Innerhalb von zehn Minuten entschied sich Gesundheitsminister Alain Berset im März dazu, die Schulen in der Schweiz zu schliessen. Vorausgegangen waren diesem Entscheid unterschiedliche Ansichten über die Lage in der Schweiz.
Der Covid-19-Delegierte des Bundes wehrte sich lange Zeit gegen radikalere Massnahmen.KEYSTONEWie ein neues Buch zeigt, waren Alain Berset und Daniel Koch zu Beginn der Pandemie nicht immer einer Meinung.
Am 12. März beschloss der Bundesrat schliesslich innerhalb von zehn Minuten die Schliessung aller Schweizer Schulen. Der Schweizer Bevölkerung ist Daniel Koch, ehemaliger Leiter der Abteilung für übertragbare Krankheiten des BAG, inzwischen fast nur noch als Mister Corona bekannt. An der Seite von Bundesrat Alain Berset informierte er in Zeiten des Lockdowns über die Coronavirus-Pandemie und ihre Folgen für die Schweiz. Zu Beginn der Krise erfolgten diese Informationen mehrheitlich zurückhaltend. Der Gesundheitsminister und Daniel Koch waren damals allerdings keineswegs immer einer Meinung, wie ein neuesEnde Januar noch hielt Daniel Koch die Maskenpflicht für masslos übertrieben. Am Tag nach dem Lockdown in Wuhan sagte der spätereKoch lehnte Hilfe von Epidemologen ab Epidemologen wie Marcel Salathé oder Christian Althaus warnten sehr früh vor einer unkontrollierbaren Ausbreitung des Coronavirus und boten dem BAG ihr Wissen und ihre Mithilfe an. Daniel Koch lehnte das Angebot ab. Auch im Nachhinein betrachtet sieht Koch das nicht als Fehler. Er habe die Kritik der Wissenschaftler «nicht hilfreich» gefunden, sagte er in einem Interview für das Buch. Schliesslich war es Alain Berset, der Kochs Beschwichtigungskurs nicht mehr mittrug. Bei einer Krisensitzung mit den Gesundheitsministern der Nachbarstaaten in Rom Ende Februar sei ihm klar geworden, «dass die Situation in Italien ausser Kontrolle geraten ist». In der Schweiz allerdings wurden radikale Massnahmen noch immer zu verhindern versucht.Mitte März wurde Covid-19 von der WHO zur Pandemie erklärt. Daniel Koch reiste damals ins Tessin, wo die Regierung bereits den Notstand verhängt hatte. Auch die obligatorischen Schulen im Kanton sollten geschlossen werden – wogegen sich Mister Corona erfolgreich wehrte. Der Bund habe empfohlen, die obligatorischen Schulen offen zu halten, erklärte Koch damals in Bellinzona. Knapp 24 Stunden lang trug Alain Berset diesen Kurs noch mit. Der Donnerstag, 12. März, war «der Tag, an dem sich die Dinge wirklich änderten», sagte Berset. Er erfuhr spätabends von der Lage in Frankreich. Das Nachbarland hatte soeben die Schliessung aller Schulen verkündet. Nach einer neuen Einschätzung könnten Kinder das Coronavirus häufiger übertragen, als bis dahin bekannt, erklärte Bersets französischer Amtskollege dem Schweizer Gesundheitsminister am Telefon. Innerhalb von zehn Minuten schliesslich fiel an diesem Donnerstagabend in Bern der Entscheid, auch in der Schweiz die Schulen zu schliessen. Er sei überzeugt gewesen, dass die meisten Länder in Europa dem französischen Beispiel folgen würden, erklärte Berset. «Manchmal ist es sinnlos, gegen den Strom zu schwimmen», sagte er. Wie fast überall auf dem Kontinent fand der Schulunterricht in der Schweiz daraufhin innerhalb von wenigen Tagen nur noch zu Hause statt.
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