Bis zu 900'000 wechseln die Krankenkasse

Krankenkassen Nachrichten

Bis zu 900'000 wechseln die Krankenkasse
Umfrage, Gesundheitswesen, Private Finanzplanung

Nach dem Prämienanstieg dürften laut Deloitte erneut viele Versicherte die Kasse prüfen. Im Schnitt lassen sich rund 700 Franken im Jahr sparen.

Auf den Prämienschock folgt der Kassenwechsel. Immerhin lässt sich damit im Schnitt rund 700 Franken im Jahr einsparen. Es ist ein runder Geburtstag, doch so richtig in Feierlaune ist niemand: Denn seit der Einführung der obligatorischen Krankenversicherung vor 30 Jahren kennen die Prämien nur eine Richtung: nach oben.

Die Prämienlast hat sich für die Versicherten in dieser Zeit im Schnitt fast verdreifacht. Und ein Ende des Kosten- und folglich Prämienanstiegs ist nicht abzusehen. Per Anfang 2027 rechnet Gesundheitsministerin Elisabeth Baume-Schneider mit einem Aufschlag von 5 Prozent, wie sie diese Woche bekannt gab. Für die Versicherten heisst das nun: prüfen, vergleichen – und allenfalls Kasse wechseln.

Denn das lohnt sich, wie Krankenversicherungsexperte Marcel Thom vom Beratungsunternehmen Deloitte mit Verweis auf seine neuste Studie festhält.

«Das durchschnittliche Einsparpotenzial für eine erwachsene Person liegt diesmal bei 702 Franken pro Jahr. » Hochgerechnet auf die erwachsene Bevölkerung im Lande entspricht dies einem möglichen Spareffekt von 5,3 Milliarden Franken. Das sind Durchschnittswerte. Je nach Prämienregion und aktuellem Versicherungsmodell können die «potenziellen persönlichen Ersparnisse höher oder tiefer ausfallen», präzisiert Thom.

Zudem dürfte das Sparpotenzial ungleich verteilt sein. Die geübten Kassenwechsler, die jedes Jahr das günstigste Angebot wählten, seien bereits «voll optimiert», während bei anderen durchaus Einsparungen von jährlich 1000 Franken und mehr drin liegen könnten. Wer sein Optimierungspotenzial voll ausschöpfen will, muss in der Deloitte-Logik nicht nur bereit sein, den Anbieter zu wechseln, sondern auch das Versicherungsmodell.

Im Extremfall kann das einen Abschied vom Standardmodell mit freier Arztwahl zu einem Angebot bedeuten, bei dem die Versicherten zuerst eine App mit einem Symptom-Checker konsultieren müssen, bevor sie den Hausarzt oder die Telemedizin-Zentrale kontaktieren dürfen.

«Die Frage ist, ob man das wirklich will», betont Thom. Er empfiehlt deshalb allen Wechselwilligen, zuerst genau zu prüfen, welche Spielregeln das vermeintlich günstige Modell vorgibt. Grundsätzlich sei das Einsparpotenzial für die Versicherten in diesem Prämienherbst wieder etwas grösser, sagt Thom.

«Aber der Vergleich zwischen den Angeboten ist angesichts all dieser neuen Produkte auch schwieriger geworden. »Dennoch: Es wird auch heuer viele Wechsel geben. Mittlerweile prüften bereits 58 Prozent jedes Jahr ihre Krankenversicherung, wie aus einer repräsentativen Umfrage hervorgeht, welche das Institut Yougov im dritten Quartal 2026 Auftrag von Deloitte durchgeführt hat.

«Der jährliche Vergleich ist zur Routine geworden», sagt Thom. Gleichzeitig ist die Preissensitivität gestiegen. Knapp die Hälfte der Befragten erwägt einen Kassenwechsel bereits bei einer monatlichen Prämienerhöhung von bis zu 20 Franken. Vor einem Jahr war dies erst bei einem guten Drittel der Fall, wie aus einer früheren Umfrage hervorgeht.

Aufgrund all dieser Entwicklungen gehen die Experten bei Deloitte davon aus, dass die Wechselquote zwischen 7 und 9 Prozent betragen dürfte. Damit würden zwischen 600'000 und 900'000 Menschen die Kasse wechseln. In diesen Zahlen nicht eingerechnet sind all jene, die bei ihrem Versicherer bleiben, aber die Franchise erhöhen oder sich für ein anderes Modell entscheiden. Die Deloitte-Studie hat auch ausgerechnet, wohin es die vielen Wechselwilligen hinziehen könnte.

Oder anders gesagt: Welche der 13 grössten Kassen der Schweiz aufgrund ihrer Prämien die attraktivsten sind. Die Kurzantwort: In diesem Herbst haben vier mittelgrosse die Nase vorn: Sanitas, Concordia, ÖKK und KPT. Die allerbesten Karten hat Sanitas. Die Kasse gehört in der Hälfte der 42 Prämienregionen in Bezug auf den Preis zu den attraktivsten drei Versicherungen, in 35 Prämienregionen beträgt ihr Rückstand auf die allergünstigste Prämie weniger als 20 Franken.

Am anderen Ende der Skala ist Sympany. Die Kasse schafft es nur in zwei Prämienregionen aufs Podest. In 32 Regionen musste sie in der Rangliste der günstigsten Prämien Plätze abgeben. Die steigenden Gesundheits- respektive Prämienkosten sind ein Dauerbrenner und dominieren seit Jahren das UBS-Sorgenbarometer.

Das mag ein Grund sein, wieso eine Mehrheit mittlerweile bereit ist, Massnahmen zu akzeptieren, die den Prämienanstieg dämpfen könnten. Im Gegenzug für tiefere Prämien würden gemäss der Deloitte-Umfrage 56 Prozent eine Generika-Pflicht akzeptieren, 54 Prozent jährliche verbindliche Check-ups und 50 Prozent Mehrjahresverträge für die Grundversicherung. Mit Einschränkungen bei der Arztwahl kann sich hingegen nur rund ein Fünftel anfreunden, etwa gleich unpopulär ist die Erhöhung der Maximalfranchise auf 3500 Franken. Ungebrochen hoch bleibt hingegen die Zustimmung zur Einheitskasse.

Erneut sprechen sich 69 Prozent dafür aus. Die obligatorische Grundversicherung wurde aber nicht nur teurer, sie wurde auch immer umfassender: Der Leistungskatalog wurde über die Jahre massiv ausgebaut. Im Gegensatz zu 1996 können heute etwa Psychotherapie, Angehörigenpflege und Abnehmspritzen über die Grundversicherung abgerechnet werden.

Zudem haben sich in den vergangenen 30 Jahren auch die erzielten Resultate spürbar verbessert: Die Säuglingssterblichkeit etwa ist um 20 Prozent gefallen, die Überlebensrate bei einem Tumor um 20 Prozent gestiegen. Und die Lebenserwartung um 5 Jahre. Die Krankenkassen im Aargau steigen 2027 um 5,6 Prozent. Prüfen Sie hier, wie viel Ihre Krankenkasse aufschlägt, und vergleichen Sie mit anderen Kassen.

In welchem Kanton der Prämienschock am grössten ist – und was Linderung bringen soll 2027 schlagen die Krankenkassenprämien im Schnitt um 5 Prozent auf. Besonders stark angestiegen sind die Kosten in der Angehörigenpflege und bei der Psychotherapie. Die wichtigsten Fragen und Antworten. Wegen Ozempic: McDonald's stellt sein Angebot um – was nun anders wird Der Fast-Food-Gigant aus den USA reagiert mit einem neuen Menü-Angebot auf den Boom der Abnehmspritzen.

Für die neue Strategie werden 8,5 Milliarden US-Dollar ausgegeben. Copyright © Aargauer Zeitung. Alle Rechte vorbehalten. Eine Weiterverarbeitung, Wiederveröffentlichung oder dauerhafte Speicherung zu gewerblichen oder anderen Zwecken ohne vorherige ausdrückliche Erlaubnis von Aargauer Zeitung ist nicht gestattet.

Wir haben diese Nachrichten zusammengefasst, damit Sie sie schnell lesen können. Wenn Sie sich für die Nachrichten interessieren, können Sie den vollständigen Text hier lesen. Weiterlesen:

CH_Wochenende /  🏆 44. in CH

Umfrage Gesundheitswesen Private Finanzplanung Deloitte Elisabeth Baume-Schneider

 

Switzerland Neuesten Nachrichten, Switzerland Schlagzeilen

Similar News: Sie können auch ähnliche Nachrichten wie diese lesen, die wir aus anderen Nachrichtenquellen gesammelt haben.

So können Sie die Krankenkasse wechseln - BAGSo können Sie die Krankenkasse wechseln - BAGDas Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat ein Faktenblatt veröffentlicht, das den Prozess des Wechsels der Krankenkasse in der Schweiz erläutert. Es geht insbesondere auf die Fristen für die Kündigung ein, wobei das BAG rät, die Kündigung bis spätestens zwei Wochen vor Ablauf der gesetzlichen Frist zu senden, um sicherzustellen, dass sie rechtzeitig bei der aktuellen Kasse ankommt. Zudem wird erklärt, dass der Kassenwechsel aufgrund eines Schuldenbeits auf Ende Jahr nicht zulässig ist und dass Zusatzversicherungen unabhängig von der Grundversicherung gekündigt werden können, jedoch mit möglicherweise abweichenden Fristen. Das BAG stellt auch einen Prämienrechner bereit, um das Sparpotenzial eines Wechsels zu berechnen.
Weiterlesen »

Krankenkasse wechseln: Die häufigsten Fehler und wie Sie sie vermeidenKrankenkasse wechseln: Die häufigsten Fehler und wie Sie sie vermeidenEin Leitfaden zur Auswahl der richtigen Krankenkassen-Franchise und -Modelle, zur Vermeidung von Kündigungsfehlern und zur Optimierung von Zusatzversicherungen.
Weiterlesen »

Deloitte rechnet mit bis zu 900'000 KassenwechselnDeloitte rechnet mit bis zu 900'000 KassenwechselnDas Beratungsunternehmen Deloitte rechnet laut einer aktuellen Umfrage mit einem Wechsel der Krankenkasse von 600'000 bis 900'000 Versicherten. Die jährlich wiederkehrende Prämienerhöhungen hat die Bevölkerung preissensitiver gemacht, wie das Unternehmen schreibt.
Weiterlesen »

Prämien-Frust wächst: Bis zu 900'000 Schweizer wollen die Krankenkasse wechselnPrämien-Frust wächst: Bis zu 900'000 Schweizer wollen die Krankenkasse wechselnSchon 20 Franken mehr pro Monat reichen – fast die Hälfte der Versicherten denkt dann sofort ans Wechseln.
Weiterlesen »