Christa Pike überlebt die Hinrichtung in Tennessee

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Christa Pike überlebt die Hinrichtung in Tennessee
Todesstrafe, Christa Pike, Tennessee

Die 50-jährige Christa Pike hat ihre Hinrichtung im US-Bundesstaat Tennessee überlebt, liegt jedoch bewusstlos und künstlich beatmet im Spital. Ihre Anwälte werfen dem Vollzugspersonal vor, medizinische Grundbedürfnisse absichtlich missachtet zu haben. Pike war 1995 an der Folter und Ermordung der 19-jährigen Colleen Slemmer beteiligt und wurde dafür zum Tode verurteilt. Der Fall hat die Debatte über die Todesstrafe in den USA erneut entfacht.

Christa Pike hat ihre eigene Exekution überlebt. Aber in welchem Zustand? Und wie geht diese fürchterliche Geschichte jetzt weiter? Das Schicksal der 50-Jährigen aus Tennessee hat in den USA die Debatte über die Todesstrafe wieder entfacht.

Pike kam mit schweren Verbrennungen ins Spital, sie liegt bewusstlos an der Beatmungsmaschine. Ihre Anwälte werfen dem Vollzugspersonal vorsätzliche Gleichgültigkeit gegenüber medizinischen Grundbedürfnissen vor. Seit 30 Jahren sass eine Frau in einer amerikanischen Zelle und wartete auf diesen Tag. Auf den Moment, umgebracht zu werden.

Gemeinsam mit ihrem Freund hatte Christa Pike 1995 in Knoxville, Tennessee, die 19-jährige Mitschülerin Colleen Slemmer im Wald gefoltert und ermordet, eine Freundin stand Wache. Mit einem Teppichmesser ritzten die Teenager ihrem Opfer ein Piktogramm in die Brust und schnitten ein Stück aus ihrem Schädel. Christa Pike, zur Tatzeit 18 Jahre alt, wurde zum Tode verurteilt. Der 17-jährige Mittäter, noch minderjährig, erhielt eine lebenslange Gefängnisstrafe.

Die dritte Angeklagte belastete beide und wurde auf Bewährung freigelassen.

«Ich gehe diese Hinrichtung jeden Tag im Geiste durch», sagte Pike, inzwischen 50 Jahre alt, kürzlich in einer Aufnahme, die ihre Anwälte der New York Times weiterleiteten. «Was auch immer am 30. September geschieht – das hier wird nicht mehr meine Hölle sein. »An diesem Tag, am Mittwoch, wurde Christa Pike um 19.26 Uhr in dem für solche Tötungen ausgestatteten Raum der Riverbend Maximum Security Institution in Nashville auf einer Liege festgeschnallt, im Nebenraum standen Zeugen.

An ihrem rechten Arm war eine Infusion gelegt worden, jedenfalls sah es so aus. Sie hatte laut der Beobachter einen geistlichen Beistand an ihrer Seite. Es war das erste Mal seit 200 Jahren, dass eine Frau in Tennessee hingerichtet werden sollte. Die letzte Todesstrafe für eine Frau wurde in den USA 2023 in Missouri vollstreckt.

Insgesamt sind unter jenen, die seit 1973 in den USA zur Höchststrafe verurteilt wurden, nur zwei Prozent Frauen. Christa Pike sollte nun mit staatlich verabreichtem Gift in den Adern sterben.

«Ich werde diese Welt so verlassen, wie ich den Grossteil meines Lebens verbracht habe: mit Liebe», so zitiert sie ein Reporter, wie die Zeitung USA Today in ihrer verstörend detaillierten Chronik unter dem Titel «Chaos in der Todeskammer» schreibt. «Sie sagte, sie liebe die Menschen, die wütend auf sie sind, genauso sehr wie jene, die auf ihrer Seite stehen. Sie sagte: ‚Ich bin im Reinen mit mir und bereit zu gehen.

’» Sie sei «bereit, frei zu sein», dies sei «ein glücklicher Tag», berichtete laut der Agentur AP eine andere Reporterin. Sie bekam die erste Dosis von Pentobarbital. Das Mittel soll die Gehirnfunktion blockieren, ins Koma versetzen und zum Tode führen.

«Mein Arm fühlt sich an, als würde er gleich aufplatzen», habe Pike um 19.34 Uhr gesagt, berichtete die Journalistin Tori Gessner vom Kanal WKRN. In den folgenden Minuten wurde Pike offensichtlich dabei beobachtet, wie sie tief Luft holte, sich bewegte und andere Lebenszeichen gab. Der Vorhang zum Zuschauerraum ging zu und wieder auf. Pike wurde die zweite Dosis gespritzt, aber noch um kurz nach 20 Uhr soll sie sich aufgebäumt haben.

«Nichts davon war normal», sagte Catherine Sweeney vom Sender WPLN bei CNN. Sie habe im vergangenen Jahr über alle und in diesem Jahr über die meisten Hinrichtungen berichtet, solche Spezialisten gibt es in diesem Land.

«So etwas haben wir noch nicht erlebt. Es lief wirklich schlecht. »Die Anwälte sprechen von «vorsätzlicher Gleichgültigkeit» gegenüber medizinischen Grundbedürfnissen Mit einem Krankenwagen wurde Christa Pike in eine Klinik in der Gegend von Nashville gefahren. Mediziner arbeiteten zuletzt daran, das Pentobarbital aus ihrem Körper zu bekommen, das hat zum Beispiel die Washington Post den Gerichtsunterlagen entnommen.

Ihren Anwälten zufolge sei sie mit an beiden Armen geschwollener, verbrannter und mit Blasen übersäter Haut im Krankenhaus angekommen. Die Juristen informierten am Freitag, dass ihre Mandantin bewusstlos sei und künstlich beatmet werde. Sie werfen dem für diese versuchte Hinrichtung verantwortlichen Personal «vorsätzliche Gleichgültigkeit gegenüber ihren medizinischen Grundbedürfnissen» vor. Sie glauben, dass das verabreichte Pentobarbital «ganz oder teilweise in den Körper von Frau Pike gelangte», aber nicht wie vorgesehen in ihren Blutkreislauf.

Randy Spivey, einer von Pikes Anwälten, sagte, er habe sieben Einstiche gezählt. So oft war anscheinend versucht worden, Der republikanische Gouverneur von Tennessee, Bill Lee, setzte weitere geplante Hinrichtungen bis auf weiteres aus und ordnete eine Untersuchung an. Die Strafvollzugsbehörde von Tennessee gab bekannt, man sei dem «gesetzlich vorgeschriebenen und etablierten Hinrichtungsprotokoll des Bundesstaates» gefolgt. Das Mittel für die tödliche Injektion habe sich stets als wirksam erwiesen.

Nicht zum ersten Mal scheitert das Personal daran, einen intravenösen Zugang bei Todeskandidaten zu legen Allerdings musste diese angeblich vergleichsweise humane Methode in Tennessee bereits vor wenigen Monaten beim Todeskandidaten Tony Carruthers gestoppt werden. Carruthers, 57, hatte 1994 in Memphis drei Menschen entführt und getötet. Im Mai 2026 versuchte das Vollzugspersonal mehr als eine Stunde lang vergeblich, eine Vene zu finden. Sie habe gesehen, wie er «zusammenzuckte und stöhnte», sagte seine Anwältin Maria DeLiberato damals CNN, es sei schrecklich gewesen.

Der Gouverneur Lee gewährte einen einjährigen Aufschub der Vollstreckung. Aus anderen US-Bundesstaaten wurden ähnlich makabre Szenen gemeldet. Auch die Gouverneure von Alabama und Idaho, alles Republikaner, strichen die toxischen Injektionen fürs Erste, als sie nicht die gewünschte Effizienz zeigten und die Verurteilten besonders quälten. Alabama hatte versucht, stattdessen Stickstoffgas einsetzen zu lassen, ein Gericht blockierte den Vorstoss.

Beim Serienmörder Thomas Creech, der erst 1974 und dann nach einer zwischenzeitlichen Revision erneut 1981 in den Todestrakt kam, mühte sich das Personal 2024 in Idaho achtmal vergeblich, ihm einen intravenösen Zugang zu legen. Der dortige Regierungschef Brad Little unterschrieb dann ein Gesetz, das in seiner Region Erschiessungen zur bevorzugten Art von Hinrichtungen macht. In 27 US-Bundesstaaten gibt es die Todesstrafe noch, aber in Kalifornien, Oregon, Pennsylvania und Ohio wird sie nicht mehr angewandt.

Ganz vorne liegt Texas, gefolgt von Florida und Oklahoma. 23 US-Bundesstaaten haben den Horror abgeschafft. Laut des unabhängigen Death Penalty Information Centers wurde in diesem Jahr bis Ende September 29 Menschen in sechs Bundesstaaten per gerichtlicher Anordnung das Leben genommen. Bis zum 19. November sind weitere acht Hinrichtungen angesetzt.

Wer meint, dass eine Mehrheit in den USA das ablehnt, der täuscht sich: Eine Umfrage des Pew Research Centers ergab, dass zwei Drittel der Amerikaner die Todesstrafe für verurteilte Mörder für angemessen halten. Aber das Schicksal von Christa Pike hat zumindest die Debatte über diese gespritzten Gifte wieder entfacht. Es ist ohnehin eine in jeder Hinsicht fürchterliche Geschichte. Unterstützer von Pike und Gegner der Todesstrafe hatten sich bis zum letzten Moment dafür eingesetzt, ihr das Leben zu retten.

Sie verwiesen auf ihr junges Alter bei dem Mord vor mehr als drei Jahrzehnten und auf Missbrauch in der Kindheit. In ihrer Haftzeit griff sie 2001 eine Mitgefangene an, dafür wurde sie ausserdem wegen versuchten Totschlags verurteilt, Gutachter attestierten ihr eine bipolare Störung. Bei ihrer gescheiterten Exekution war auch Mary Martinez zugegen, die Mutter der damals so entsetzlich ermordeten Colleen Slemmer, die kürzlich 51 Jahre alt geworden wäre.

Niemand könne sie jemals davon überzeugen, dass Pike sich geändert habe, sagte sie. Und niemand erinnere sich an ihre Tochter. Gemäss der Statistik des Death Penalty Information Centers gingen bisher im Schnitt drei Prozent der Hinrichtungen schief, zumindest im ersten Versuch. 1982 etwa fing Frank Coppola auf dem elektrischen Stuhl in Virginia Feuer, ihm sollen dann zwei Stromstösse von 55 Sekunden Länge verabreicht worden sein.

Seit Jahren wird hauptsächlich Gift eingesetzt, doch Pharmaunternehmen haben die Verwendung ihrer Produkte bei Hinrichtungen eingeschränkt. Wie es jetzt mit Crista Pike weitergeht, ist unklar. Wird sie am Leben erhalten, um dann noch mal hingerichtet zu werden? Ihre Anwälte bitten Tennessees Gouverneur Lee, die Todesstrafe in eine lebenslange Haftstrafe umzuwandeln.

Sie habe bereits eine Bestrafung erlitten, die «schwerer wiegt als die jedes anderen Menschen in der Geschichte der amerikanischen Todesstrafe». Die Anwälte hatten schon vorher bezweifelt, dass die tödlichen Medikamente verabreicht werden könnte, ohne zu grosse Schmerzen zu verursachen. Es sei «grausam und qualvoll» gewesen, sagte der Anwalt Spivey. Und es sei vorhersehbar gewesen.

Christa Pike habe angesichts ihrer gesundheitlichen Verfassung darauf hingewiesen, dass sie einen qualvollen Tod erleiden würde.

«Doch der Staat und das Gericht taten Christas Bedenken als belanglos ab. » Ihn verfolge das.

«Als Bürger von Tennessee muss ich sagen: Dies ist im Namen von uns allen geschehen. » Was am Mittwoch geschah, sei eigentlich ihre grösste Angst gewesen, erklärte Stephen Ferrell, ein anderer Anwalt.

«Ich bin nicht der Meinung, dass mich jemand töten sollte, um mir beizubringen, dass es falsch ist, jemanden zu töten», sagte Christa Pike vorher, so berichtet die New York Times. «Ich werde nicht diejenige sein, die hier zurückbleibt und leiden muss, nachdem sie das getan haben. »

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