Keine Maskenpflicht in Läden und Schnelltests: gewichtige Akteure fordern von Bund und Kantonen eine neue Corona-Strategie. (Abo)
In Läden wie diesem im Kanton Zürich gilt Maskenpflicht. Der Gewerbeverband wehrt sich nun gegen die Massnahme.Ein Corona-Graben öffnet sich: Auf der einen Seite haben die Fallzahlen in Kantonen wie Waadt, Freiburg und Zürich ein bedrohliches Niveau erreicht.
Weshalb sich die kantonalen Gesundheitsdirektoren besorgt zeigen und die Maskenpflicht erweitern wollen.e, die aktuelle Corona-Strategie zu überdenken. Die Forderungen reichen von der Abschaffung der Maskenpflicht in Läden über die Zulassung von Schnelltests bis hin zur Verkürzung der Quarantäne. Dadurch entsteht eine breite Front, die Bund und Kantone kaum ignorieren können.irektor Hans-Ulrich Bigler prescht mit einem Brief an die kantonalen Gesundheitsdirektoren vor. Darin zielt er auf die Maskenpflicht in Läden, die in vielen Kantonen mittlerweile gilt: Es sei nicht nachvollziehbar, dass «einzelne Kantone das obligatorische Tragen von Masken in KMU-Geschäften wie Bäckereien oder im Gastgewerbe als obligatorisch erklärt haben», obwohl «die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln bereits durch strenge Schutzkonzepte eingehalten werden können», schreibt Bigler. Dies verstärke die virulent bestehende Verunsicherung der Bevölkerung. Gerade in Grenzgebieten, wo auf der einen Seite die Maske obligatorisch sei und auf der anderen nicht, werde ein beachtlicher Teil der Kunden aus den Schweizer Geschäften vertrieben. Dies wirksich laut Bigler bei den KMU mit Maskenpflicht massiv auf den Geschäftsgang der ohnehin gebeutelten Unternehmen aus.Auch Gewerkschaftsvertreter stellten die Maskenpflicht in Läden infrage. «Die Verhältnismässigkeit ist wichtig», sagt Pierre-Yves Maillard, Präsident des Gewerkschaftsbunds. Er gibt zu bedenken, dass selbst dort, wo das Obligatorium weit verbreitet sei, die Ansteckungszahlen hoch blieben.uisse, stört sich seinerseits am Vorgehen der Kantone: «Branchen und Sozialpartner haben für die Wiedereröffnung nach dem Lockdown Schutzkonzepte erarbeitet. Nun setzen sich die Kantone einfach darüber hinweg.»risten sehen Gewerbler, Politiker und Gewerkschafter Handlungsbedarf. In der Schweiz müssen Personen, die Kontakt mit einer infizierten Person hatten,Tage in Quarantäne. Bigler fordert in seinem Brief Bund und Kantone auf, Corona-Selbsttests und Massen-Schnelltests anzubieten. Der nahende Herbst werde eine Situation schaffen, in der eine Vielzahl von Viren zur gleichen Zeit wie Corona verbreitet würden. «Für die gesamte Wirtschaft, insbesondere aber für die KMU, ist es undenkbar, wenn Mitarbeitende unter Quarantäne gestellt würden wegen Symptomen, die mit denjenigen von Covid-19 verwechselt werden können.» Doch: Eine klare Unterscheidung zwischen Corona und anderen Viren sei nur mitCVP-Nationalrat Martin Candinas hat ähnliche Sorgen und deshalb eine Interpellation eingereicht. Darin fordert er «einfache, praxistaugliche Lösungen»sprich Schnelltests zugunsten einer verkürzten Quarantäne. «Gerade für das Gastgewerbe, den Tourismus und überall dort, wo Homeffice keine Option ist, bedeutet dies ein faktisches Berufsausführungsverbot.» Candinas will daher vom Bundesrat wissen, was dieser unternehme, damit Covid-19-Testresultate noch am selben Tag oder spätestens am nächsten Morgen vorlägen – damit Beschäftigte ohne Symptome bei negativem Testergebnis sofort wieder an ihren Arbeitsplatz dürften. In anderen Ländern werden Schnelltests längst angewandt, um die Quarantäne zu verkürzen oder sogar zu umgehen. Und der Schweizer Pharmakonzern Roche arbeitet mit Hochdruck an einem eigenen Schnelltest. «Er wird in den nächsten Tagen verfügbar sein», sagt Sprecher Nicolas Dunant. Der Test stelle das Virus fest, funktioniere ähnlich wie ein Schwangerschaftstest und liefere ohne Laborinfrastruktur bereits nach einer Viertelstunde das Resultat. Doch das Bundesamt für Gesundheit und die wissenschaftliche Corona-Taskforce sperren sich bis heute gegen Schnelltests. Taskforce-Mitglied und Epidemiologe Marcel Tanner räumt zwar ein, dass es schon zahlreiche Schnelltests gebe, aber diese seien zum Teil «noch nicht zertifiziert oder genügend validiert». Es müsse auch geprüft werden, ob sie praxistauglich seien. Laut Tanner wird es noch mehrere Wochen dauern, bis ein genügend validierter Schnelltest vorliegt.Auch Tourismusorganisationen machen Druck. Nicolo Paganini, Präsident des Schweizer Tourismus-Verbands, ist überzeugt, dass Tests und allenfalls Schnelltests eine Erleichterung für viele Unternehmen darstellen würden. Andere Staaten liessen Corona-Tests zu, um die Quarantäne zu verkürzen, was den Reisenden mehr Planungssicherheit gebe. «Und die ist für den Schweizer Tourismus wie für die Reisebranche vital.» Die Nöte der Reisebranche haben auch die Gewerkschaften erkannt. Für Pierre-Yves Maillard ist die aktuelle Quarantäneegel ein Problem. Lohnkürzungen und Stellenabbau drohten, sagt er. «Um das zu verhindern, brauchen wir in diesem Bereich neue Lösungen.» Darüber hinaus hat der Bundesrat auch Post vom Dachverband der Schweizerischen Luftfahrt Aerosuisse erhalten. Diese fordert darin: «Covid-19entren sind an den Landesflughäfen für abfliegende und ankommende Passagiere einzurichten.» Die Anerkennung eines negativen Resultats müsse zur Verkürzung oder gar der Aufhebung der Quarantänepflicht führen.«der grössten Krise der 100-jährigen Geschichte des Luftverkehrs». Nach einem «erfolgreichen Neustart» im Sommer seien wegen der uneinheitlichen Massnahmen zur Eindämmung der Epidemie die Buchungszahlen wieder stark eingebrochen. «Die sehr kurzfristigen Anpassungen, etwa bei der Liste der Risikoländer, haben massive Auswirkungen auf das Buchungsverhalten der Passagiere», sagt der SVP-Nationalrat.
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