Ulrike Folkerts und Lisa Bitter blicken auf ihren 25. gemeinsamen Tatort zurück. Im Doppelinterview sprechen sie über ihre Freundschaft, die Veränderung des Krimi-Genres, Gewalt gegen Frauen und die Episode Explosive Mischung. Folkerts erzählt zudem von den Folgen einer Skandalfolge mit einem Politiker und verrät, wie lange sie als Lena Odenthal ermitteln will.
«Wenn der ‹ Tatort › niemandem nervt, haben wir was falsch gemacht» Seit 2014 ermitteln Ulrike Folkerts und Lisa Bitter Seite an Seite im Ludwigshafener « Tatort ».
Nun gibt es was zu feiern: Die Episode «Explosive Mischung» ist ihr 25. gemeinsamer Fall. Kaum ein Krimi-Format sorgt nach der Ausstrahlung so verlässlich für Gesprächsstoff wie der «Tatort». Anlässlich ihres 25. gemeinsamen Falls sprechen die TV-Ermittlerinnen Ulrike Folkerts und Lisa Bitter über eine Skandalfolge, den Wandel im Krimi-Genre und ihre Freundschaft. Nun feiern sie mit «Explosive Mischung» , ihren 25. gemeinsamen Fall. Im Doppelinterview sprechen die Schauspielerinnen über ihre Freundschaft, Gewalt gegen Frauen und darüber, wie sehr sich der «Tatort» verändert hat. Folkerts verrät zudem, warum sie nach einer Skandalfolge mit einem Politiker durch die Pfalz wandern musste – und wie lange sie noch als Lena Odenthal ermitteln will. Seit 1989 ermittelt die 65-Jährige als Lena Odenthal in Ludwigshafen, seit 2014 gemeinsam mit Bitter alias Kriminalhauptkommissarin Johanna Stern.
Mit Lederjacke, kurzen Haaren und frechen Sprüchen revolutionierte Folkerts einst das Bild der Frau im deutschen Fernsehkrimi. Im Laufe der Zeit wandelten sich die Themen, die die TV-Nation erhitzen. , dem 25. gemeinsamen Fall des Duos Odenthal und Stern, in dem es unter anderem um Gewalt gegen Frauen geht.
Darüber und warum eine der beiden nach einer Skandalfolge mit einem Politiker wandern gehen musste, sprechen die Schauspielerinnen im Interview. Man spürt: Diese beiden sind ein eingeschworenes Team, das sich auch privat bestens versteht. Frau Bitter, Frau Folkerts, Glückwunsch zum Jubiläum: Der «Tatort: Explosive Mischung» ist Ihr 25. gemeinsamer Fall. Wenn Sie an das Casting für die Rolle der Johanna Stern zurückdenken – wie nervös waren Sie, Frau Bitter?
Ich war unglaublich nervös. Für mich ist es schon immer eine Art Ritual, am Sonntagabend den «Tatort» einzuschalten. Allein zum Casting eingeladen zu werden, empfand ich deshalb als Ehre. Es war klar, dass es mehrere Runden geben würde.
Bei der ersten versuchte ich noch, gelassen zu bleiben. Aber als ich in die zweite Runde eingeladen wurde, dachte ich nur noch: Ich will diese Rolle unbedingt. Frau Folkerts, das Besondere war, dass Sie beim Casting dabei waren. Hatten Sie damals gleich das Gefühl: Das passt, das ist die Richtige für die Rolle?
Ich wollte unbedingt beim Casting dabei sein. Klar war anfangs nur: Wir suchen einen Gegenpol zu Lena. Und jemand, der jünger ist. Ich wollte wissen: Wie ist das, wenn man sich in die Augen sieht?
Gibt es einen Anknüpfungspunkt? Wir spielten zusammen die Szene aus dem «Tatort: Room Service», in der Johanna Stern zum ersten Mal ins Büro kommt und sehr schlaubergerisch auftritt. Bei Lisa habe ich gleich gespürt, dass sie richtig Bock auf die Rolle hatte. Und sie hat einen guten Humor.
«Ulrike ist trotz ihrer Bekanntheit total auf dem Boden geblieben. Und sie fängt bei jedem Film von Null an. Sie geht nicht davon aus, dass ihr die Rolle zufliegt, auch wenn sie sie schon lange spielt»: Lisa Bitter. Ulrike ist trotz ihrer Bekanntheit total auf dem Boden geblieben.
Und sie fängt bei jedem Film von Null an. Sie geht nicht davon aus, dass ihr die Rolle zufliegt, auch wenn sie sie schon lange spielt. Wir sind meist auf einer Wellenlänge und erarbeiten uns den Fall gemeinsam. Deshalb heisst es nach Drehschluss auch nicht «Tschüs, bis morgen», sondern wir lassen gute Drehtage dann auch gern gemeinsam ausklingen.
Wir kochen auch füreinander. Ich habe nicht viele Freundinnen und Freunde in Branche. Aber Lisa zählt inzwischen dazu. Beruflich schätze ich an ihr, dass sie eine echte Teamplayerin ist.
Jüngere Menschen können einem ja auch die Show stehlen. Ich hatte Angst, dass man mich aussortiert. Aber es war schnell klar, dass es so etwas bei uns nicht geben wird. Wir wollen auch im Film keine Klischees über Frauenkonkurrenz bedienen.
Das haben wir ziemlich schnell klargemacht, als man am Anfang versuchte, uns als Kommissarinnen zickig aufeinander loszulassen. Im Jubiläums-«Tatort: Explosive Mischung» dreht sich ein Handlungsstrang um Gewalt gegen Frauen. Man spürt, dass das Thema den Machern am Herzen liegt. Wird hierzulande zu wenig unternommen, um betroffenen Frauen zu helfen?
Wir greifen oft Themen auf, mit denen man keinen Wahlkampf gewinnt, die aber wichtig sind. Oft ist es schwierig, Fälle von Gewalt gegen Frauen zur Anzeige zu bringen. Zumindest was Stalking und Catcalling betrifft, hat sich hier schon einiges verbessert. Im Film sieht man gut, wie sich die Gewaltspirale immer mehr hochdreht.
Der Täter kontrolliert seine Frau, schliesslich schlägt er zu, wird immer gewalttätiger. Und das ist leider auch in der Realität oft so. Es ist mir wichtig, dass in einem Format, das so viele Menschen sehen, gesellschaftliche Probleme thematisiert werden. Ein anderes Problem ist, dass betroffene Frauen oft nicht wissen, wohin sie gehen können, dass sie der Situation oft ausgeliefert sind.
Viele von ihnen begeben sich in Lebensgefahr, wenn sie den Mann verlassen. Die Frauenhäuser haben viel zu wenig Plätze. Von 2032 an haben Frauen und Kinder, die von sexualisierter Gewalt betroffen sind, einen Rechtsanspruch auf Schutz. Aber was ist bis dahin?
Sie haben es eben bereits angesprochen: Der Ludwigshafener «Tatort» greift immer wieder auch relevante Themen auf wie Ehrenmorde, Sterbehilfe, Armut. Was erleben Sie nach der Ausstrahlung, wenn es sich um solche Themen handelt? Sind die Reaktionen extremer, persönlicher geworden? Die Reaktionen auf der Strasse sind meist ziemlich positiv.
Das Internet ist natürlich voll von widersprüchlichen Meinungen. Im Netz halte ich es inzwischen so, dass ich mir nicht mehr alle Kommentare durchlese. Vor allem wenn ich merke, die Leute haben gar nicht genau hingesehen, sondern wollen einfach nur Dampf ablassen.
Andererseits: Wenn unser Film eine Diskussion anstösst, wenn er den Menschen nahegeht, ist das eine gute Sache. Wenn der «Tatort» niemandem auf den Keks geht, haben wir was falsch gemacht.verunglimpft, und Sie, Frau Folkerts, mussten nach Protesten gegen den Film mit FDP-Politiker Rainer Brüderle in der Pfalz wandern gehen. Ja, das war unglaublich, was dieser Film auslöste. Um Frieden zu schaffen, sollte ich vor versammelter Presse mit Herrn Brüderle auf ein Weinfest und mit ihm durch die Weinberge spazieren.
Damals war ich gerade so richtig auf Krawall gebürstet, aber ich habe es gemacht. Den Saumagen habe ich als Vegetarierin allerdings verweigert. Im Film ging es darum, dass ein ganzes Dorf einen Aussiedler, der sein Land nicht verkaufen will, durch einen Wald hetzt, um ihn dann in den Häcksler zu werfen. Ich habe nach der Ausstrahlung versucht klarzumachen, dass das nur Fiktion ist und dass so etwas überall passieren kann.
Aber es half nichts. Der Skandal-«Tatort» hat tiefe Wunden hinterlassen. Wir waren mitwieder in der Region. Aber selbst nach über 25 Jahren wollte man uns dort nicht mehr drehen lassen.
Inzwischen geht man mit der Region sehr sorgsam um. Auch heute spürt man, dass es den Menschen viel bedeutet, wenn ihre Region beim «Tatort» repräsentiert ist. Die Identifikation der Menschen ist stark. Vor allem ist das spürbar, wenn im Film ein wenig Dialekt vorkommt.
Die Menschen freuen sich darüber. Was heute eher für Aufreger sorgt, ist das Thema kulturelle Aneignung.
«Beruflich schätze ich an Lisa, dass sie eine echte Teamplayerin ist. Jüngere Menschen können einem ja auch die Show stehlen»: Ulrike Folkerts. Gerade beim «Tatort» können die Menschen angeblich manchmal schlecht zwischen den fiktiven Figuren und den Schauspielern unterscheiden. Wie erleben Sie das?
Das kommt immer wieder mal vor, dass ich auf der Strasse mit dem Rollennamen angesprochen werde. Das sind aber immer sehr nette Begegnungen. Viel öfter passiert das allerdings Ulrike. Wenn wir beide zusammen unterwegs sind, ruft dauernd jemand «Frau Odenthal!
»Das sind meist Leute aus meiner Generation, die ihr halbes Leben lang treue «Tatort»-Zuschauer sind. Für die meisten Menschen bin ich Lena Odenthal, nicht Ulrike Folkerts. Schliesslich bin ich als Lena seit Jahrzehnten regelmässig bei Ihnen im Wohnzimmer. Deshalb haben sie den Namen verinnerlicht, und sie haben das Gefühl, mich gut zu kennen.
Frau Folkerts, Sie sind die dienstälteste «Tatort»-Kommissarin. Als Sie 1989 anfingen, gab es kaum weibliche Ermittler im deutschen Fernsehen. Wie erinnern Sie sich an Ihren Start? Damals war ich 28 und sehr unglücklich.
Ich wollte weg vom Theater. Diese Rolle war die Rettung für mich. Lena Odenthal musste erst mal beweisen, was sie alles kann. Alle Vorgesetzten und Kollegen waren Männer.
Da sass auch noch eine Art bebrillte «Miss Moneypenny» im Büro. Ich hatte kurze Haare und eine Lederjacke. Dass Lena sich kloppte, freche Sprüche klopfte und mit ihren Vorgesetzten stritt – das war damals eine Revolution. Wir haben noch darum gekämpft, dass eine Frau als Kommissarin glaubwürdig ist.
Aber ich bin gar nicht bewusst dafür angetreten. In den ersten zehn Jahren habe ich auch nicht darüber gesprochen, dass ich homosexuell bin. Das war damals in dieser Branche eine Katastrophe und bedeutete das sichere Karriereende. Ich bin in die Rolle der Lena Odenthal reingestolpert und war mir gar nicht klar, was ich alles auslöse.
Es passiert mir noch heute manchmal, dass Frauen sagen: «Wir sind Ihnen sehr dankbar, was Sie damals gemacht haben». Der einzige Grund für mich aufzuhören, wäre, wenn wir dauerhaft schlechte Drehbücher bekämen. Wenn man sich beim Spielen fragt: «Was für einen Quatsch erzählen wir hier eigentlich? », ist das ein schlechtes Zeichen.
Ich kann es mir nicht vorstellen, aufzuhören. Das wird hart, wenn meine Zeit beim «Tatort» zu Ende geht. Ich bin glücklich, dass ich in dieser Rolle älter werden darf. Lena Odenthal und Johanna Stern ermitteln in der Tatort-Episode «Explosive Mischung» einen Kriminalfall, der im Lauf eines einzigen Abends eskaliert.
Wenn Sie privat einen «Tatort» sehen: Worauf achten Sie? Können Sie ihn überhaupt als Krimi geniessen, oder denkt man immer darüber danach, wie es die anderen Teams machen? Klar schaue ich auch mit dem Profi-Auge, Plot, Besetzung, Motive, Ausstattung etcetera. Aber wenn mich der Fall begeistert, vergesse ich das alles schnell und bin total in der Geschichte drin.
Besonders schnell bin ich bei dem neuen Team aus Frankfurt in die Geschichte geschlüpft. , die den Wiener «Tatort» nach vorn gebracht hat. Mich interessiert auch, was die Ermittler im Krimi dürfen. Früher war es ein ungeschriebenes Gesetz, dass ein TV-Kommissar charakterlich völlig rein ist er oder sie raucht nicht, trinkt nicht, verliebt sich nicht.
Ich möchte Kommissare sehen, die auch mal scheitern, die Mist bauen oder «Scheisse» sagen. Es gibt im Krimi-Genre gerade einen Wandel. Mal sehen, was alles so passiert – wir halten die Stellung. Sie, Frau Folkerts, haben vor vielen Jahren mit Katharina Schnitzler ein Buch über das Finden des Glücks geschrieben.
Was bedeutet heute Glück für Sie? Glück ist für mich nie ein Dauerzustand, sondern es sind meist einzelne Momente. Ich habe eine wunderbare Partnerin, die mit mir durch Dick und Dünn geht. Zuhause spielt mein Beruf keine Rolle, das ist eine tolle Base.
Aber dieser Beruf macht mich auch verdammt glücklich. Wenn man bei einem Dreh mit tollen Menschen zusammenarbeiten durfte und dann nach Hause zur Familie zurückkommt – das ist ein unbeschreibliches Gefühl. Wie vom Glück geküsstTrotz Höhenangst auf Berge steigen und über Brücken gehen? Höhencoach David Elsasser behauptet, er helfe sogar hoffnungslosen Fällen dabei, ihre Angst zu überwinden. Ein Selbstversuch.
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