Die Schweizer Kultairline war nicht nur eine Fluggesellschaft, sie stand für das Selbstverständnis der Schweiz. Ihr Niedergang schockte das Land.
Als die stolze Swissair unterging: Diese Bilder vergisst die Schweiz nicht Die Schweizer Kult-Airline war nicht nur eine Fluggesellschaft, sie stand für das Selbstverständnis der Schweiz.
Ihr Niedergang schockte das Land. Abbild des Niedergangs: Demontierte Swissair-Buchstaben und ein Schweizer Kreuz liegen nach dem Abbau am Flughafen Zürich-Kloten auf dem Boden .vor 25 Jahren verlor die Schweiz mehr als eine Fluggesellschaft. Während Jahrzehnten hatte die Airline als nationales Aushängeschild gegolten und Schweizer Werte verkörpert: zuverlässig, international, finanzstark. Dann, am 2.
Oktober 2001, war plötzlich Schluss, die Flugzeuge mit dem Schweizer Kreuz blieben am Boden – wegen Geldproblemen. Die Krise hatte sich über längere Zeit abgezeichnet. Für viele kam der Zusammenbruch dennoch überraschend. Wegen ihrer Finanzkraft hatte die Fluggesellschaft lange den Beinamen «fliegende Bank» getragen.
Das Land war bis in sein Selbstverständnis erschüttert. Der Niedergang der Swissair war nicht nur der Tod einer Firma, sondern der Untergang eines Mythos. Wir zeigen1931 wird die Schweizer Fluggesellschaft gegründet: Hier die legendäre DC-4, das erste viermotorige Flugzeug der Swissair, über den Wolkenkratzern von New York auf einer undatierten Aufnahme. Ein Meilenstein: Der erste Boeing-747-Jumbo-Jet der Swissair samt Crew auf dem Flughafen Genf-Cointrin im März 1971.
Das Bild entsteht anlässlich eines Pressefluges Zürich-Genf-Italien-Spanien. Fliegen galt früher als exklusives Erlebnis – besonders in der First Class: Eine Stewardess serviert das Essen in der ersten Klasse einer Swissair MD-11, aufgenommen am 15. Dezember 1999. Die Swissair ist bekannt für ihren exzellenten Service: Ein Grüezi, ein Kaffee, und ab gehts in die Metropolen der Welt.
Auch in der Holzklasse, wie hier im Jahr 1999. Das Grounding – Absturz eines nationalen Symbols Unvergessene Bilder: Am 2. Oktober bleiben rund 260 Swissair-Maschinen am Boden. Der Airline fehlt das Geld für den Treibstoff.
Rund 19’000 Passagierinnen und Passagiere stranden. Das Drama hat sich über längere Zeit angebahnt. Nicht der Auslöser für den Niedergang, aber eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Swissair: 1998 stürzt Flug 111 vor Halifax in Kanada in den Atlantik. Alle 229 Menschen an Bord kommen ums Leben.
Im Bild zwei Ermittler der kanadischen Sicherheitsbehörde vor dem rekonstruierten Bugbereich. Verhängnisvolles Missmanagement: Unter Chef Philippe Bruggisser verfolgt die Swissair mit der «Hunter»-Strategie einen aggressiven, risikoreichen Expansionskurs und kauft zahlreiche defizitäre Airlines auf. Diesekostet Bruggisser im Januar 2001 den Job. Auf ihn folgt Mario Corti.
Bruggisser sei «ein Zahlengenie, ein absoluter Herrscher gewesen, der als Einziger den Konzern überblickt hatte. Dieser war aus Steuergründen in 260 Einzelfirmen aufgespalten worden»,. Im Bild: Bruggisser 1999 mit dem damaligen Chef der polnischen Airline LOT, nachdem die Swissair 10 Prozent der Fluggesellschaft übernommen hatte. Auf den Höhenflug folgt die finanzielle Bruchlandung: Am Montag, 1.
Oktober 2001, informieren Wirtschaftspersönlichkeiten, darunter Swissair-Chef Mario Corti und UBS-Chef Marcel Ospel, über das Projekt «Phoenix», mit dem der Flugbetrieb aufrechterhalten werden soll. UBS-Chef Marcel Ospel und CS-Chef Lukas Mühlemann wollen für Liquidität sorgen. Das Geld reicht gerade mal für die morgendlichen Flüge am Dienstag, 2. Oktober.
Denn das Geld ist laut UBS nicht fürs Tagesgeschäft gedacht. Die Swissair kann das Kerosin nicht mehr bezahlen. Der Bundesrat tobt.
«Luftfahrt heisst in der Luft fahren, nicht am Boden stehen», schilt Finanzminister Kaspar Villiger später die UBS. Ospel sei am Dienstag nicht einmal erreichbar gewesen. Stattdessen habe er sich «irgendwo auf einem Flug nach Übersee» befunden. Das veranlasst den damaligen Bundespräsidenten Moritz Leuenberger zur Aussage: «Der Wirtschaftsführer fährt in der Luft, und der Bundesrat geht in die Luft.
»Dass die Flieger gegroundet werden, haben trotzdem die wenigsten wirklich für denkbar gehalten. Die Schweiz und die Swissair – sie wurden bis dahin im selben Atemzug genannt.
«Sehr geehrte Fluggäste. Aus finanziellen Gründen ist es der Swissair nicht mehr möglich, Flüge durchzuführen», informiert eine Ansagerin mit zittriger Stimme über die Lautsprecheranlage im Flughafen.
«Ungläubig schauen sich Journalisten und Reisende an. Die Swissair ist tot» , schrieb der Redaktor dieser Zeitung damals. Das Personal greift angesichts der dramatischen Lage der Swissair zu verzweifelten Massnahmen. Am 3.
Oktober marschiert es am Flughafen Zürich auf, um auf seine Situation aufmerksam zu machen. Am 4. Oktober versammeln sich rund 5000 bis 7000 Swissair-Angestellte auf dem Bundesplatz in Bern. Die Demonstrierenden wollen die Schliessung der Swissair verhindern.
Ihre Wut richtet sich auch gegen die Banken. Diese Redaktion schreibt damals über den Protest: «Steinern blicken die Hausfassaden auf den Bundesplatz: Nationalbank, Credit Suisse, Berner Kantonalbank sowie, leicht nach hinten versetzt, die UBS. Dass die Swissair zur ambulanten Selbstvergewisserung geraten könnte, gleichsam zum Symbol der Schweiz schlechthin in unwirschen Zeiten: Die Banken haben es, trotzt Hundertschaften von PR-Beratern, nicht realisiert. »Panorama der Verzweiflung – und ein Funken Hoffnung: Am 22.
Oktober 2001 präsentieren die Verantwortlichen einen Rettungsplan für die Swissair. Mit Kaspar Villiger , Moritz Leuenberger und Pascal Couchepin treten gleich drei Bundesräte vor die Medien. Vor Ort sind auch UBS-Chef Marcel Ospel und Nestlé-Präsident Rainer E. Gut. Das Rettungspaket aus staatlichen und privatwirtschaftlichen Geldern umfasst rund 4,2 Milliarden Franken.
Der Name, den die neue Fluggesellschaft tragen soll, ist noch nicht bekannt. Kurz ist auch die Swissair-Tochter Crossair als nationale Fluggesellschaft im Gespräch.gemeinsam mit anderen Ex-Managern 2,75 Millionen Franken zurückzahlensagt Corti 2011: «Es bestanden und bestehen keine Zweifel, dass eine Rettung der Swissair-Gruppe auch nach den tragischen Ereignissen des 11. September möglich war. »Ende Januar 2002 ist klar: Aus der Swissair wird die Swiss.
Nach der metaphysischen Demontage der Schweizer Ikone folgen die realen Abbrucharbeiten, wie hier am 27. März 2002 am Terminal A des Flughafens Zürich. Ein Jahr nach dem Grounding wird das Tafelsilber verscherbelt: Bei der Liquidation in Bassersdorf kommen unter anderem 360’000 Teile versilbertes First-Class-Tafelbesteck, 720’000 Hutschenreuther Porzellanteile, 120’000 Kristallgläser und 160’000 Flaschen Rot- und Weisswein unter den Hammer. Das Swissair-Bordmaterial ist begehrt: Am ersten Tag derDer Neuanfang: Am 31.
Januar 2002 präsentieren die Verantwortlichen das Logo der neuen nationalen Fluggesellschaft Swiss. Entworfen hat es der kanadische Stardesigner Tyler Brûlé . Abbild des Niedergangs: Demontierte Swissair-Buchstaben und ein Schweizer Kreuz liegen nach dem Abbau am Flughafen Zürich-Kloten auf dem Boden .1931 wird die Schweizer Fluggesellschaft gegründet: Hier die legendäre DC-4, das erste viermotorige Flugzeug der Swissair, über den Wolkenkratzern von New York auf einer undatierten Aufnahme.
Ein Meilenstein: Der erste Boeing-747-Jumbo-Jet der Swissair samt Crew auf dem Flughafen Genf-Cointrin im März 1971. Das Bild entsteht anlässlich eines Pressefluges Zürich-Genf-Italien-Spanien. Fliegen galt früher als exklusives Erlebnis – besonders in der First Class: Eine Stewardess serviert das Essen in der ersten Klasse einer Swissair MD-11, aufgenommen am 15. Dezember 1999.
Die Swissair ist bekannt für ihren exzellenten Service: Ein Grüezi, ein Kaffee, und ab gehts in die Metropolen der Welt. Auch in der Holzklasse, wie hier im Jahr 1999. Foto: Ullstein Bild / Getty Images Unvergessene Bilder: Am 2. Oktober bleiben rund 260 Swissair-Maschinen am Boden.
Der Airline fehlt das Geld für den Treibstoff. Rund 19’000 Passagierinnen und Passagiere stranden. Das Drama hat sich über längere Zeit angebahnt. Nicht der Auslöser für den Niedergang, aber eine der schwersten Krisen in der Geschichte der Swissair: 1998 stürzt Flug 111 vor Halifax in Kanada in den Atlantik.
Alle 229 Menschen an Bord kommen ums Leben. Im Bild zwei Ermittler der kanadischen Sicherheitsbehörde vor dem rekonstruierten Bugbereich. Verhängnisvolles Missmanagement: Unter Chef Philippe Bruggisser verfolgt die Swissair mit der «Hunter»-Strategie einen aggressiven, risikoreichen Expansionskurs und kauft zahlreiche defizitäre Airlines auf. Diesekostet Bruggisser im Januar 2001 den Job.
Auf ihn folgt Mario Corti. Bruggisser sei «ein Zahlengenie, ein absoluter Herrscher gewesen, der als Einziger den Konzern überblickt hatte. Dieser war aus Steuergründen in 260 Einzelfirmen aufgespalten worden»,. Im Bild: Bruggisser 1999 mit dem damaligen Chef der polnischen Airline LOT, nachdem die Swissair 10 Prozent der Fluggesellschaft übernommen hatte.
Auf den Höhenflug folgt die finanzielle Bruchlandung: Am Montag, 1. Oktober 2001, informieren Wirtschaftspersönlichkeiten, darunter Swissair-Chef Mario Corti und UBS-Chef Marcel Ospel, über das Projekt «Phoenix», mit dem der Flugbetrieb aufrechterhalten werden soll. UBS-Chef Marcel Ospel und CS-Chef Lukas Mühlemann wollen für Liquidität sorgen. Das Geld reicht gerade mal für die morgendlichen Flüge am Dienstag, 2.
Oktober. Denn das Geld ist laut UBS nicht fürs Tagesgeschäft gedacht. Die Swissair kann das Kerosin nicht mehr bezahlen. Der Bundesrat tobt.
«Luftfahrt heisst in der Luft fahren, nicht am Boden stehen», schilt Finanzminister Kaspar Villiger später die UBS. Ospel sei am Dienstag nicht einmal erreichbar gewesen. Stattdessen habe er sich «irgendwo auf einem Flug nach Übersee» befunden. Das veranlasst den damaligen Bundespräsidenten Moritz Leuenberger zur Aussage: «Der Wirtschaftsführer fährt in der Luft, und der Bundesrat geht in die Luft.
»Dass die Flieger gegroundet werden, haben trotzdem die wenigsten wirklich für denkbar gehalten. Die Schweiz und die Swissair – sie wurden bis dahin im selben Atemzug genannt.
«Sehr geehrte Fluggäste. Aus finanziellen Gründen ist es der Swissair nicht mehr möglich, Flüge durchzuführen», informiert eine Ansagerin mit zittriger Stimme über die Lautsprecheranlage im Flughafen.
«Ungläubig schauen sich Journalisten und Reisende an. Die Swissair ist tot» , schrieb der Redaktor dieser Zeitung damals. Das Personal greift angesichts der dramatischen Lage der Swissair zu verzweifelten Massnahmen. Am 3.
Oktober marschiert es am Flughafen Zürich auf, um auf seine Situation aufmerksam zu machen. Am 4. Oktober versammeln sich rund 5000 bis 7000 Swissair-Angestellte auf dem Bundesplatz in Bern. Die Demonstrierenden wollen die Schliessung der Swissair verhindern.
Ihre Wut richtet sich auch gegen die Banken. Diese Redaktion schreibt damals über den Protest: «Steinern blicken die Hausfassaden auf den Bundesplatz: Nationalbank, Credit Suisse, Berner Kantonalbank sowie, leicht nach hinten versetzt, die UBS. Dass die Swissair zur ambulanten Selbstvergewisserung geraten könnte, gleichsam zum Symbol der Schweiz schlechthin in unwirschen Zeiten: Die Banken haben es, trotzt Hundertschaften von PR-Beratern, nicht realisiert. »Panorama der Verzweiflung – und ein Funken Hoffnung: Am 22.
Oktober 2001 präsentieren die Verantwortlichen einen Rettungsplan für die Swissair. Mit Kaspar Villiger , Moritz Leuenberger und Pascal Couchepin treten gleich drei Bundesräte vor die Medien. Vor Ort sind auch UBS-Chef Marcel Ospel und Nestlé-Präsident Rainer E. Gut. Das Rettungspaket aus staatlichen und privatwirtschaftlichen Geldern umfasst rund 4,2 Milliarden Franken.
Der Name, den die neue Fluggesellschaft tragen soll, ist noch nicht bekannt. Kurz ist auch die Swissair-Tochter Crossair als nationale Fluggesellschaft im Gespräch.gemeinsam mit anderen Ex-Managern 2,75 Millionen Franken zurückzahlensagt Corti 2011: «Es bestanden und bestehen keine Zweifel, dass eine Rettung der Swissair-Gruppe auch nach den tragischen Ereignissen des 11. September möglich war. »Ende Januar 2002 ist klar: Aus der Swissair wird die Swiss.
Nach der metaphysischen Demontage der Schweizer Ikone folgen die realen Abbrucharbeiten, wie hier am 27. März 2002 am Terminal A des Flughafens Zürich. Ein Jahr nach dem Grounding wird das Tafelsilber verscherbelt: Bei der Liquidation in Bassersdorf kommen unter anderem 360’000 Teile versilbertes First-Class-Tafelbesteck, 720’000 Hutschenreuther Porzellanteile, 120’000 Kristallgläser und 160’000 Flaschen Rot- und Weisswein unter den Hammer. Das Swissair-Bordmaterial ist begehrt: Am ersten Tag derDer Neuanfang: Am 31.
Januar 2002 präsentieren die Verantwortlichen das Logo der neuen nationalen Fluggesellschaft Swiss. Entworfen hat es der kanadische Stardesigner Tyler Brûlé .
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