Mit 30'000 Franken Startkapital gründeten acht Freunde den Club Zukunft an der Dienerstrasse 33. Ihr Improvisationsgeist machte die «Zuki» zum Kultort der Zürcher Nacht.
Mit einer «Das wird schon irgendwie klappen»-Mentalität prägten acht Freunde das Zürcher Nachtleben für 20 Jahre. Der Dokumentarfilm «Die Zukunft ist Vergangenheit» zeigt humorvoll und versöhnlich, wie der Kultclub Zukunft entstand und im März 2025 endete.und entschlossen sich trotzdem dafür, das Gegenteil zu tun.
Der Club neben der Langstrasse hat ihnen schliesslich mehr gegeben, als sie sich je erträumt hatten. So ist derein Musterbeispiel dafür geworden, wie ein versöhnlicher Abschluss aussehen kann. Erdacht und gedreht haben ihn ein ehemaliger Selekteur und ein Gast der «Zuki». Als der Film am Mittwochabend am Zurich Film Festival Premiere feierte, hatte das Publikum im Kinosaal jedenfalls viel mehr zum Lachen als zum Seufzen.
Die Stimmung hatte etwas von einem Klassentreffen. Mit Selbstironie, entwaffnender Ehrlichkeit und Freude erzählen die Gründungsmitglieder Sacha Winkler aka Kalabrese, Markus Ott und Alex Dallas, wie sie das Langstrassen-Quartier vor 20 Jahren für immer veränderten. Wo in den nächsten Monaten Gerüchten zufolge eine weitere Coop-Pronto-Filiale eröffnen und Menschen in Neubauwohnungen einziehen werden, wollte in den 00er-Jahren kaum jemand verweilen. Alle grossen Gastrounternehmen hatten bereits dankend abgelehnt, als ihnen das Lokal an der Dienerstrasse 33 angeboten wurde.
Da wollte Alex Dallas zuschlagen. Die Miete war relativ tief und einige seiner Freunde hatten loses Interesse signalisiert. Zusammen trieben sie kurzfristig 30'000 Franken für das Mietzinsdepot auf und bewiesen zum ersten Mal, dass sie relativ gut improvisieren können.
«Wir waren acht Freunde, was hätte schon schiefgehen sollen? », fragt Markus Ott in der Doku, ohne eine Miene zu verziehen. Ihn und seine Mitstreiter verbindet eine «Das wird schon irgendwie klappen»-Mentalität. Das Regie-Duo Stephan Schulz und Julian Kirchner fingen mit ihrer Kamera beispielsweise ein, wie Kalabrese in Badeschlappen vor seiner Plattensammlung steht und sich fragt, wie er bitteschön gleich ein achtstündiges DJ-Set auf die Beine bestreiten soll.
In der nächsten Szene spaziert er gut gelaunt mit einem Köfferchen voller Platten in den Club Zukunft, um dort zahlreiche Wühlkisten nach den richtigen Kabeln für sein Setup zu durchsuchen. In der «Zuki» durften praktisch alle mal etwas ausprobieren. Im Lokal gab es Kabarett, Konzerte, Schachturniere, Raum für Aktivistinnen und natürlich Partys. Über die Jahre wurde der Club zum Sprungbrett für DJs, die wegen der familiären Atmosphäre auch noch zurückkehrten, als sie längst viel grössere Veranstaltungsorte füllen konnten.
Ein starkes Freundesnetzwerk mit viel Einsatz. Ich glaube, so etwas entsteht eher durch Zufall als durch Planung. Entsprechend viele Menschen wollten sich Ende März 2025 von der «Zuki» verabschieden. In der Doku ist zu sehen, wie sich alle Beteiligten immer wieder herzen und in den Arm nehmen.
Als letzten Song in der 20-jährigen Clubgeschichte wählten sie das «Kafi Lied» von Kalabrese, das mehr nach «schön, dass es passiert ist» statt nach «schade, dass es vorbei ist» klingt. Obwohl der Film Gentrifizierung und Clubsterben thematisiert, blicken die Protagonisten optimistisch in die Zukunft. Irgendwann kommt die nächste Freundesgruppe und macht etwas Eigenes, Cooles, irgendwas mit Kultur. Am Anfang brauchen sie einfach die Zuversicht, dass es irgendwie schon klappt.
Die drei Vorstellungen des Films «Die Zukunft ist Vergangenheit» am ZFF waren alle ausverkauft, genauso wie die anstehende Vorstellung in der Roten Fabrik. Ab dem 25. Oktober läuft der Film im Kino Riffraff und ist ab dem 16. November als Video-on-Demand auf zukifilm.ch verfügbar.
Dario Aeberli , Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».
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