Ab etwa 2030 soll 6G Mobilfunkantennen zum Radar machen, das Menschen erkennt, auch wenn sie gar kein Telefon dabei haben. Datenschützer laufen Sturm.
ChatGPT @ blueNews Ab etwa 2030 soll 6G Mobilfunkantennen zum Radar machen, das Menschen erkennt, auch wenn sie gar kein Telefon dabei haben. Datenschützer laufen Sturm.
Datenschützer warnen, dass damit auch Menschen ohne Handy und hinter Wänden erfasst werden könnten. Bisher wusste eine Handyantenne nur, wo dein Telefon gerade eingebucht ist. Künftig soll sie auch merken, dass du im Raum stehst, selbst wenn das Telefon zu Hause auf dem Küchentisch liegt. Was nach Science-Fiction klingt, hat Vodafone Anfang Jahr.
In einem Forschungslabor im spanischen Málaga erkannte ein gewöhnliches 5G-Netz Gegenstände und sogar Mitarbeitende, die gar nicht mit dem Netz verbunden waren, ohne dass Anrufe oder Datenverbindungen gestört wurden. Die Technik heisst Integrated Sensing and Communication, kurz ISAC, und gilt als das eigentlich Neue am kommenden Standard 6G. Man kann sie sich vorstellen wie Rufen in einem Treppenhaus, bei dem das Echo verrät, wie gross der Raum ist und ob jemand im Weg steht.
Die Antenne sendet ihre Funkwellen ohnehin aus, neu wertet sie auch deren Reflexionen aus. Die Einsatzideen klingen zunächst durchwegs vernünftig. Vodafone nennt Warnungen bei überfüllten Perrons, das Aufspüren versteckter Wasserlecks in Gebäuden und das Zählen von Besucherströmen in Einkaufszentren ohne Kameras. In den laufenden 6G-Studien stehen Drohnen, selbstfahrende Autos und Roboter in Fabriken im Vordergrund.
Selbst die Datenschützer zählen sinnvolle Anwendungen auf, etwa Sturzerkennung in der Pflege, die Überwachung von Atmung und Herzschlag im Spital oder das Erkennen von Personen auf Bahngleisen. Gerade für ältere Menschen, die allein leben, wäre ein Notruf ohne Kamera und ohne Armband ein echter Fortschritt. Dafür würden künftig schon WLAN-fähige Geräte genügen, die ohnehin in fast jeder Wohnung stehen. Genau hier liegt aber auch der Haken.
Klassische Handyortung braucht ein Telefon, ein Funkecho nicht. Die deutschen Datenschutzbehörden von Bund und Ländern warnen, dass Radardaten zusammen mit maschinellem Lernen einzelne Menschen am Gangbild wiedererkennen und sogar Atmung und Herzschlag auslesen können. Weil die Signale auch Wände durchdringen, sehen die Behörden den Schutz der eigenen Wohnung berührt. Tobias Keber, Vorsitzender der Datenschutzkonferenz, warnt, es gebe dann «kaum noch Räume, in denen wir unbeobachtet sein können».
Die Behörden vergleichen die Technik mit einer unsichtbaren Videoüberwachung, die zusätzlich hinter Hindernisse blickt. Eine Einwilligung einzuholen, halten sie bei flächendeckender Erfassung für kaum machbar.in Dresden haben einen Schalter entwickelt, mit dem sich die Sensorfunktion eines Smartphones komplett deaktivieren liesse, während Telefonieren und Surfen weiter funktionieren. Dazu kommt eine Prototyp-App, die anzeigt, ob am aktuellen Standort gerade abgetastet wird. Ob sie es in den Standard schaffen, ist offen.
Die Datenschützer halten fest, dass bisher keine der bekannten Schutztechniken Eingang in die WLAN- oder 6G-Normen gefunden hat. Weil 6G bis Ende 2028 festgeschrieben wird, bleibt dafür nur ein kurzes Zeitfenster. Das scheint der eigentliche Grund zu sein, warum die Behörden gerade jetzt Alarm schlagen.eines Grossteils der heutigen Mobilfunkfrequenzen ausgeschrieben, die Auktion ist fürs zweite Quartal 2027 geplant. Die Konzessionen gelten ab 2029 für 15 Jahre und sind technologieneutral, die Betreiber entscheiden also selbst, welche Mobilfunkgeneration sie darauf betreiben.
Das ist mehr als doppelt so lange, wie es 5G in der Schweiz überhaupt gibt. Auch die Forschung ist vorne mit dabei. An der ETH Zürich hat das Team von Professor Hua Wang eine Antennentechnik entwickelt, die gleichzeitig kommunizieren und abtasten kann, ohne dass sich beides stört, und sie in zwei funktionierenden 6G-Prototypen erprobt. Rechtlich betritt die Schweiz Neuland.
Atmung und Herzschlag wären nach dem Datenschutzgesetz Gesundheitsdaten und damit besonders schützenswert, spezifische Regeln fürs Abtasten per Funk gibt es aber soweit ersichtlich nicht. Eine vergleichbare Einschätzung des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten ist bislang nicht bekannt. Kurzfristig ändert sich wenig. Swisscom hat zwar Ende 2025 das 3G-Netz abgeschaltet, für 4G gibt es aber noch kein Abschaltdatum, und die Kundschaft soll mindestens drei Jahre im Voraus informiert werden.
Mit dem schnellen 5G+ erreicht Swisscom bereits rund 89 Prozent der Bevölkerung. Ein neues Handy nur wegen 6G muss vor Ende des Jahrzehnts also niemand kaufen. Die wichtigen Entscheidungen fallen deshalb nicht 2030 im Handyshop, sondern in den nächsten zwei Jahren in Normierungsgremien, in denen kaum jemand zuschaut. Ob im Einstellungsmenü künftiger Smartphones ein Schalter fürs Radar steht, wird genau dort entschieden.
Du willst bei KI und Gadgets immer einen Schritt voraus sein und dich sicher im Internet bewegen? Mit dem MyTech-Newsletter erfährst du regelmässig die wichtigsten News und Hintergründe aus der Technik-Welt, genauso wie einfache Tipps und Tricks für deinen Alltag.
Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen
Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.
Schüsse vor Schule in der Türkei: Jugendlicher schiesst mindestens acht Menschen niederNahe einer Berufsschule in Manisa eröffnete ein mutmasslicher Jugendlicher das Feuer – acht Menschen wurden verletzt.
Weiterlesen »
Polen: Neonazi plante Anschlag auf Schule oder Moschee – «Tod vieler Menschen» als ZielEr soll Schulen und Moscheen ausgespäht haben – mit Waffen, Sprengstoff und Nazi-Symbolen in der Wohnung.
Weiterlesen »
«Menschen einladen, alle Menschen ansprechen»: Merkel richtet nach CDU-Debakel Botschaft an ihre ParteiAngela Merkel betont nach dem CDU-Wahldebakel die Rückbesinnung auf Adenauers Volkspartei-Idee: Menschen einladen, Brücken bauen und alle Bevölkerungsschichten anzusprechen.
Weiterlesen »
Inklusion in Uster: Uster verabschiedet Aktionsplan für Menschen mit BehinderungenDer Stadtrat hat über 40 Massnahmen in zwölf strategischen Zielen beschlossen, um Gleichstellung und Teilhabe zu stärken. Bereits dieses Jahr starten erste Schritte zur Barrierefreiheit – die Bilanz folgt 2029.
Weiterlesen »
