverantwortliche. Dabei weiss Anderegg selbst nur zu gut, was der Schwingsport bedeutet. Aufgewachsen in Erlinsbach, kam er schon früh mit dem Turnen und Schwingen in Kontakt. Er war das älteste von sechs Geschwistern – und alle schwangen.
Mit 13 oder 14 Jahren begann seine eigene Karriere im Sägemehl. Obwohl er bei den Aktiven mit knapp 80 Kilogramm eher ein Leichtgewicht war, galt er als explosiver «Wirbelwind». Seine grössten sportlichen Erfolge feierte er Anfang der 80er-Jahre: 1981 gewann er das Solothurner Kantonalschwingfest, 1983 folgte mit dem Sieg am Aargauer Kantonalen in Unterkulm sein grösster Triumph. Viermal durfte er am Eidgenössischen Schwingfest teilnehmen – 1980 in St. Gallen, 1983 in Langenthal, 1986 in Sion und 1989 in Stans.
Für das Eidgenössische 1992 in Olten war er ebenfalls qualifiziert, brach sich jedoch kurz davor das Schlüsselbein und musste zuschauen. Insgesamt gewann Anderegg 41 Kränze.
«So schlecht war ich eigentlich gar nicht», sagt er lachend. Und fügt schmunzelnd an: «Früher war ich immer zehn bis fünfzehn Kilo zu leicht. Heute hätte ich dieses Gewicht. » Dabei streicht er sich grinsend über das Bäuchlein.
Krafttraining im heutigen Sinn machte er damals keines.
«Als Langholz-Chauffeur bei der Firma Huber in Wöschnau hatte ich genug bezahltes Krafttraining während der Arbeit», erzählt er mit einem Augenzwinkern. Zusätzlich zu dem zweimal wöchentlichen Training im Schwingkeller trainierte er ebenfalls zweimal pro Woche im Turnverein und nahm auch dort an drei Eidgenössischen Turnfesten teil. Neben dem Sport spielte für Anderegg immer auch die Familie eine zentrale Rolle. Seit 44 Jahren ist er mit seiner Frau Vreni verheiratet.
Gemeinsam führen sie seit 36 Jahren das Restaurant Dietiker in Suhr – längst ein beliebter Treffpunkt nicht nur für Schwinger und Schwingfans. Das Paar hat vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn. David Anderegg junior trat sportlich in die Fussstapfen seines Vaters, wurde ebenfalls Kranzschwinger. Mittlerweile schwingen auch vier seiner Enkelkinder, Robin und Gian Studinger, Giulio Russo und Kuno Lüscher.
«Das macht mich sehr glücklich», sagt «Buba», wie ihn seine Enkel nennen. Erst vor wenigen Wochen gewann Giulio Russo seinen ersten Kranz bei den Aktiven. Robin Studinger gelang dies bereits im letzten Jahr. Nach über einem Vierteljahrhundert an der Spitze des Aarauer Nachwuchses denkt David Anderegg langsam ans Kürzertreten.
Die Zukunft der Jungschwinger weiss er jedoch in guten Händen. Sein Sohn David junior, Christian Meyer und ihr Team übernehmen in Kürze die Verantwortung.
«Es freut mich, dass ich ein motiviertes Nachfolgerteam gefunden habe», sagt der langjährige Trainer. Ganz loslassen wird er die Schwingerei aber wohl nie. Dafür bedeutet sie ihm zu viel.
«Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich nicht so viele Jahre im Schwingsport aktiv sein können», sagt Anderegg dankbar. Und wenn er auf sein Leben im Sägemehl zurückblickt, kommt die Antwort ohne Zögern: «Ich würde wieder mit Schwingen beginnen und alles gleich machen. Die Schwingerei macht mich bis heute sehr glücklich.
»Die schöne neue Welt in der Nordwestschweiz: «Unsere besten Schwinger werden schon an den eigenen Festen gefordert» Der Solothurner Remo Stalder hat in diesem Jahr die Nachfolge von Guido Thürig als Technischer Leiter des Nordwestschweizer Schwingverbands angetreten. Der Mümliswiler erklärt, wie er das schwierige Erbe Thürigs anzutreten gedenkt. Und wie er die neue Leistungsdichte im Hinblick auf das Esaf in Thun 2028 nutzen will. Copyright © Aargauer Zeitung.
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