Bei der ersten Sprachstandserhebung in Brugg haben 111 Familien teilgenommen, bei 46 Kindern wurde ein Förderbedarf festgestellt. Der Stadtrat hält die aktuellen Angebote für ungenügend und beabsichtigt, über gezielte Massnahmen zu beraten, da es bisher keine spezifischen Förderungen für die Erhebungsergebnisse gibt.
Bei der ersten Sprachstandserhebung in Brugg haben 111 Familien teilgenommen. Dabei wurde bei 46 Kindern ein Förderbedarf ermittelt. Der Stadtrat hält die bestehenden Angebote nach heutiger Einschätzung für ungenügend und will nun über mögliche Massnahmen beraten.
Die Stadt hat zwar einige Angebote, aber keine spezifischen Sprachfördermassnahmen, die auf die Erhebung ausgerichtet sind. Wie geht die Stadt Brugg mit den Ergebnissen der Sprachstandserhebung um? Welche Angebote gibt es für Kinder mit Förderbedarf – und reichen diese aus? Die Stadt hat sich an der ersten, noch nicht obligatorischen Erhebung im Januar 2026 beteiligt.
An dieser nahmen 111 von angeschriebenen 117 Familien teil. Die Rücklaufquote lag damit bei 94,9 Prozent. Bei 46 Kindern wurde ein Sprachförderbedarf festgestellt. Ab dem Schuljahr 2026/2027 ist die Erhebung verpflichtend und wird vom Kanton finanziert.
Die frühe Sprachförderung hingegen bleibt freiwillig. Über die konkreten Fördermassnahmen entscheiden wiederum die Gemeinden. Wie die Stadt Kinder mit Sprachförderbedarf künftig unterstützen will, steht noch nicht fest. Im Leitbild «frühe Kindheit» sind mögliche Handlungsfelder aufgeführt.
Das sind gezielte Sprachförderangebote für mehrsprachige Vorschulkinder, ein erleichterter Zugang zu den bestehenden Angeboten und die Weiterentwicklung der Laurstrasse 11 als niederschwelliger Begegnungsort für Familien. Verschiedene Möglichkeiten gibt es bereits. In privaten Spielgruppen, Kindertagesstätten und bei Tagesfamilien kommen Kinder im Alltag mit der deutschen Sprache in Kontakt. Die Stadtbibliothek bietet Leseanimationen an.
An der Laurstrasse 11, wo die Regionale Integrationsfachstelle Region Brugg ihren Sitz hat, finden Eltern-Kind-Treffs und «Spiel & Spass» statt. Dazu kommen Deutschkurse mit Kinderbetreuung und ein Eltern-Kind-Deutschkurs. Spezifische Sprachfördermassnahmen, die auf die Ergebnisse der Erhebung ausgerichtet sind, bestehen jedoch nicht. Und die bisherigen Angebote entsprechen aus Sicht der Exekutive nicht oder noch nicht den kantonalen Förderkriterien für die frühe Sprachförderung.
Nach den kantonalen Kriterien müssten die 46 Kinder mit festgestelltem Sprachförderbedarf mindestens zweimal pro Woche während 2,5 Stunden eine Institution mit früher Sprachförderung besuchen. Wie viele zusätzliche Plätze tatsächlich erforderlich sind, hängt laut Stadtrat davon ab, wie viele der Kinder bereits entsprechende Angebote besuchen und wie viele Familien die freiwillige Förderung in Anspruch nehmen. Würden hingegen alle betroffenen Kinder ein solches Angebot nutzen, ergäbe sich laut Stadtrat ein «erheblicher zusätzlicher Förderbedarf», heisst es.
Dass es Lücken gibt, wurde bereits vor der Erhebung im Leitbild «frühe Kindheit» festgehalten. Demnach seien die Spielgruppen gut ausgelastet, entsprechend begrenzt sei die Zahl der Plätze, erklärt die Stadt.
Zudem werden diese nicht subventioniert, was für Familien mit geringem Einkommen eine Hürde darstellt. Wird bei einem Kind Förderbedarf festgestellt, nimmt die RIF aktiv Kontakt mit der Familie auf. Sie berät die Eltern und zeigt Möglichkeiten auf, die zur jeweiligen Situation passen. Bei Bedarf zieht sie die Fachstelle interkulturelle Dolmetschende bei.
Alternativ führen Schlüsselpersonen das Gespräch in der Herkunftssprache. Auf Wunsch unterstützt die RIF die Eltern bei der Anmeldung. Schlüsselpersonen können sie zu einem Angebot begleiten, ergänzt der Stadtrat. Ob und in welcher Form die Stadt Familien mit geringem Einkommen zusätzlich unterstützt, wird im Rahmen der Massnahmenplanung geprüft.
Gemäss den kantonalen Vorgaben sollen die Elternbeiträge für Deutschförderangebote möglichst tief gehalten werden. Der Stadtrat will 2027 die bestehenden Angebote, den ausgewiesenen Förderbedarf sowie mögliche Massnahmen und deren Kostenfolgen beraten. Danach entscheidet er über das weitere Vorgehen. Doch was will die Stadt mit der Sprachstandserhebung langfristig erreichen?
Kinder mit Förderbedarf sollen früh erkannt werden, damit vor dem Kindergarteneintritt genügend Zeit für eine wirksame Förderung bleibt. Zugleich sollen möglichst alle Kinder mit ausreichenden Deutschkenntnissen in den Kindergarten eintreten. Die Ergebnisse dienen der Stadt zudem als Grundlage, um die Angebote der frühen Förderung bedarfsgerecht auszurichten.
Ob das gelingt, will der Stadtrat insbesondere daran messen, wie sich der Anteil der Kinder mit Sprachförderbedarf entwickelt, wie viele Familien die empfohlene Unterstützung nutzen und mit welchen sprachlichen Voraussetzungen die Kinder in den Kindergarten eintreten. Seit August muss die Stadt Brugg bei Kindern mit Förderbedarf genauer hinschauen. SP-Politikerin Salome Schneider Boye fragt, welche Massnahmen vorgesehen sind und ob die bestehenden Angebote ausreichen.
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Nun will der Kanton übernehmen, doch das löst Sorgen aus. Copyright © Aargauer Zeitung. Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Aargauer Zeitung ist nicht gestattet.
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