Christine Brand, Tochter eines Bestatters, wurde Gerichtsreporterin und ist heute eine erfolgreiche Krimiautorin. Ihr Leben spielt zwischen Zürich, Bali und Sansibar.
Christine Brand, Tochter eines Bestatters, wurde 1971 geboren und wuchs mit dem Tod als ständigem Begleiter auf. Schon als Kind lernte sie, mit trauernden Menschen zu sprechen. Später besuchte sie das Lehrerseminar, schwänzte jedoch als 19-Jährige die Schule, um einen Prozesstag am Gericht zu verfolgen. Lehrerin wurde sie nie, aber Gerichtsreporterin. Heute zählt sie zu den erfolgreichsten Schweiz er Krimiautorin nen.
Kindheit und frühe Prägung
Als Tochter eines Bestatters war Christine Brands Leben früh vom Tod geprägt. Sie wusste bereits als Kind, wie man am Telefon mit Menschen spricht, die gerade einen Angehörigen verloren haben. Für sie war der Tod allgegenwärtig: Sie schminkte die Urgrossmutter im Sarg, der Leichenwagen wurde als Familienauto genutzt. Dadurch habe sie sehr früh gelernt, dass jeder Mensch, ob jung oder alt, jederzeit sterben kann. «Es ist ein Privileg, so aufwachsen zu dürfen», sagt Brand. Auch wenn ihr eigenes Verhältnis zum Tod entspannt ist, werde er in der Schweizer Gesellschaft tabuisiert. «Wenn im Altersheim jemand stirbt, muss der Leichenwagen zum Hintereingang fahren.»
Gerichtsreporterin aus Neugier
Die Lebenswege, die in einem Gerichtssaal aufeinanderprallen, interessierten sie. Es war die Neugier, die sie antrieb. Weshalb Täter zu Täter werden, könne sie manchmal nachvollziehen. «Es gibt immer noch Fälle, wo ich nicht verstehe, wieso jemand eine Tat begeht», so Brand. Besonders bewegt hat sie der brutale Mord an der 17-jährigen Aliyah, die in der Nacht auf Samstag, 8. April 2023 in Bellach bei Solothurn getötet wurde. Christine Brand begleitete die Angehörigen über zwei Jahre lang und produzierte zusammen mit Aliyahs Mutter einen mehrteiligen Podcast.
Wendepunkt und schreibende Nomadin
Vor zehn Jahren stellte ein Anruf das geregelte Leben der Gerichtsreporterin und Hobby-Krimiautorin auf den Kopf. Ihr Literaturagent teilte mit, dass ein Verlag eines ihrer Manuskripte veröffentlichen wolle. Sie hätte 12 Stunden Zeit, Ja oder Nein zu sagen, und es winke ein Vorschuss von mehreren Tausend Franken. Als ihr klar wurde, dass sie mit dem Geld jahrelang in Indien leben könnte, gab sie ihre Wohnung und ihren Job auf und wurde zur schreibenden Nomadin. «Ich kann arbeiten, wo immer ich will», so Brand. Sie müsse nicht mehr dreimal die Woche in einem Sitzungszimmer der Redaktion sitzen. Zu ihren Leidenschaften gehört neben dem Schreiben auch das Reisen. In Rajasthan geriet sie in einer engen Gasse in eine heikle Situation: Ein aggressiver Hund biss sie ins Bein, während ein Inder sie begrabschte. «Oben wehrst du dich gegen den Mann und unten beisst dich der Hund», beschreibt sie die absurde Szene, die letztendlich glimpflich ausging.
Aktuelle Projekte und Sansibar
Christine Brand arbeitet derzeit an ihrem neuesten Werk. 195 Seiten sind geschrieben – 420 sollten es bis zum Abgabetermin Ende November sein. «Ich bin im Verzug», erzählt sie. Die fehlenden Seiten schreibt sie auf Sansibar, einem Ort, der sie zu Tränen rührt, wenn sie darüber spricht. Für sie wurde die Insel zum Sehnsuchtsort. «Ich habe das Gefühl, ich reise in ein anderes Leben», sagt sie. Kommt Christine Brand von Zürich nach Sansibar, hat sie nicht das Gefühl, von einem Ort zum anderen zu reisen. Möglich gemacht haben das ein Anruf und der Mut, mit 43 den Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Manchmal reichen 12 Stunden, um sein Leben neu auszurichten. Ihr Krimi «Blind» wurde von SRF als sechsteilige Krimi-Thriller-Serie verfilmt und feierte Ende September 2026 Premiere. Im Zentrum steht der blinde Barkeeper Nathaniel, der dank seiner aussergewöhnlichen Wahrnehmung in einen Kriminalfall hineingezogen wird. Gemeinsam mit der Journalistin Milla Nova und dem Kriminalpolizisten Sandro Bandini versucht er, Verbrechen und Geheimnisse aufzuklären.
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