Ein Kilchberger Reisebüro kassierte über 20'000 Franken – und buchte weder Flüge noch Hotels. Der Inhaber spricht von einem Hackerangriff.
20’000 Franken für Japanreise – doch kurz vor Abflug ist nichts gebucht Wenige Tage vor der Abreise erfährt Luca Kunz, dass das Reisebüro weder Flüge noch Hotels gebucht hat.
Er erstattet Anzeige wegen Betrugs. Der Inhaber spricht von einem «Hackerangriff». Vier Freunde bezahlen mehr als 20’000 Franken für eine Japanreise, doch kurz vor Abflug stellt sich heraus, dass Flüge und Hotels nicht gebucht sind. Reisebüro-Inhaber Harry Kolb weist den Betrugsvorwurf zurück und spricht von einem Hackerangriff und finanziellen Problemen.
Nur noch wenige Tage, dann geht es nach Japan. Seit Monaten freuen sich Luca Kunz und seine drei Freunde auf drei Ferienwochen im. Sie haben den Trip mit einem spezialisierten Reisebüro geplant und mehr als 20’000 Franken dafür bezahlt. Eigentlich sollten sie nur noch die Koffer packen müssen.
Doch kurz vor dem Abflug merken sie: Etwas stimmt nicht. Denn trotz mehrmaligem Nachhaken waren weder Flugtickets noch Reiseunterlagen eingetroffen. Die Reise hatten die vier beim Reisebüro Harry Kolb in Kilchberg gebucht. Das 1982 gegründete Unternehmen ist auf Fernostreisen spezialisiert.
Kunz sagt, dort sei er mit Aussagen wie «Kommt alles» und «Wir rufen Sie zurück» vertröstet worden. Vor einer Woche verlor Kunz dann die Geduld und rief selber bei der Fluggesellschaft an. Dort erfuhr er, dass keine Buchung vorlag. Vier Tage vor dem Abflug setzte er dem Reisebüro deshalb ein Ultimatum: Bis am nächsten Morgen sollten gültige Flugtickets und die vollständigen Reiseunterlagen vorliegen.
Doch statt der erhofften Unterlagen folgte am nächsten Tag die Ernüchterung. Ein Mitarbeiter des Reisebüros bestätigte schriftlich, er habe verschiedene Hotels in Japan kontaktiert und nach Reservationen für die vier Reisenden gefragt.
«Leider sind in allen angefragten Hotels keine Reservationen vorhanden. » Auch die Flüge seien nicht gebucht.
«Es tut mir sehr leid, dass das der Stand der Situation ist. »Die Reise hatten Kunz und seine Freunde bereits im Dezember 2025 mit dem Reisebüro Harry Kolb geplant. In zahlreichen Mails, die dieser Redaktion vorliegen, besprachen sie Route, Flüge, Hotels und weitere Details. Im Januar bedankte sich das Reisebüro bei Kunz für den Auftrag.
In den folgenden Monaten überwiesen die vier in mehreren Tranchen insgesamt rund 20’000 Franken. Noch wenige Wochen vor der Abreise deutete für die Kunden nichts auf Probleme hin. Anfang September erkundigte sich das Reisebüro etwa, wie ein Zuschlag für die Japan-Rail-Pässe verrechnet werden solle. Die Rail-Pässe waren laut Kunz letztlich die einzige Leistung, die sie tatsächlich erhielten.
Diese hat er nun zurückgeschickt und fordert die Rückzahlung des bezahlten Geldes. Zudem erstattete er Anzeige wegen Betrugs. Angesichts der hohen Summe wolle er alle möglichen Schritte ausschöpfen, sagt er. , bestätigt auf Anfrage, dass es bei der Japanreise zu Problemen kam.
«Das ist gar nicht gut gelaufen», gibt er zu. Den Betrugsvorwurf weist er jedoch entschieden zurück: «Wir würden niemals jemanden betrügen. » Als Grund nennt Kolb einen mutmasslichen Hackerangriff, dem sein Unternehmen zum Opfer gefallen sei. Dabei seien grössere Summen von Firmenkonten verschwunden.
Kolb habe deshalb seinerseits Anzeige gegen unbekannt erstattet. Die Ermittlungen liefen noch. Der Vorfall habe das Reisebüro in finanzielle Schwierigkeiten gebracht.
«Wir haben versucht, die Löcher mit anderen Geldern zu stopfen», sagt Kolb. Das sei nur eine Zeit lang gut gegangen. Letztlich habe schlicht die Liquidität gefehlt, um die Tickets und Hotels für Kunz und seine Freunde zu bezahlen. Harry Kolb – Inhaber des gleichnamigen Reisebüros – verspricht den betroffenen Kunden die Rückzahlung ihres Geldes und entschuldigt sich für die Probleme.
Dass die Kunden nichts von den finanziellen Problemen gewusst hätten, sei ein Fehler gewesen.
«Wir hätten sie früher über die Situation informieren müssen. » Er selbst sei zu dieser Zeit in Japan gewesen, seine Mitarbeiter seien mit der Situation überfordert gewesen.
«In über 40 Jahren im Geschäft ist uns so etwas noch nie passiert. » Nun verspricht Kolb, den Kunden ihr Geld zurückzuzahlen. Er rechne damit, dass sich die finanziellen Probleme in den nächsten Tagen lösen würden.
«Dann werden wir alles zurückzahlen. » Für das Vorgefallene entschuldigt er sich: «Es tut mir sehr leid. Ich will das wieder in Ordnung bringen. »berichtet, meldete sich eine weitere Kundin.
Sie und ihr Mann hatten dem Reisebüro 8500 Franken für Hotels, einen Mietwagen und Transfers in Japan bezahlt. Als sie im Juni dort ankamen, waren laut der Kundin weder der Mietwagen noch mehrere Hotels reserviert. Das Paar musste die Leistungen erneut selbst organisieren und bezahlen. Das Geld hätten sie bis heute nicht zurückerhalten.
Harry Kolb bestätigte gegenüber der Zeitung, dass weitere Kunden betroffen seien. Es handle sich wohl um vier bis fünf Familien. Für die betroffenen Kunden stellt sich damit auch die Frage, was mit ihrem Geld im Fall einer Insolvenz des Reisebüros geschieht. GegenüberDeren Präsident Luc Vuilleumier widerspricht: Der Vertrag sei am 23.
Juni 2026 sistiert worden «Es fehlten die nötigen Sicherheiten», sagt er gegenüber dem Branchenportal. Für Kunz gilt der Schutz allerdings weiterhin, da sie bereits im Januar gebucht hatten. Wer erst nach der Sistierung am 23. Juni gebucht hat, ist im Insolvenzfall nicht mehr abgesichert.
Kunz und seine Freunde liessen sich die Reise trotz allem nicht nehmen. Kurzfristig organisierten sie die gesamte Reise neu.
«Wir mussten alles selber buchen», sagt er. Dafür hätten sie rund 14’000 Franken bezahlt – und damit «einiges weniger als beim Reisebüro». Am Montag flogen die vier nach Japan. Inzwischen sind sie dort unterwegs und können die Ferien trotz des Ärgers geniessen.
«Die zwei Tage bis jetzt waren super», schreibt Kunz. Harry Kolb – Inhaber des gleichnamigen Reisebüros – verspricht den betroffenen Kunden die Rückzahlung ihres Geldes und entschuldigt sich für die Probleme.
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