Seit 27 Jahren stehen Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg als Ohne Rolf auf der Bühne. Die Plakatkünstler erzählen von ihrer schlimmsten Panne, ihrer ungewöhnlichen Vierjahresplanung – und warum sie einen Therapeuten brauchen.
Seit 27 Jahren stehen Jonas Anderhub und Christof Wolfisberg als Ohne Rolf auf der Bühne. Die Plakatkünstler erzählen von ihrer schlimmsten Panne, ihrer ungewöhnlichen Vierjahresplanung – und warum sie einen Therapeuten brauchen.
Im Interview mit blue News sprechen sie über fast drei Jahrzehnte Zusammenarbeit, echte und inszenierte Pannen und ihren ungewöhnlichen Vierjahresplan. Zudem erzählen sie, warum sie trotz ausverkaufter Auftritte in China nie auf eine internationale Karriere gesetzt haben – und welche Nummer sie heute nicht mehr spielen würden.. Ich stelle euch in den nächsten 45 Minuten ganz viele Fragen. Und ihr antwortet bitte möglichst kurz und schnell.
Wenn euch eine Frage nicht passt, könnt ihr auch einmal «weiter» sagen. Kunst oder Gewohnheit? Frage-Antwort-Spiel «Bötschi fragt» regelmässig mit bekannten Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland. Er stellt ihnen ganz viele Fragen – immer direkt, oft lustig und manchmal auch tiefsinnig.
Dabei bleibt bis zur allerletzten Frage immer offen, wo das rasante Pingpong hinführt. Kann man sich nach 27 Jahren Zusammenarbeit überhaupt noch etwas sagen, das der andere noch nie gehört hat – und ihn damit überraschen?das jährliche Dinner-Spektakel im Casinotheater Winterthur. Bleibt ihr dabei konsequent stumm – oder darfst du, Christof, zwischendurch die Plakate weglegen und sprechen, wie du es alsChristof: Durch unser Stummsein bringen wir Ruhe in all das, was laut ist.
Wir schaffen zwischen all den Tönen und Worten immer wieder Momente der Stille. Ich glaube, das wird den «Stille Kracht»-Abenden guttun.
«Wir hatten am Anfang keine Ahnung, wohin uns das einmal führen würde»: Christof Wolfisberg und Jonas Anderhub sind seit 27 Jahren als Plakatkünstler-Duo Ohne Rolf unterwegs. Als ihr 1999 als Zauberduo auf der Strasse mit den ersten Plakaten experimentiert habt: Hättet ihr euch vorstellen können, dass ihr damit fast drei Jahrzehnte später noch immer auf der Bühne steht? Wir hatten keine Ahnung, wohin uns das einmal führen würde. Am Anfang wollten wir einfach etwas ausprobieren.
Wir hatten uns als Zauberkünstler kennengelernt und wollten auf der Strasse zaubern. Nur merkten wir schnell: Bevor wir den Leuten etwas vorführen können, müssen wir sie erst einmal dazu bringen, stehen zu bleiben. Also überlegten wir uns, wie wir ihre Aufmerksamkeit wecken könnten – und kamen auf die Idee mit den Plakaten. Darauf standen Sätze wie: «Beachten Sie uns nicht.
»Mit «Beachten Sie uns nicht» machten wir genau das Gegenteil von dem, was Strassenkünstler sonst machen – laut sein und rufen: Kommt, schaut her! Ich glaube, das war anlässlich der Expo.02 im Jahr 2002 in Yverdon-les-Bains. Dort bespielten wir in der Altstadt zwei Fenster mit A0-Plakaten, während uns unten auf dem Platz mehrere tausend Menschen zuschauten. Da dachten wir zum ersten Mal: Wir könnten versuchen, das weiterzutreiben.
Dieser Inhalt stammt von externen Anbietern wie YouTube, TikTok oder Facebook. Aktiviere bitte "Swisscom Werbung bei Dritten", um diesen Inhalt anzuzeigen. Was macht ihr, wenn euch während einer Vorstellung ein Fehler passiert? Habt ihr für solche Fälle Blätter neben euch, die ihr einfach einschieben könnt?
Das funktioniert ganz ähnlich wie bei unserem früheren Job als Zauberer. Da überlegt man sich im Vorfeld sehr genau, was während eines Abends alles passieren könnte. Bei Ohne Rolf versuchen wir, möglichst auf alles vorbereitet zu sein und das Risiko für unvorhergesehene Pannen so klein wie möglich zu halten. Eine Zeit lang hatten wir zum Beispiel für den Fall, dass jemand im Publikum niest, ein Blatt mit «Gesundheit!
» parat, das wir dann zücken konnten. In unserem Programm «Jenseitig», mit dem wir ab 2021 auf Tournee gingen, fragten wir jeweils einen Gast im Publikum nach seinem Sternzeichen. Nachdem die Person geantwortet hatte, blätterte ich weiter – und es erschien die Frage: «Was hat sie gesagt? » Dann blätterte Christof, und bei ihm erschien genau das Sternzeichen, das die Person gerade genannt hatte.
Das beeindruckte die Leute immer wieder. Aber du hast schon recht: Wir hatten natürlich auch schon Situationen, in denen etwas völlig Unvorhergesehenes passiert ist. Einmal ist mir auf der Bühne der Plakatständer zusammengekracht. Das Lustige daran: In unserem allerersten Bühnenprogramm hatten wir genau eine solche Panne inszeniert.
Und dann passierte sie mir tatsächlich – da waren wir schon etwas am Arsch. Zum Glück gerieten meine Plakate nicht allzu sehr durcheinander, und sie sind ja auch nummeriert. Trotzdem mussten wir die Show kurz unterbrechen. Wobei sich die Leute bei uns nie ganz sicher sein können, was geplant ist und was nicht.
Es gibt immer welche, die denken, auch eine solche Panne gehöre zur Show. Bei uns ist schliesslich alles vorgedruckt – und wir spielen ja auch immer wieder ganz bewusst mit Pannen. Ich sage immer, es ist wie bei einer Tanzchoreografie. Wenn Christof plötzlich dreimal blättert statt nur zweimal, spüre ich, ohne ihn überhaupt anzusehen, dass etwas nicht stimmt.
Wir können uns auch mit einem bestimmten Blick anschauen und wissen sofort: Etwas stimmt nicht. Und wenn der andere einmal nicht merkt, dass etwas schiefläuft, schnäuzen wir mit der Nase. Das ist sozusagen unser Geheimcode. Dann müssen wir versuchen, wieder zurückzufinden.
Manchmal merkt natürlich auch das Publikum: Einer von uns beiden war zu früh. Es gibt Fehler, die sofort sichtbar werden – etwa, wenn man den falschen Satz im falschen Moment zeigt. Das ist unangenehm. Der Worst Case war, als wir einmal eine Zuschauerin auf die Bühne holten und zwischen uns platzierten.
Da standen also drei Plakatständer da. Blöderweise waren mehrere Plakate falsch sortiert …Fakt ist: Ein Gast aus dem Publikum ist immer ein Risiko. Der weiss von nichts und macht einfach mit. Weil unsere Plakate falsch sortiert waren, ergab die Kommunikation aber gefühlte zwei, drei Minuten lang überhaupt keinen Sinn.
Christof und ich merkten das natürlich. Wir blätterten einfach weiter, als wäre nichts – derweil wir innerlich auf der Bühne fast gestorben sind.
«Wenn der andere einmal nicht merkt, dass etwas schiefläuft, schnäuzen wir mit der Nase. Das ist sozusagen unser Geheimcode»: Jonas Anderhub . Die Vierjahresplanung von Thomas Hermanns, dem Gründer des Quatsch Comedy Clubs in Hamburg. Wir sind dort vor vielen Jahren einmal aufgetreten, und er gab uns den Rat, unsere Zusammenarbeit immer für vier Jahre zu planen.
Seither produzieren wir in diesem Rhythmus ein neues Bühnenprogramm. Danach setzen wir uns zusammen und fragen uns: Haben wir noch Lust auf Ohne Rolf? Wollen wir weitermachen? Wenn wir beide Ja sagen, verpflichten wir uns wieder für die nächsten vier Jahre.
Das gibt uns Sicherheit, weil jeder weiss, dass der andere nicht plötzlich davonläuft. Schliesslich sind Jonas und ich beruflich existenziell voneinander abhängig. Nach einer Vierjahresphase haben wir uns auch schon ein halbes Jahr Pause gegönnt. Dann hat jeder wieder etwas mehr Raum für sich und kann auch einmal etwas anderes machen.
Bevor wir mit Ohne Rolf angefangen haben, sagten uns einige Leute: «Vergesst das mit den Plakaten. Das wird nicht funktionieren. Und wenn überhaupt, dann vielleicht 15 Minuten – aber sicher nicht während eines ganzen Abends. » Genau das hat uns erst recht angespornt.
Wir wollten beweisen, dass unsere Idee trägt – und dass man mit diesen Plakaten sehr wohl einen ganzen Abend füllen kann. Ein Beitrag geteilt von Casinotheater Winterthur Das Thema «Gendern» beschäftigt uns immer wieder, gerade bei älteren Programmen, die wir heute aber nur noch selten spielen. Da müssten wir eigentlich nochmals über die Texte gehen. Bei unserer Kunstform ist das allerdings nicht ganz einfach: Gendern benötigt auf den Plakaten mehr Platz, und das Sternli fällt schnell aus dem Rahmen.
Da muss man eine elegante Lösung finden. Gendern sollte ganz selbstverständlich passieren – so wie beim Licht im Theater: Es soll gut gemacht sein, ohne dass es auffällt. In unserem Programm «Seitenwechsel» aus dem Jahr 2016 gab es eine Szene, in der ich einen chinesischen Therapeuten als Figur spielte – und zwar mit dem klassischen L-Fehler. Ich finde, das geht heute nicht mehr.
Deshalb haben wir die Szene ersatzlos gestrichen. Die Frage ist immer, was man als Kunstschaffender erreichen will. Meine Frau und ich wurden vor 15 Jahren zum ersten Mal Eltern. Nach unseren Auftritten in China meinte der Veranstalter, er könnte uns eine zweimonatige Tournee organisieren.
Da sagte ich zu Jonas: Für mich ist das keine Option. Gereizt hätte es mich schon, mit dem, was wir machen, auch einmal auf Europa- oder sogar Welttournee zu gehen. Aber damals passte das einfach nicht zu meinem Leben. Bei mir ist die Situation heute genau umgekehrt.
Ich habe jetzt ein kleines Kind, deshalb kommt es für mich momentan nicht infrage, monatelang auf Tournee unterwegs zu sein. Einzelne Auftritte im Ausland würden mich aber durchaus reizen – zum Beispiel am Fringe Festival in Edinburgh. Oder einmal in New York für zehn Minuten in einem Stand-up-Club auf der Bühne zu stehen und zu schauen, wie die Leute auf uns reagieren. … aber unsere Prioritäten waren bisher immer andere.
Auch als wir 2010 das Zentralschweizer Atelierstipendium in New York bekamen und mehrere Wochen in Manhattan leben konnten, um neue künstlerische Impulse zu sammeln, sind wir dort nicht aufgetreten. Aber es ist eine gute Geschichte. Und wir haben dabei gemerkt, dass sich alltägliche Dialoge kaum für die Bühne eignen. Man muss sie dramatisieren, sonst sind sie zu langweilig.
«Mal bin ich der Bad Cop und Jonas der Good Cop – und beim nächsten Mal ist es genau umgekehrt»: Christof Wolfisberg . Von Jonas habe ich gelernt, auch einmal zu sagen: Jetzt ist gut, das reicht. Er kann die Dinge sehr gut relativieren. Ich glaube, diese Rollen wechseln bei uns ständig.
Mal bin ich der Bad Cop und Jonas der Good Cop – und beim nächsten Mal ist es genau umgekehrt. Mit ihm arbeiten wir seit vielen Jahren an unseren Produktionen. Die Grundideen für unsere Bühnenprogramme kommen zwar von Christof und mir, aber beim Schreiben und bei der Dramaturgie spannen wir mit Dominique zusammen. Oder sagen wir es so: Er ist unser Therapeutist das alljährliche Weihnachts-Dinner-Spektakel im Casinotheater Winterthur, diesmal vom 19.
November bis 19. Dezember 2026. Diesmal führen Ohne Rolf als Gastgeber durch den Abend. Tickets gibt esSimon Enzler ist der Komiker, der am schönsten fluchen kann.
Dass der Kabarettist aus dem Kanton Appenzell Innerrhoden aber auch ruhig und geduldig sein kann, beweist er Bruno Bötschi beim Fliegenfischen.
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